Nicht nur die Schweizer Fussball-Nati hatte grosse Auftritte an der EM in Frankreich, sondern auch der Juraparkkäse, ein Produkt aus dem Staffeleggtal. Im «House of Switzerland» – der Repräsentationsstätte der Schweiz während der Europameisterschaft, in einem Open-Air-Kulturzentrum hoch über der Seine – wurden 27 ausgewählte Schweizer Regionalprodukte der Weltöffentlichkeit vorgestellt. «Foodball», nannte sich der Anlass. Vertreten waren altbekannte Köstlichkeiten wie die Solothurner Torte, Absinth oder der «Tête de Moine» – und eben der Juraparkkäse.

«Aus einer Notsituation heraus beim Käse gelandet»

Dabei ist dieser ein eher junges Produkt. Hergestellt wird er von Paul Frey aus Asp, Arno Wernle aus Herznach und Roland Nussbaum aus Densbüren. «Vor fünf Jahren haben wir uns gefragt, wie man mehr Wertschöpfung aus der Milch generieren kann», erzählt Paul Frey. «So sind wir aus einer Notsituation heraus beim Käse gelandet.»

Der milde Halbhartkäse reift nun im Felsenkeller in Densbüren. Bereits Ende 2015 hatten die drei Käseproduzenten im Wettbewerb für Regionalprodukte in Delémont eine Silbermedaille erhalten. Das war sozusagen die Finalqualifikation für den «Foodball» in Paris; die Chance, den Juraparkkäse einem internationalen Publikum vorzustellen.

Tochter als Dolmetscherin mit dabei

«Eigentlich hätte pro Produkt nur eine Person hinreisen dürfen», erzählt Paul Frey. «Aber ich mit meinem Schulfranzösisch … Da habe ich die Organisatoren gefragt, ob ich meine Tochter als Dolmetscherin mitnehmen darf.» Schliesslich reisten Freys am Samstag vor einer Woche zu zweit mit dem Büssli nach Paris. «Obwohl wir schon um 5 Uhr losfuhren, kamen wir mit einer Stunde Verspätung an. Da sind wir nur noch rausgesprungen und haben unseren Stand in Windeseile aufgestellt.»Am Abend gings dann wieder zurück in den Aargau. Nach dem Match Frankreich - Schweiz, versteht sich.

Noch eine Woche später schwärmt Paul Frey vom Erlebnis. Eindrücklich und interessant seis gewesen, die Besucher, darunter viele Chinesen, hätten fleissig degustiert – «Nicht wie bei uns an den Märkten, wo sie sich nicht so recht trauen», sagt er. Nicht nur Tochter Susanne, gekleidet in die Tracht der Grossmutter, kam gut an. Auch der Juraparkkäse sei von allen Seiten gelobt worden, berichtet Frey. «Aber, seien wir ehrlich, das macht man ja aus Anstand sowieso.»

Wertvoller Austausch

Und, haben sich die Juraparkbauern nun einen grossen Auftrag geangelt? «Nein, aber wir gingen auch nicht in der Absicht, ein grosses Exportgeschäft aufzuziehen, nach Paris», sagt Paul Frey lachend. «Eher, um Kontakte zu knüpfen». Und das sei gelungen, so der Bauer: «Wir haben viele andere Produzenten aus der Schweiz kennen gelernt. Der Austausch ist wertvoll – und man merkt, dass alle ähnliche Probleme haben.»

Lebensmittelproduzenten – gerade Käser– befänden sich in einem Verdrängungswettbewerb: «Man kann jeden Tag fünf verschiedene T-Shirts anziehen, aber essen kann man nur, bis der Bauch voll ist», erklärt Frey. «Verkaufen wir mehr, verkauft ein anderer dafür weniger.»(nro)