Aarau

Junger Aarauer erweitert Mozarts Requiem um zwei Stücke

Michael Schraner am Piano und Autor Gaudenz Wigger.

Michael Schraner am Piano und Autor Gaudenz Wigger.

Das unvollendete Werk erhält durch Gaudenz Wigger neues Leben. Es wird drei Mal in der Stadtkirche Aarau aufgeführt.

Der junge Komponist Gaudenz Werner Wigger, ehemaliger Schüler der Alten Kanti Aarau, hat zwei neue Stücke zu Mozarts Requiem geschrieben, einem der berühmtesten Chorwerke überhaupt. Die Idee dazu hatte Michael Schraner, unter dessen Leitung der Chor der Alten Kantonsschule, die Aargauer Vokalisten und das Barockorchester Capriccio das so ergänzte Requiem Mozarts aufführen.

Mozarts Totenmesse ist zwar wunderschön, aber auch zu kurz, um einen Abend zu füllen. Zudem ist sie ein Fragment – Mozart selbst vollendete nur die ersten drei der fünf Werkkomplexe in Gesangsstimmen und beziffertem Bass, dann aber, nach acht Takten im «Lacrimosa», bricht seine Handschrift ab. Nach seinem Tod hat es Mozarts Schüler Franz Xaver Süssmayr im Auftrag von dessen Witwe Constanze instrumentiert und vervollständigt. Bis heute versuchen sich Musikologen und Komponisten an einer «Vollendung» dieses Requiem-Fragments. Dennoch konnte sich die gerne auch kritisierte Fassung von Süssmayr behaupten.

Ein Stück für Chor, Orchester und Solosänger

Doch was nimmt man zum Requiem dazu, um den Konzertabend zu füllen? «Ich wollte einmal etwas anderes ausprobieren als die üblichen Ergänzungen mit einer Mozart-Sinfonie oder der Kleinen Freimaurermusik», sagt Michael Schraner. «Weshalb nicht einmal das beliebte Requiem mit Neuem kombinieren und so ungewohnte Hörzugänge schaffen?» Der Dirigent beauftragte seinen ehemaligen Schüler Gaudenz Wigger. Eine anspruchsvolle Aufgabe für einen 21-jährigen Musik-Studenten, nicht nur wegen Mozart, sondern auch wegen der grossen Besetzung: ein Stück für Chor, Orchester und Solosänger. Er liebe das Orchester mit all seinen Möglichkeiten an Farben und Klangschichtungen, es sei sein bevorzugtes «Instrument», meint Gaudenz Wigger im Gespräch. «Natürlich ist die Besetzung aufwendig, man muss ja nicht nur die Partitur, sondern auch die einzelnen Stimmen für alle Beteiligten herstellen.»

Der junge Aarauer komponiert noch traditionell von Hand und am Klavier, ganz ähnlich wie sein berühmter Kompositionslehrer Dieter Ammann. «Erst wenn die Partitur fertig ist, übertrage ich sie auf den Computer», sagt Gaudenz Wigger. «So lassen sich die Stimmen einfacher heraus kopieren.» Aus Schraners Auftrag machte der Komponist kurzerhand zwei Stücke: ein Präludium und ein Zwischenspiel, ein Interludium. Dieses beginnt genau dort, wo Mozarts Handschrift im «Lacrimosa» abbricht – eine mutige Idee. Da bleibt dann plötzlich – mitten in der Musik Mozarts – eine Gruppe im Chor auf ihren Tönen stehen, es entsteht eine dichte, statische Klangfläche. Wiggers Interludium dauert sieben Minuten, dann kehrt die Musik nahtlos zurück zu Mozart.

Gaudenz Wigger hat einst in Schraners Kanti-Chor mitgesungen und tut es noch immer. Er studiert jetzt Gesang und Komposition an der Musikhochschule Luzern. Das Mitmachen im Kanti-Chor ist freiwillig. Michael Schraner war überrascht, dass sich gleich 70 Schülerinnen und Lehrerinnen gemeldet haben. Zusammen mit den Aargauer Vokalisten umfasst der Chor nun 170 Personen.

«Ich erzähle mit Mozarts Worten in meiner Sprache»

Gerade weil der Chor so gross ist, hat sich der Dirigent zwei Ziele gesetzt: «Ich will beweisen, dass auch ein grosser Chor leise singen und auch in den schnellen Tempi präzise und gut artikulieren kann.» Mozart ist nie einfach, so schlicht und ergreifend seine Musik ist, sie fordert höchste Konzentration. Man hört schnell, wenn etwas nicht stimmt. Aber auch die neuen Stücke von Gaudenz Wigger fordern den Chor heraus.

Konzerte am 6. März (19.30 Uhr) und 7. März, 16.30 und 19.30 Uhr, in der Stadtkirche.

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