Aarau
Junge Belgier schauen sich das Vorzeigestück Reithalle genau an

Belgische Architekturstudenten haben die imposante Reithalle im Aarauer Schachen besucht. Architekt Andreas Marti erklärte ihnen, was sie so speziell macht - und warum sie bei Reitern in der ganzen Schweiz beliebt ist.

Hubert Keller
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Architekt Andreas Marti erklärt den Studenten aus Belgien die Konstruktion der imposanten Reithalle im Schachen.

Architekt Andreas Marti erklärt den Studenten aus Belgien die Konstruktion der imposanten Reithalle im Schachen.

Pascal Meier

Dass seine Reithalle sogar bei belgischen Architekturstudenten und ihren Lehrern Interesse finden würde, konnte sich der Aarauer Architekt Andreas Marti bis vor kurzem nicht vorstellen. Doch am Mittwoch stand er stolz vor einer Gruppe neugieriger Leute und erklärte, was die Reithalle im Aarauer Schachen so speziell macht.

Die Studenten sind mit ihren Professoren eine ganze Woche im Bus unterwegs – in der Schweiz und in Frankreich. In Dornach haben sie das Goetheanum besucht, wo spirituell engagierte Menschen an der Rudolf-Steiner-Schule lernen und lehren, in Biel galt das Interesse der Hochschule Holz. Und Holz war ja auch das Thema in Aarau beziehungsweise die spezielle Holzkonstruktion des Flachdaches, welche die 81 mal 32 Meter grosse Reitarena überspannt.

Auch bei den Reitern sehr beliebt

«Wir waren schon vor zwei Jahren da, standen aber vor verschlossenen Türen», erklärt Architekturprofessor Hans Barbier, der deshalb rechtzeitig die Kontakte in die Schweiz und zum Aarauer Reitverein herstellte.

Dass ihre Reithalle ein Vorzeigestück ist, davon sind die Mitglieder des Reitvereins seit jeher überzeugt. Ihre Halle ist nämlich bei den Reitern aus der ganzen Schweiz ausserordentlich beliebt, jedoch nicht wegen der speziellen Konstruktion, sondern wegen des Bodens. Ruedi Wälty war damals Präsident der Baukommission: «Wir mussten mit den finanziellen Mitteln haushalten, doch am Boden sparten wir nicht.»

Es war denn auch der Kostendruck, dem die Halle jene Schlichtheit verdankt, die nicht nur bei den Fachleuten gut ankommt. Nicht umsonst hob die Wakker-Preis-Jury die Reithalle als beispielhaft hervor, selbstverständlich auch und vor allem in städtebaulicher Hinsicht. Das Gebäude wurde zudem 2009, ein Jahr nach der Einweihung, mit dem Holzpreis Schweiz ausgezeichnet.

Die Reithalle ist stützenlos und hat mit einer Höhe von zehn Metern imposante Ausmasse. Das Haupttragwerk der ungedämmten Halle besteht aus 15 Fachwerkträgern, die 2,7 Meter hoch und über 32 Meter gespannt sind. Im Abstand von 5 Metern erzeugen die Träger an der Decke des weiten Leerraums ein faszinierendes statisches Bild, das die jungen Architekturstudenten sichtlich beeindruckte.

Architekt Marti fühlte sich zu Recht geschmeichelt: «Das Interesse der belgischen Studenten ist für mich eine grosse Genugtuung.»

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