Aarau
Jugendliche üben das Abhauen im Aarauer Theater Tuchlaube

Am 16. Oktober startet das Aarauer Theater Tuchlaube in die Saison 2013/14. Ein Augenschein in einer Probe des Jugendclubs Schein-Werfer.

Janine Müller
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Ziemlich anstrengend: Marina (vorne) Tamina (Mitte) und Emma (hinten) üben die Choreografie.

Ziemlich anstrengend: Marina (vorne) Tamina (Mitte) und Emma (hinten) üben die Choreografie.

Tim Honegger

Sie schlurft über den Boden. Gesenkter Kopf, hängende Schultern. Marina geht es nicht gut. Sie fährt sich müde durch die Haare, schaut mit ausdruckslosem Blick um sich; lässt sich auf den Boden fallen. Marina ist 15 Jahre alt. Hat genug von ihren Eltern, genug von der Schule und genug vom permanenten Leistungsdruck. Sie will abhauen. Frei sein.

Im richtigen Leben geht es Marina gut. Die Schülerin übt zusammen mit fünf anderen 13- bis 15-jährigen Jugendlichen nur ein Theaterstück, das eigentlich eine Tanzchoreografie ist. Das Thema: Einfach abhauen. Nach dem gleichnamigen Jugendroman von Gudrun Pausewang.

Theater Tuchlaube Aarau: Saison 2013/14

Am 16. Oktober startet das Theater Tuchlaube Aarau in die Saison 2013/2014. Zuvor findet ein spezielles Projekt zusammen mit der Friedensorganisation SCI Schweiz und der Sektion Asyl Kanton Aargau statt: Das Theater Tuchlaube Aarau führt eine Theaterwoche für Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund durch. Dabei wird die kulturelle Vielfalt der grossen Feste des Lebens - Geburt, Hochzeit, Beerdigung, szenisch dargestellt. Die Proben dazu finden vom 7. Oktober bis 12. Oktober 2013 statt. Danach wird das Thema «Feste feiern» im Kinderclub weitergeführt. Interessierte können sich bis zum 30. September 2013 anmelden unter mail@tuchlaube.ch.

Vorführungen: Kinderclub «TheaterFlucht»: 5. März Premiere. 9. März zweite Vorstellung im Rahmen des Secondofestivals 2014.

In der ersten Herbstferienwoche findet vom Montag (1.10.) bis Freitag (4.10.) wieder das «Bettmüpfeli» für Kinder ab fünf Jahren statt.

Weitere Produktionen:
«Zehn wichtigste Ereignisse meines Lebens» von Mats Staub. «Harry Widmer Junior» nach dem Roman von Alex Capus. «Bruno der Sandkastenmann» von Jörg Bohn. «Truppenbesuch» von Mike Müller u.a. «Chinin» von Gaël Roth. «We are family» von Stefanie Grob und Nicole Tobler. «Nein, ich will - Oder: Die Suche nach Natsnet» von Szenart. «Hympermnesia» von Selma Saphic. (jam)

Theaterpädagogin Anja Lina Egli lässt ihre Gruppe im Proberaum des Theaters Tuchlaube Aarau die Szene wiederholen. Sie zählt im Takt der Musik an. Fünf, sechs, sieben, acht. Marina lässt sich auf den Boden fallen. Liegt wie ein Embryo am Boden. Den Kopf versteckt sie unter den Armen. Welt aus. Probleme weg. Fünf, sechs, sieben, acht. Marina rauft sich im Takt der Musik auf. Fällt wieder zu Boden. Musik aus.

Die Arbeit mit Jugendlichen sei speziell, sagt Egli. Vor allem in diesem Alter. «Es laufen die Prozesse der Meinungsbildung und der Identitätsfindung.»

Nur: Abhauen wollen ihre Jugendlichen nicht, sagt Egli erstaunt. War es doch bei ihr in diesem Alter genau umgekehrt. Eingetaucht sei sie in das Buch. Der Wunsch abzuhauen, unabhängig zu sein und Abenteuer zu erleben, wuchs damals vor gut zehn Jahren auch in ihr.

Der Jugendclub

Der neue Jugendclub Schein_Werfer richtet sich an Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren und ist offen für alle aus dem Kanton Aargau. Momentan übt die Gruppe das Stück «Einfach abhauen» unter der Leitung von Theaterpädagogin Anja Lina Egli ein.
Die Proben finden am Mittwoch zwischen 17 Uhr und 20 Uhr statt (ausgenommen Schulferien). Zusätzliche Proben nach Absprache. Übungsort ist die Probebühne. Die Kurskosten betragen 250 Franken. Die Aufführungen sind am 8. Mai 2014 (Premiere), sowie am 10. und 11. Mai 2014. (jam)

Ideen der Jugendlichen gefragt

«In der ersten Probe sagten sie: Warum sollten wir hier wegwollen? Es geht uns doch gut hier.» Es liegt nun an Egli herauszufinden, was ihre Jugendlichen unter «Ausbrechen» verstehen.

Mit Ideen von beiden Seiten soll die Tanz-Theaterperformance langsam entstehen. Für die Theaterpädagogin, aber auch für die Jugendlichen ist es ein Sprung ins Ungewisse. «Los, nochmals!», ruft Egli den Jugendlichen zu. Stöhnen.

«Machen wir das den ganzen Abend?», will Yannik, der einzige Junge, wissen. Wieder geht die Musik an. Fünf, sechs, sieben, acht. Schlurfen. Umfallen. Aufstehen. Umfallen. Musik aus. Und alles noch mal von vorne. Musik an.

Gekicher und Diskussionen

Die Jugendlichen keuchen vor Anstrengung. Sie sinken erschöpft zu Boden und schauen einander an. Dann Gekicher. «Waren wir gleichzeitig?» – «War ich zu früh?» – «War ich zu spät?» – «Ich kann das nicht.» Die 13- bis 15-jährigen Jugendlichen diskutieren das Dargebotene, kritisieren einander. Lobende Worte von Egli hier. Beruhigende da.

Es ist erst die dritte Probe. Bis zur Premiere im Mai 2014 ist noch Zeit (siehe Box).

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