Aarau
Jetzt wollen die FCA-Fans Druck aufbauen – mit Petition und Kundgebung

Nicht mehr bloss klagen – die Fussballfans schliessen sich via Social Media zusammen und suchen selber nach einem Ausweg. Nun werden Unterschriften für eine Petition gesammelt, zudem wird eine Kundgebung geplant.

Katja Schlegel
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Das geplante Fussballstadion im Aarauer Quartier Torfeld Süd.
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Das geplante neue Aarauer Fussballstadion und Stimmen aus der Facebook-Gruppe «Pro Torfeld Süd».
Die neue Fussgänger- und Velobrücke beim geplanten Stadion Torfeld Süd mit Lifttürmen soll die beiden Gebiete Torfeld Süd und Nord miteinander verbinden.
Geplantes Fussballstadion im Aarauer Quartier Torfeld Süd
FCA will weitere 3 Millionen von der Stadt Aarau
Das Brügglifeld beim Match zwischen dem FC Aarau gegen den FC Sion im Juli 2014.

Das geplante Fussballstadion im Aarauer Quartier Torfeld Süd.

ZVG

Nach der Kampfansage der Klubleitung von Anfang Woche lassen sich jetzt die Fans des FC Aarau verlauten: Statt ihrem Frust über den blockierten Stadionneubau verzettelt auf den sozialen Medien und den Fan-Foren Luft zu machen, bündeln sie ihre Stimmen.

So zum Beispiel in der Facebook-Gruppe «Pro Torfeld Süd – Pro Spitzenfussball im Aargau». Die öffentliche Gruppe wurde Anfang Woche gegründet und zählt bereits über 550 Mitglieder.

Wie die Administratoren schreiben, dient die Seite dazu, dem «FC Aarau zu helfen und die Leute wachzurütteln». Drohungen oder Beleidigungen gegen den Beschwerdeführer werden gelöscht, so die Spielregeln.

Petition: Tausend Unterschriften nach einem Tag

Einen regelrechten Sturm ausgelöst hat eine Petition unter dem Titel «Aufbruch statt Abbruch». Am Donnerstagmorgen, gut 24 Stunden nach der Lancierung, haben bereits knapp 1000 Fans online ihre Unterschrift abgegeben, erste Unterschriftenbögen wurden am Mittwochabend am Match gegen den FC Zürich auf den Rängen im Letzigrund ausgefüllt.

Die Unterzeichnenden verlangen in der Petition vom Aargauer Regierungsrat und dem Aarauer Stadtrat, «dass die Verwirklichung des neuen Fussballstadions ‹Torfeld Süd Aarau› intensiviert wird».

«Die Verwirklichung intensivieren» – eine reichlich vage Formulierung. Setzen sich die Behörden aus Sicht der Petitionäre zu wenig für den Stadionneubau ein? «Die Stadt tut ihr Möglichstes», sagt René Kunz, ehemaliger SD-Grossrat, FCA-Fan von Kindsbeinen an und Initiant der Petition.

«Vielleicht andere Saiten aufziehen»

Aber vielleicht müsse man andere Saiten aufziehen, konkretisiert Kunz das Anliegen: «Wir wollen, dass die Behörden den Beschwerdeführer mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zwingen, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen und eine Lösung zu suchen.»

Es sei schlichtweg inakzeptabel, dass sich der Beschwerdeführer den Gesprächen mit den Behörden verweigere. «Wir wollen so gegenüber dem Beschwerdeführer Druck aufbauen.»

«Problem an Wurzel packen»

Ob die Unterschriften beim Beschwerdeführer etwas bewirken, ist jedoch fraglich. Dessen ist sich auch Kunz bewusst. Warum also richtet sich die Petition nicht an die Swiss Football League, die dem FC Aarau wegen der fehlenden Rasenheizung im Brügglifeld die Lizenz verweigern könnte? Daran hätte er auch gedacht, schliesslich sei die verlangte Rasenheizung ein absoluter Blödsinn, sowohl finanziell als auch ökologisch. «Aber wir wollen das Problem an der Wurzel packen. Und die Wurzel ist nun einmal der Beschwerdeführer», sagt Kunz.

Dass eine Petition nicht mehr als eine Willensäusserung ist, die jedermann – im Internet sogar anonym und mehrfach – unterzeichnen kann und keine Behörde zu irgendetwas verpflichtet, stört Kunz nicht. Er sieht die Petition als konstruktiven Beitrag an die verfahrene Situation.

«Dass der Mann eine Beschwerde gegen die Stadionbewilligung eingereicht hat, ist sein gutes Recht. Ob das nun fair gegenüber den Aarauern, dem Verein oder den Fans ist, darüber wurde schon genug gesprochen. Jetzt muss man den Knopf lösen», so Kunz.

Eine Kundgebung geplant

Die gemeinsame Kundgebung sei ein Zeichen dafür, dass die Fans jetzt nach vorne blicken, ein Zeichen an den Verein, dass sie voll und ganz hinter ihm stehen. Und nicht zuletzt ein Zeichen an die Stadion-Bauherrin HRS, deren Geduld seit Jahren strapaziert wird. Kunz hält fest, dass der Klub mit der Petition nichts zu tun habe. «Das ist allein die Sache der Fans.»

Obwohl Kunz mit viel Unterstützung gerechnet hat, so überrascht ihn doch das Tempo, in dem der Unterschriftenzähler steigt. Und gerade eben habe er 25 Couverts mit insgesamt 300 leeren Unterschriftenbögen zur Post gebracht, die von Fans bestellt worden sind. «Es läuft wahnsinnig gut.» Die gesammelten Unterschriften will Kunz Mitte Dezember übergeben.

«Können niemanden zwingen»

Auf die Petition angesprochen sagt Stadtpräsidentin Jolanda Urech: «Es ist verständlich, dass sich die FCA-Fans mit der Petition ihrer Forderung nach dem Stadion Nachdruck verleihen wollen.»

Zur Forderung, gegenüber dem Beschwerdeführer «andere Saiten aufzuziehen» und ihn zu einem Gespräch zu zwingen, hält sie aber fest: Ob jemand Gebrauch von seinem rechtlichen Gehör mache und seine Beweggründe darlege, sei jedem Einsprecher oder Beschwerdeführer selber überlassen. «Wir können niemanden dazu zwingen, sich mit uns an den Tisch zu setzen.»

Die Online-Petition des ehemaligen Grossrats René Kunz: