Buchs
Jetzt nutzen auch die Rehe die Unterführungen im Buchser Wald Suret

Die Verbreiterung der beiden Wildtierkorridore hat Erfolg – sogar ein Eichhörnchen wagte sich durch. Bald sind die Wildtiere in der Nordschweiz nun nicht mehr durch Autobahn, Zug und Siedlungen vom Rest der Schweiz abgetrennt.

Sabine Kuster
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Wildtierkorridor
11 Bilder
Eine Rehgeiss durchquert die Unterführung.
Ein Iltis huscht durch die Nacht.
Kein Problem für Mister Reineke.
Dieser Passant ist ein Dachs.
Die Augen eines Steinmarders leuchten in der Fotofalle auf.
Ein Igel schleicht den Verstecken entlang unter der Bahnlinie durch.
Ein Reh nutzt den Korridor bei Nacht.
Ein Igel (Bildmitte) wagt die Durchschreitung.
Das bisher einzige fotografierte Eichhörnchen.
Wildtierkorridor an der Bahnlinie zwischen Buchs, Aarau Rohr und Rupperswil.

Wildtierkorridor

WildLife Solutions WLS

Die beiden Unterführungen im Wald Suret auf dem Gemeindegebiet Buchs sind die einzigen Durchgänge für Wildtiere zwischen Olten und der Linthebene. Auf der ganzen Strecke durchs Mittelland trennen Siedlungen, Bahn und Strasse die Nordschweiz ab. Früher waren die Durchgänge im Buchser Wald bloss fünf Meter breit. Im Frühling 2013 wurden die Wildtierkorridore auf 15 Meter (östlicher Durchgang) und 12 Meter (westlich) verbreitert.

Verbreiterung der Wildtierkorridore in Buchs

Verbreiterung der Wildtierkorridore in Buchs

Aargauer Zeitung

Seit einem Jahr registrieren Fotofallen, ob die Unterführungen von den Tieren jetzt besser genutzt werden. Der Schlussbericht des Fachbereichs Landschaft und Vernetzung des Kantons wird Ende Jahr fertig. Überraschende Erkenntnisse hat die vom Kanton beauftragte Firma Wild Life Solutions (WLS) aus Fribourg jetzt schon: «Neu nutzen auch die Rehe einen Korridor», sagt Stefan Suter von WLS, «und sogar ein einzelnes Eichhörnchen hat die Fotofalle registriert.» Das sei bemerkenswert, denn Eichhörnchen verliessen die schützenden Bäume ungern.

Die beiden Unterführungen wurden vom Kanton mit Baumstämmen, Steinen und Bepflanzung so gestaltet, dass die Tiere während der Unterquerung Schutzwinkel finden.

Rehe nutzen östlichen Korridor

Die Rehe benutzen aber fast nur die östliche Unterführung: 34 verschiedene Rehe konnten dort zwischen Januar und September 2014 nachgewiesen werden, nur eines jedoch im westlichen Wildtierkorridor. Der östliche ist für die Tiere reserviert, der Durchgang für Menschen verboten. «Dadurch nutzen ihn die Rehe sogar am Tag», sagt Stefan Suter. Sie hielten sich auch relativ häufig in den Zugangsbereichen auf. Dort, neben den Bahngeleisen, wurden letztes Jahr Bäume gefällt. Nun wächst mehr Gras.

Vor der Verbreiterung nutzten schon Fuchs, Dachs, Iltis, Steinmarder, Igel und Maus die Wildtierkorridore. Auch Hauskatzen gehören zu den regelmässigen Durchquererinnen. Noch nicht in den Unterführungen, aber in der Umgebung nachgewiesen wurden Baummarder und Wildschweine.

Korridor für Autobahn geplant

Die bestehenden Wildtierkorridore machen aber nur Sinn, wenn auch die zwei anderen Barrieren für Wildtiere durchlässig werden: Südlich der Zuglinie liegt der Autobahnzubringer T5 und einen halben Kilometer danach quert die A1 das Mittelland.

Diese werden statt mit einer Unter- mit einer Überführung durchlässig gemacht: Der Kanton hat soeben den Auftrag für die Wildüberführung über die T5 ausgeschrieben. Sie soll 45 Meter lang sein, mit Erde bedeckt und mit Gebüsch bepflanzt werden. Dazu muss auf beiden Seiten ein Erdwall aufgeschüttet werden. Laut Projektleiter Guido Sutter sollen die Arbeiten 2017 beginnen. Die Kosten belaufen sich nach einer ersten Schätzung auf 7,5 Millionen Franken. Diese müssen vom Regierungsrat noch genehmigt werden.

Gleichzeitig plant das Bundesamt für Strassen, Astra, über die A1 eine Wildtierüberführung. Diese soll im Suhrer Waldstück Oberholz zu liegen kommen. Danach ist die Wildtierpopulation in der Nordschweiz nicht mehr abgeschnitten vom Rest des Landes.

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