Noch diesen Monat wird die Kantonsstrasse in Gränichen an verschiedenen Orten bemalt. Provisorisch werden in der Strassenmitte sogenannte Mehrzweckstreifen angebracht. Dabei handelt es sich um einen Probelauf im Hinblick auf Massnahmen, die später – bei der fälligen Sanierung der Strasse – definitiv realisiert werden könnten.

Wie einer Medienmitteilung des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) zu entnehmen ist, hat der Strassenoberbau der Kantonsstrasse K 242 in Gränichen «seine Nutzungsdauer erreicht». Er müsse deshalb in den kommenden Jahren ersetzt werden. Und: «Auf der Grundlage des Betriebs- und Gestaltungskonzepts sind auch Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit geplant.» Deren Wirksamkeit solle nun zwischen April und Oktober 2018 im Rahmen eines Versuchsbetriebs überprüft werden.

Basierend auf dem Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) von 2012 soll mit der Strassensanierung die Verkehrssicherheit zwischen der Nordstrasse und dem Knoten Oberfeld erhöht werden. Zudem soll der Verkehr auf der Kantonsstrasse verflüssigt werden. Ziel ist es auch, die Ein- und Abbiege-Beziehungen aus und in die angeschlossenen Gemeindestrassen zu verbessern.

Markierungen bis Oktober

Ende 2017 wurde das Vorprojekt für die Strassensanierung gestartet. In Absprache mit der Gemeinde prüft das BVU nun konkrete Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Verkehrsflusses. Der Versuch umfasst Mehrzweckstreifen bei der Mitteldorfstrasse und bei der Mattenstrasse. Die Mitteldorfstrasse reicht vom Restaurant Löwen bis zur Abbiegung Leerber, die Einmündung Mattenstrasse liegt gegenüber der WSB-Haltestelle Töndler.

Der Versuchsbetrieb dauert von Mitte April bis zu den Herbstferien (Oktober 2018). An den Vortrittsverhältnissen und Verkehrsbeziehungen ändert sich durch die Markierungen nichts. Nach Abschluss des Versuchs werden die Markierungen wieder entfernt.

Der Versuch soll zeigen, ob die Verkehrsteilnehmer die Markierungselemente akzeptieren und korrekt nutzen. «Zeichnet sich ein positives Ergebnis ab», schreibt das BVU, «werden diese Markierungselemente in der Planung weiter berücksichtigt und allenfalls optimiert.» Die Wirksamkeit der Elemente soll mittels Bildauswertungen und Beobachtungen vor Ort beurteilt werden.

Für diverse Verkehrsteilnehmer

Ein Mehrzweckstreifen dient in der Regel verschiedenen Verkehrsteilnehmern. So dürfen ihn Autos, Motorräder und Velos beim Linksabbiegen als Einspurstreifen benutzen, auf dem sie das Passieren des vortrittsberechtigten Verkehrs abwarten. Dies sowohl beim Einbiegen von der Hauptstrasse in eine Querstrasse als auch umgekehrt. Zudem darf der Mehrzweckstreifen zum Überholen von Velos genutzt werden. Und schliesslich können ihn die Fussgänger zum Queren der Strasse in Etappen benutzen.

Bei den vielen Ansprüchen, die gleichzeitig an ihn gestellt werden, kann der Mehrzweckstreifen zur Konfliktzone werden. Klarheit müssen oftmals Blickkontakt und Handzeichen schaffen. Schutz bieten Fussgängern physische Querungshilfen. Sie verhindern, dass der Streifen an den neuralgischen Punkten von Velos und Motorfahrzeugen als Einspurstrecke und zum Überholen genutzt wird. In rechtlicher Hinsicht sind Mehrzweckstreifen mit Querungshilfen den Fussgängerstreifen aber nicht gleichgestellt: Anders als auf diesen haben Fussgänger in diesem Fall keinen Vortritt. So gesehen ist der Mehrzweckstreifen durchaus ein Instrument zur Verflüssigung des Verkehrs.

Ampeln, Temporeduktionen, Fussgängerstreifen: Herkömmliche Instrumente zur Konfliktverhinderung auf Strassen sind den Verkehrsteilnehmern vertraut und vermitteln eine eindeutige, verständliche Botschaft. Mehrzweckstreifen sind gewöhnungsbedürftig. Als beispielsweise 2013 in Fislisbach ein solcher neu die Badenerstrasse zierte, liessen sich anfänglich vor allem Autofahrer dadurch verwirren.