Das war eine Schlüsselübergabe, wie man sie nur selten erlebt: Es wurde geschossen. Scharf geschossen. Aber wen wunderts, wenn die Schlüssel eines Schützenhauses übergeben werden. Jedenfalls mussten sich die beiden Pächter Christian Senn und Raoul Niederreuther ihren Schlüssel verdienen.

Vor versammelter Gästeschar - dem Stadtrat nahezu in corpore, vor Vertretern der Ortsbürgergemeinde, Projektverantwortlichen, Architekten und Bauleiter, vor Freunden und Bekannten und sogar drei Vertretern des Referendumskomitees, welches das Schützenhaus vor just zehn Jahren vor dem Abriss bewahrte – auf eine Scheibe schiessen, bestens betreut von Christoph Fischer, Stadtoberförster und Leiter der Ortsbürgergutsverwaltung.

Die Übung war ganz zum Vergnügen der Anwesenden, und deutlich zielsicherer, als von den meisten erwartet. Fünf von acht Mal trafen Senn und Niederreuther das gewünschte Ziel, Qualifikation genug für Margrit Röthlisberger, Leiterin der Sektion Liegenschaften der Ortsbürgergemeinde, den beiden den Schlüssel nach monatelanger Umbauphase endgültig zu überlassen.

Impressionen von der Schlüsselübergabe beim Restaurant Schützenhaus in Aarau

Impressionen von der Schlüsselübergabe beim Restaurant Schützenhaus in Aarau

1,3 Millionen Franken investiert

Mit dieser Schlüsselübergabe sind die Ortsbürger nun zweifache Beizenbesitzer. Anders als die Ortsbürger anderer Gemeinden seien die Aarauer Ortsbürger eben «nicht blosse Wald-Verwalter», wie Hanspeter Hilfiker, Stadtpräsident und Präsident der Ortsbürgergemeinde, nicht ohne Stolz sagte. Und dieses Haus, mitten im Quartier, sei ein ganz wichtiges Element, ein Scharnier zwischen dem Alten und dem Neuen, das in der Aarenau, auf dem Land der Ortsbürger entstehe.

Insgesamt haben die Ortsbürger für die Sanierung des Schützenhauses 1,3 Millionen Franken gesprochen, weitere knapp 14,8 Millionen für den Bau der drei Mehrfamilienhäuser direkt nebenan.

Sanierungsfall «Roggenhausen»

Der zweite Gastrobetrieb im Portfolio der Ortsbürger ist bereits über 100 Jahre alt: die Waldschenke im Wildpark Roggenhausen aus dem Jahr 1911. Und auch hier müssen die Ortsbürger bald viel Geld investieren; 40 Jahre ist es her, seit der letzte grosse Umbau stattgefunden hat. Zwar wurde immer wieder in die Infrastruktur investiert, jedoch nur zur Behebung der dringendsten Mängel und baulichen Schäden.

Vor einem Jahr haben die Ortsbürger an der Wintergmeind einen Kredit von 94 000 Franken für eine Zustandsaufnahme und eine Machbarkeitsstudie gesprochen. In diesem Rahmen sollte geklärt werden, welche Sanierungsarbeiten am Restaurantbetrieb mit Küche, den Lagerräumen, der Erschliessung der sanitären Anlagen sowie der Aussenbereich mit dem Kiosk fällig werden. Damals hiess es, diese Auslegeordnung werde von Januar bis Sommer dauern.

Nichts überstürzen

In der Zwischenzeit liegt zwar die Bestandesaufnahme vor, aber Resultate können noch keine vorgestellt werden, wie Margrit Röthlisberger sagt. Zwar habe sich eine breit gefächerte Arbeitsgruppe zu verschiedenen Sitzungen und Workshops getroffen, die sich zu den Fragen der künftigen Ausrichtung der Waldschenke äussert.

«Konkret liegen aber weder Zahlen noch Pläne vor», so Röthlisberger. Man wolle aber auch nichts überstürzen. «Den Wildpark gibt es nicht ohne die Waldschenke und umgekehrt. Wir gehen das Ganze deshalb sehr sorgfältig an und betrachten es in seiner Gesamtheit, ziehen alle möglichen Sichtweisen in den Prozess mit ein.» Eine Prognose, wann die Pläne für die Sanierung auf dem Tisch liegen werden, will Margrit Röthlisberger nicht abgeben. «Es besteht zwar Handlungsbedarf, aber kein dringender. Wir stehen also nicht unter Zeitdruck.»