Panther & Co.

Jetzt ist die Identität des Entfelder Elchs aufgedeckt

Ziemlich sicher eine Montage. Der Elch beim Entfelder Vita-Parcours. (zvg)

Ein Elch im Aargau?

Ziemlich sicher eine Montage. Der Elch beim Entfelder Vita-Parcours. (zvg)

Solothurn hat den Panther, Entfelden den Elch. Schliesslich glaubte jemand vergangener Woche einen Elch auf der Strasse gesehen zu haben. Jetzt ist bekannt, woher er kommt: Die Spuren führen zu einer Aarauer Werbeagentur.

Ein badender Elefant in der Aare, der lange Hals einer Giraffe in den Baumkronen des Gönhardwaldes? Zurzeit sieht die Bevölkerung den halben Zoo in freier Wildbahn. Die Flamingos stakten tatsächlich durch den Flachsee bei Bremgarten. Aber Panther und Elch? Verschiedene Personen glauben, vergangene Woche einen Elch auf der Entfelder Strasse gesehen zu haben. Als Beweis dienen Fotos im Internet. Auf Facebook kam es zu Diskussionen. Den ultimativen Beweis aber erbrachte niemand.

Vom Entfelder Elch fehlen Spuren und Migrationshintergrund. Der Elch kommt in Nordeuropa und im Norden Deutschlands vor. «Unvorstellbar», sagt Peter Suter, «dass solch ein Riesentier zu uns kommt und niemand etwas bemerkt.» Suter ist Revierförster der Gemeinden Oberentfelden, Kölliken und Safenwil. «Ich habe Kontakt zu Jägerkreisen», sagt er. Wenn ein Elch zuwandert, so weiss man das. «Elche gibt es einzig im Tierpark in Langnau am Albis», sagt auch Kantonsförster Alain Morier. Wäre dort einer abtrünnig, so wäre dies bekannt. «Das wird inflationär», sagt Morier, «die Leute sehen ja auch schwarze Panther.»

Keine Spuren im nassen Boden

Revierförster Suter begab sich dennoch auf Spurensuche. Dort, wo der Elch angeblich in den letzten Tagen gesehen worden sein soll. «Nichts», sagt er. Dabei ist der Waldboden nass: Hufspuren des schweren Tieres müsste man erkennen.

Bleiben die Fotos im Internet: «Das Tier auf dem Foto», bestätigt Suter, «ist ein Elch.» Eine Verwechslung mit dem Damhirsch ist ausgeschlossen - trotz ähnlicher Schaufeln.

In Umlauf gebracht hat das Foto die Aarauer Werbeagentur Defacto. Deren Chef Dieter Zobrist soll allerdings auch als einer der ersten den Elch vergangene Woche zwischen Entfelden und Aarau gesehen haben. Danach nahm die Kampagne ihren Lauf: Der Elch tauchte auf Facebook auf, die Agentur schob letzten Mittwoch schnell einen Aufruf nach, man solle Bilder vom Elch schicken - per E-Mail oder Post. Am folgenden Tag flatterte der Agentur ein anonymer Brief mit Foto ins Haus, auf traditionellem Zustellweg. Auch dieses Foto kam ins Internet. Laut Agenturmitarbeiter Roli Marti hätten die firmeneigenen Grafiker geprüft, ob es sich um eine Fotomontage handelte. Marti sagt: «Wenn es eine ist, dann ist sie zumindest gut gemacht.»

Schliesslich gibt er zu, dass man das Elchfieber zu eigenen Zwecken genutzt habe. Einer ihrer Kunden sei offizieller Vertreter einer bekannten skandinavischen Automarke in Oberentfelden. Man habe die Enthüllungen rund um den Elch gepflegt.

Die Kampagne hat den Elchtest nicht bestanden. Und was ist mit dem schwarzen Panther? Steckt dahinter Sportartikelhersteller Puma?

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