Aarau

Jetzt ist die Hilfsbrücke offen: «Pont Neuf»-Projekt erreicht einen Meilenstein

Am Freitagvormittag war es endlich soweit: Nach den nötigen Markierungsarbeiten ist die Hilfsbrücke neben der Aarauer Kettenbrücke für den Verkehr freigegeben worden.

Zwischen 9 und 11 Uhr am Freitagvormittag gehe die Hilfsbrücke bei der Aarebrücken-Baustelle in Aarau auf, hiess es in der AZ-Ausgabe vom Donnerstag. Und prompt stellten am Freitag die ersten Autos schon um 9.02 Uhr den Blinker, um auf das neue Brückenprovisorium abzuzweigen. Sie wurden allerdings vom Verkehrsdienst weiter auf die alte Aarebrücke gewunken. Denn noch war die Hilfsbrücke nicht parat. Das lag vor allem an der Kälte: Die Bodenmarkierungen – neue Pfeile, neue Velospuren – wollten einfach nicht so schnell trocknen. Also hiess es: warten.

Geduld haben musste auch ein Herrengrüppli, dessen erste Vertreter weit vor 9 Uhr vor Ort waren: Sie gehören zu den treusten Stammgästen und besuchen die Baustelle mehrmals pro Woche; sind bestens orientiert und können mitreden. Thema der Stunde: Kommen auch die Lastwagen und Busse um den «Rank» bei der Hilfsbrücke?

Aarau: Hier fahren die ersten Autos über die Hilfsbrücke – allerdings nur in eine Richtung

Aarau: Hier fahren die ersten Autos über die Hilfsbrücke – allerdings nur in eine Richtung

Am Freitagvormittag war es endlich soweit: Nach den letzten Markierungsarbeiten ist die Hilfsbrücke neben der Aarauer Kettenbrücke für den Verkehr freigegeben worden. Noch ist nicht genug Platz, damit Auto- und Velofahrer beide Spuren nutzen können. 

Weder Weisswein noch Fanfaren

Erst um 10.51 Uhr war es so weit: Bahn frei! Der allererste Hilfsbrücken-Nutzer, der nicht zum Bauteam gehörte, war ein Gränicher Rollerfahrer, der augenscheinlich nicht so recht wusste, ob er jetzt tatsächlich da drüber fahren darf. Bereits das zweite Fahrzeug trug eine Solothurner Nummer. Und irgendwann kam auch ein Lastwagen– er schaffte die Kurve problemlos. «Ein historischer Moment», konstatierten die Zuschauer, verlangten schalkhaft nach Weisswein. Projektleiter Roberto Scappaticci vom kantonalen Bau, Verkehr und Umwelt bedauerte derweil ebenso augenzwinkernd, keine Fanfaren aufgeboten zu haben.

Vorerst wird nur der Verkehr von Aarau in Richtung Küttigen über die Hilfsbrücke geleitet, der Verkehr in der Gegenrichtung bleibt noch auf der alten Brücke. Bis etwa im April wird im Bereich zwischen den beiden Brücken noch gearbeitet. «Wir brauchen dort mehr Platz, als ursprünglich geplant war, weil der Pneulader zirkulieren muss», so Scappaticci.

Abbrucharbeiten starten frühestens im April

Mit dem rund drei Monate dauernden Abbruch der alten Aarebrücke wird also nicht vor April begonnen. Sie wird bis und mit Pfeiler entfernt; die kostenintensiven Pfeilerfundationen werden laut dem Projektleiter auch für den Pont Neuf gebraucht. «Die ursprüngliche Idee, die Pfeiler komplett auch für die neue Brücke zu verwenden, erwies sich ökonomisch sinnlos und scheiterte an deren spezieller Geometrie schon in der Detailprojektierungsphase», so Scappaticci. Wie werden die Abbrucharbeiten durchgeführt? «Ein mit Hydraulikpressen ausgestatteter Bagger beisst den Beton ab», erklärt der Projektleiter. «Der Beton fällt dann in eine riesige Wanne, die auf einem Ponton im Wasser schwimmt.» Es handle sich um ungefähr 2500 Kubikmeter Beton, die entsorgt werden müssen. Bei der neuen Brücke und den neuen Aareufermauern werden anschliessend insgesamt 5000 Kubikmeter Beton wieder verbaut.

Was passiert eigentlich bei einem Hochwasser?

Sollte es übrigens während der Bauzeit zu einem Hochwasser kommen – etwa wegen der Schneeschmelze oder starken Niederschläge – kann dies Einfluss auf den Bau haben. Laut dem Projektleiter gäbe es im Bereich der Widerlagerbaustelle erst Probleme, wenn ein 30-jährliches Hochwasserereignis – also eines, das in dieser Stärke nur alle 30 Jahre vorkommt – eintreten würde. Das war bisher auch bei den Pfeilern so geplant. Allerdings prüfe man bei diesen Pfeilerbaustellen eine Rückstufung auf ein fünfjährliches Hochwasser, erklärt Scappaticci. Das bedeutet: Man erhöht das Risiko, dass ein Hochwasser die Baugrube flutet. Damit lassen sich Kosten sparen: Denn wenn die Pfeilerbaustelle nicht auf ein 30-jähriges, sondern nur auf ein fünfjährliches Hochwasser ausgelegt ist, braucht sie weniger hohe Spundwände – und die müssen dann nicht verkeilt werden. Die Kosten für das gesamte Projekt sind mit 33 Mio. Franken veranschlagt.

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