Fussball
Jetzt hat auch der FC Aarau einen Fanbetreuer

Benji Zumstein führt das Stammlokal der FCA-Fans, begleitet sie an Spiele und versucht, Randale zu verhindern. Er ist seit dieser Saison der Fanbetreuer des FC Aarau.

Fabian Hägler
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Fans des FC Aarau feuern ihre Mannschaft an. Steffen Schmidt/KEYSTONE

Fans des FC Aarau feuern ihre Mannschaft an. Steffen Schmidt/KEYSTONE

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Beim letzten Heimspiel des FC Aarau in der vergangenen Saison lösten Basel-Fans heftige Krawalle aus. Mit den schärferen Massnahmen gegen Hooligans zielen FCA und Kantonspolizei auf gewaltbereite Gästefans. Diese sollen «nach Möglichkeit von den Heimspielen des FC Aarau ferngehalten werden», teilt der Verein mit. Gibt es Hinweise auf mögliche Ausschreitungen, könnte die Kantonspolizei gar den Ausschluss von Gästefans von FCA-Heimspielen anordnen.

Auch der FCA hat Problemfans

Doch von der verstärkten Videoüberwachung, vermehrten Rayon- und Stadionverboten und allfälligen Fangnetzen rund ums Spielfeld sind auch die Aarau-Fans betroffen. Thomas Gloor, Sicherheitschef des Clubs, sagt dazu: «Ein Grossteil der Brügglifeld-Besucher wird Verständnis dafür aufbringen.» Es werde aber sicher auch Fans geben, «die keine Freude an mehr Videokameras und einer konsequenteren Linie der Sicherheitskräfte haben».

Tatsache ist: Auch der FC Aarau hat Problemfans. Vor zwei Jahren randalierten FCA-Anhänger auf der Gotthard-Raststätte in Schattdorf UR, nach den Schlägereien beim Spiel gegen den FCB am 15. Mai 2014 laufen Strafverfahren gegen fünf Aarauer, im November prügelten sich FCA-Hooligans am Bahnhof mit FCZ-Supportern und 31 Aarauer sind mit einem Stadionverbot belegt.

Fanbetreuer seit dieser Saison

Das ist allerdings nicht der Grund, weshalb der FC Aarau seit dieser Saison mit Benji Zumstein einen Fanbetreuer eingestellt hat. «Es ist eine Auflage der Liga, dass jeder Verein einen solchen Betreuer hat, sonst wird keine Lizenz erteilt», sagt Zumstein. Seit dem 1. Juli 2014 ist er – neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer im «Ye Olde Penny Farthing», dem Stammlokal der Aarau-Fans – als Fanbetreuer im Einsatz. Er begleitet Fans an Heim- und Auswärtsspiele, ist Ansprech- und Auskunftsperson für sie und gewährleistet den Kontakt zum Verein.

«Ich vermittle zudem zwischen Fans, Sicherheitspersonal und Zuschauern», sagt Zumstein. Weiter versuche er, bei Problemen nach Möglichkeit deeskalierend Einfluss zu nehmen. Er ist in der Fanszene akzeptiert, sehr gut vernetzt und besucht selber schon seit vielen Jahren die FCA-Spiele. «Es wäre unmöglich, dass eine externe Person diesen Job macht, der keine Szene-Kontakte hat», sagt er.

Zumsteins Mandat beschränkt sich auf die FCA-Spiele, weitere Fanprojekte laufen nicht. Zuvor hatte Leo Locher, bis Ende letzter Saison noch Sicherheitschef des FC Aarau, als inoffizieller Fanbetreuer gewirkt. In der Saison 2008/09 hatte der Club das Projekt «Von Fans, für Fans» durchgeführt, um FCA-Anhänger mit einem Stadionverbot «durch Erbringen einer Arbeit wieder ins Brügglifeld zu integrieren», wie es auf der FCA-Website heisst.

Skeptisch gegen Handyfilmer

Eine der Möglichkeiten, sich zu betätigen, waren Foto- und Videoaufnahmen der Fans. Dasselbe schlägt der FC Aarau nun wieder vor – diesmal sollen aber Matchbesucher zum Handy greifen und Fans filmen, die Pyros zünden oder randalieren. Regierungsrat Urs Hofmann und Fanclub-Präsident Thomas Studer äusserten in der az Bedenken, dass es gefährlich sein könnte, wenn Zuschauer nun fehlbare Fans im Stadion filmen oder fotografieren. Benji Zumstein ist ebenfalls skeptisch: «Persönlich würde ich nicht empfehlen, solche Aktionen aus der Nähe zu filmen», sagt der Fanbetreuer und ergänzt: «Dies könnte Aggressionen schüren und zu heiklen Situationen führen.»