Aarau
Jetzt findet auch die Stadt Aarau: Die Taubenplage ist massiv

In Aarau sind die Tauben los. Jetzt hat die Stadt einen Experten herbeigezogen, der den Tauben in der Altstadt Herr werden soll. Er ruft zum Fütterungsstopp auf.

Sabine Kuster
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Eine Aarauer Taube in elegantem Laufschritt - doch die Viecher nerven die Bewohner gewaltig
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Aaraus Tauben

Eine Aarauer Taube in elegantem Laufschritt - doch die Viecher nerven die Bewohner gewaltig

Chris Iseli

«Mit Wasserpistolen gegen die Tauben – Altstadt-Bewohner fordern neuen Angriff auf die Taubenplage», so lautete der Titel eines Artikels der Aargauer Zeitung im Mai.

Er schilderte den verzweifelten und vor allem vergeblichen Kampf von Altstadtbewohnern gegen die Tauben und deren unhygienische Hinterlassenschaften.

Drähte, Gitter, Dornen, Wasserpistolen, ein hochfrequent piepsendes Gerät, reflektierende CDs, flatternde Stoffbänder, Katzen: Nichts nützt.

«Die Tauben gewöhnen sich an alles», sagte damals Anwohnerin Franziska Hämmerli. Ihre Terrasse hat sie den Tauben überlassen müssen, sie war des Putzens müde.

Eine Hoffnung hatten die Altstadtbewohner noch: Hilfe durch die Stadt. Sie forderten in einem Schreiben Massnahmen zur Reduktion der Taubenpopulation. Darauf haben die städtische Umweltfachstelle, der Werkhof und ein Taubenexperte aus Olten die Situation vor Ort begutachtet.

«Es zeigte sich, dass die Taubenplage massiv ist und möglichst schnell Vorkehrungen getroffen werden müssen», schreibt nun die Stadt in einer Mitteilung.

Eine Taube produziert zehn bis zwölf Kilogramm Kot im Jahr. Durch den aggressiven Kot leiden die Gebäude in der Altstadt. Zudem verstopft er die Regenrinnen. Der Stadtrat hat nun diverse Massnahmen beschlossen.

Wo kein Mist klebt, haben sich die flaumigen Federn verheddert
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Überall klebt der Taubendreck
Mit Dornen, sogenannten Taubenspikes, probieren die Anwohner, die Tauben zu vertreiben
Gegen die Tauben hilft nur das Vergittern der Gräben und Nischen
Franziska Hämmerli hat einen schwarzen Plastikvogel aufgehängt, der die Tauben abschrecken soll
Der Blick in einen der ungeschützten Ehgräben
Da hilft nur noch der Hochdruckreiniger
Die Terrasse der Sprachschule wird nicht mehr genutzt

Wo kein Mist klebt, haben sich die flaumigen Federn verheddert

Katja Schlegel

Plakataktion «Nicht füttern»

Zur Sensibilisierung der Bevölkerung wird eine Plakataktion gestartet. An verschiedenen Orten der Altstadt rufen Plakate die Bevölkerung dazu auf, die Tauben nicht mehr zu füttern. Denn es ist nachgewiesen, dass ausschliesslich die zur Verfügung stehende Nahrungsmenge die Grösse der Taubenpopulation begrenzt.

Die Tauben nisten bevorzugt in der Altstadt, weil dort Esswaren verkauft werden und deren Reste auf der Strasse landen. Ausserdem gibt es immer noch Leute, die die Stadttauben gezielt füttern. «Das führt zu einem rasanten Anstieg der Population und schadet auch dem Wohlergehen der Tauben», so die Bilanz der Fachleute in Aarau.

«Für die Tiere ist es purer Stress, den Lebensraum mit so vielen Artgenossen zu teilen. Zudem werden sie anfälliger für Krankheiten und Parasiten.»

Die Aktion wird durch den Schweizer Tierschutz STS und den Aargauischen Tierschutz ATS unterstützt. Eine solche Plakatkampagne hat die Stadt 2006 schon durchgeführt, denn das Problem ist nicht neu. Warum es jetzt wieder akut ist, sei nicht klar, sagt Kurt Schneider von der Stadtentwicklung. Plakataktionen brächten auf jeden Fall etwas. Doch es ist noch mehr in Planung.

Ein zweiter Taubenschlag

Reine Tötungsaktionen sind erfolglos, weil sich der Bestand sofort erholt. Eine effiziente Methode zur Regulierung des Bestandes ist jedoch die Unterhaltung von Taubenschlägen.

Seit acht Jahren besteht der städtische Taubenschlag beim Kasinopark. Dieser werde regelmässig vom Werkhof gereinigt und biete den Tauben hygienische Brutbedingungen, schreibt die Stadt.

«In Zusammenarbeit mit Fachleuten vom Wildpark Roggenhausen wurden in den vergangenen Jahren alte, kranke und verletzte Tiere entfernt.»

Die Umsetzung eines konsequenten Taubenmanagements sei allerdings zeitaufwendiger. Die Grösse des Schwarms im Schlag kann reduziert werden, indem die echten Eier durch Gips- oder Kunststoffeier ersetzt werden.

Für diese Aufgaben hat die Stadt Aarau den Taubenexperten Giuseppe Graziano gewinnen können, der bereits seit vier Jahren die beiden Taubenschläge in Olten erfolgreich betreut.

Wie im Mai bereits angekündigt, schafft die Stadt ausserdem einen zweiten Taubenschlag in die Altstadt. «Die beiden Taubenschläge werden eine wichtige Funktion bei der längerfristigen Kontrolle des Taubenbestandes übernehmen», so die Stadt. Und die Anwohner hoffen, dass das besser wirkt als aufgehängte CDs.