«Jetzt bin ich endlich auch Aargauer», sagt Albi von Felten und grinst von einem Ohr zum anderen. Ein Aargauer – und das in Windeseile. Nur gerade elf Monate hat es gedauert, das neueste Projekt der von Feltens zu realisieren: das «Weinhaus am Bach», direkt gegenüber dem Landhotel «Hirschen» auf Solothurner Boden, ennet dem Bach, ennet der Dorfgrenze, im Kanton Aargau. «Elf Monate», sagt von Felten und zieht eine bedeutungsvolle Miene. Im Kanton Solothurn hatte er es davor 17 Jahre lang vergeblich versucht. Jetzt haben die Aargauer das Geschenk.

Im «Weinhaus am Bach» geht gar nicht mehr Wein: Man schläft zwischen Weinflaschen, an den Wänden grossformatige Helgen von Rebbergen oder Zapfenzieherkollektionen, weinrote Farbe und Collagen aus Flaschenetiketten, und in der Weinstube im Erdgeschoss können die Hotelgäste mit einem Voucher an einem Automaten selber Wein holen.

Vom «unbetreuten Trinken» zu Winzer Umbrichts roter Hose: Albi von Felten führt durch sein «Weinhaus am Bach»

Vom «unbetreuten Trinken» zu Winzer Umbrichts roter Hose: Albi von Felten führt durch sein «Weinhaus am Bach»

Im Keller, in der Weinkeller-Suite, steht das Bett sogar zwischen zwei begehbaren Weinkühlschränken und in der Champagner Bollinger-Suite unter dem Dach stehen die Flaschen sogar neben der Toilette oder stecken als Deko-Element in originalen Rüttelpulten. Und kein Zimmer schaut aus wie das andere: Jedes Zimmer wurde von einem anderen Winzer gestaltet.

Ideen weltweit gesammelt

Seit Ende Februar läuft die Voreröffnungsphase, offizielle Eröffnung ist am 20. Mai. Noch sind nicht alle Zimmer fertig gestaltet, trotzdem ist Albi von Felten bereits mehr als zufrieden: «Bei den Gästen kommt das Haus ausgesprochen gut an», sagt er. Für die beiden Wein-Suiten wurden bereits 140 Voucher verkauft. «Das hätten wir so nicht erwartet», sagt von Felten. «Es scheint, als hätten wir einen Nerv getroffen.»

Die von Feltens haben sich mit dem Weinhaus einen weiteren Traum erfüllt. Alles ist selber gestaltet, entworfen oder ausgesucht, ohne Hilfe eines Innenarchitekten. All die Ideen haben sie in den letzten Jahren auf Reisen gesammelt und in einem Notizbuch oder mit der Kamera dokumentiert: die offenen Duschen, die Platten mit den grosszügigen Ornamenten, die originelle Holzverkleidung in der Suite, die qualitativ hochwertigen Radios, die dimmbare Beleuchtung – lauter Dinge, die es Albi und Silvana von Felten in Hotels irgendwo in der weiten Welt angetan haben.

«Jetzt ist hier alles genau so, wie wir es uns vorgestellt haben», sagt Albi von Felten. Wobei – noch nicht ganz. Noch fehlen ihm die Abnutzungserscheinungen. Striemen an der Wand, Dellen und Kratzer im Boden, Weinflecken auf der Bettwäsche – dafür zieht der Wirt hier niemandem die Ohren lang. «Patina muss sein, es muss leben.» Als Hotelgast darf man sogar mit Filzstift auf die Wände schreiben: In grossen Rahmen soll jeder Gast den Namen seines Lieblingsweins direkt auf die Wand notieren.

Bei all der Exklusivität – den von Feltens ist es wichtig, dass sich jeder ein Zimmer bei ihnen leisten kann. «Wir wollen Leute hier begrüssen, die Freude am Wein haben.» So kostet ein Weinzimmer für zwei Personen inklusive Frühstück 210 Franken pro Nacht, die Suiten 320 Franken.

Die grössten Kritiker – die Branchenkollegen – haben die von Feltens mit ihrem Konzept bereits überzeugt: 2016 durften Silvana und Albi von Felten für ihr Konzept «Weinhaus am Bach» den ersten Hotel Innovations-Award der Gastro Suisse entgegennehmen.

Hirschen-Wirt Albi von Felten eröffnet im Mai sein Hotel Weinhaus am Bach. Das Hotel liegt gegenüber dem Hirschen auf der anderen Strassenseite auf der solothuirnischen Seite. Aufgenommen am 21. März 2017. Im Bild: Die Bollinger-Suite, im James Bond Stil.

Hirschen Erlinsbach Weinhaus am Bach

Hirschen-Wirt Albi von Felten eröffnet im Mai sein Hotel Weinhaus am Bach. Das Hotel liegt gegenüber dem Hirschen auf der anderen Strassenseite auf der solothuirnischen Seite. Aufgenommen am 21. März 2017. Im Bild: Die Bollinger-Suite, im James Bond Stil.