Bilanz

Jeder fünfte Aarauer Stadtpolizist im Dienst verletzt

Die Aarauer Stadtpolizei stellt eine Zunahme der Vergehen in vielen Bereichen fest – nur nicht bei den Temposündern.

Die Handschrift der neuen Stadträtin Suzanne Marclay-Merz macht sich bemerkbar: Erstmals hat die Stadtpolizei, die in ihrer Zuständigkeit liegt, in einer Medienkonferenz Bilanz über das letzte Jahr gezogen. Daniel Ringier, seit 2001 Chef der Stadtpolizei, verteilte zuerst Lob: An seine neue Chefin («Man merkt, dass sie Juristin ist»), an die Kantonspolizei («Die Zusammenarbeit klappt hervorragend») und seine Mitarbeitenden: «Man sieht sie sehr oft nicht, aber man würde es merken, wenn sie nicht da wären.»

So sieht das Fazit der Stadtpolizei Aarau für ein «arbeitsintensives» 2018 aus:

Grosse Sorge

«Wir hatten im letzten Jahr zu viele Fälle von Polizisten, die im Dienst attackiert und verletzt wurden», sagt Daniel Ringier. Sieben Angehörige des Korps mussten verletzt zum Arzt oder sogar ins Spital. «Das tut mir weh. Es zeugt von fehlendem Respekt.» Stadträtin Marclay sprach von «zum Teil widrigsten Umständen».

Bestand

Die Stadtpolizei, zuständig für Aarau und sechs Vertragsgemeinden, hat 45 Mitarbeitende, davon 34 ausgebildete Polizistinnen und Polizisten. Die Rekrutierung sei sehr schwierig, der Markt ausgetrocknet, so der Stapo-Chef.

Güselsünder

99 Ordnungsbussen wegen Litterings wurden im letzten Jahr ausgestellt. Gelittert werden am häufigsten Zigarettenstummel, Papierchen oder Kaugummi. Ringier: «Wir erwischen die wenigsten – die Kontrollen sind sehr aufwendig. Meistens braucht es drei Personen dafür: Eine in zivil und zwei, die für die Intervention bereit stehen.»

Personenüberprüfungen

2078-mal hat die Stapo Personen überprüft. Es brauche einen begründeten Verdacht dazu, sagt Daniel Ringier. Also etwa dann, wenn jemand nicht so recht zu Zeit und Ort passe. «Zum Beispiel, wenn wir um 3 Uhr morgens jemanden mit einem polnischen Kennzeichen im Gönhard-Quartier antreffen.»

Aarau: Jeder fünfte Stadtpolizist war schon wegen Einsätzen im Spital

Jeder 5. Stadtpolizist war schon wegen Einsätzen im Spital

Randalierende, Betrunkene, Hooligans oder gewalttätige Asylbewerber. Die Stadtpolizei Aarau hat alle Hände voll zu tun und wird nicht selten angegriffen.

Lärm und Co.

Insgesamt 207 Interventionen wegen Immissionen (Lärm, Rauch, Gestank, usw.) verzeichnete die Stapo im letzten Jahr. Die allermeisten betrafen Nachtruhestörungen. Was Lärm sei und was nicht, so Ringier, werde sehr unterschiedlich empfunden. Gerade Musik sei oftmals Geschmackssache.

Imponiergehabe

In Aarau sind die jungen Herren, die ihre getunten Autos auf der Bahnhofstrasse ausfahren und dabei den Motor kräftig aufheulen lassen oder die Musikanlage voll aufdrehen, hinlänglich bekannt. Etwa fünfzig von ihnen wurden 2018 wegen unnötigen Verursachens von Lärm angezeigt.

Gewalt

Die Stapo musste 112-mal wegen häuslicher Gewalt (2017: 130) und 283-mal wegen Streit oder Drohung ausrücken (2017: 286). Gesamtkantonal, so lässt Ringier durchblicken, nähmen diese Zahlen stark zu. Die Aggressoren seien «sehr oft männlich und alkoholisiert», so Ringier. «Da passiert sehr viel Trauriges und Elendes. Und oft sind auch Kinder involviert, das geht auch uns nahe.»

Bahnhof Aarau

Der Stadtpolizei-Chef spricht von einem «ganz lässigen Bahnhof», wo es halt lebendig zu- und hergehe: «Wo Menschen zusammenkommen, gibt es die üblichen Probleme.» Die Stadtpolizei, die Transportpolizei und die Kantonspolizei sorgen gemeinsam für Sicherheit. «Objektiv ist es ein angenehmer Bahnhof», hält Daniel Ringier fest. Die subjektive Wahrnehmung der Passanten sei «sehr individuell».

Ordnungsbussen

Die Kamera, die das Fahrverbot am Zollrain überwacht, hat im letzten Jahr 1064 Fälle registriert, teilweise waren es «Wiederholungstäter». Ringier spricht von Fällen falscher Interpretation von Signal und Kamera. Die Bussenhöhe beträgt hier 100 Franken. Die Parkwache («Wir haben ein strenges Regime», sagt Ringier) hat 12 995 Bussen ausgestellt. Das sind etwa 35 pro Tag.

Blitzer

Es wurden bei 437 Geschwindigkeitskontrollen insgesamt 319 720 Autos kontrolliert. 14 841 waren zu schnell unterwegs. Das sind gut 4,6 Prozent. Die allermeisten Fälle konnten im Ordnungsbussenverfahren abgewickelt werden. 107 Fahrer waren so schnell unterwegs, dass sie an die Staatsanwaltschaft verzeigt wurden. «Wenn wir jemanden erwischen, der massiv zu schnell ist, besuchen wir diese Person umgehend zu Hause», sagt Ringier. Tendenziell seien die Zahlen rückläufig: «Der Verkehr erstickt an sich selber.»

Veloklau

330 Velodiebstähle wurden gemeldet – aber auch 391 herrenlose Velos aufgefunden. Die wenigsten finden allerdings zu ihrem Besitzer zurück – weil sie nicht zugeordnet werden können. Tipp: Velo fotografieren und anschreiben.

Nachbarschaft

787 Mal musste die Stadtpolizei in den Verbandsgemeinden intervenieren. «Eine stattliche Anzahl, die jedes Jahr zunimmt», kommentiert der Stapo-Chef. In Biberstein gab es 39 Interventionen, das macht 2,5 pro 100 Einwohner. In Oberentfelden waren es 298 (3,6), in Unterentfelden 140 (3,4), in Erlinsbach 83 (1,9), in Hirschthal 33 (2,1) und in Küttigen 194 (3,1).

Fahrverbote

Die Einhaltung des grossräumigen Durchfahrverbots im Zelgliquartier wurde dreimal kontrolliert. Drei Autofahrer wurden angezeigt. Das Fahrverbot funktioniere gut, sagt Daniel Ringier. Auch, weil die Pförtneranlage an der Schönenwerderstrasse lange Rückstaus vom Aargauerplatz her verhindere und Autofahrer so weniger versucht seien, die verbotene Ausweichroute durchs Zelgliquartier zu nehmen.

Präventionsarbeit

Über 4500 Schüler bekamen Verkehrsunterricht. Etwa vier Polizisten sind ständig auf Patrouille, zu Fuss oder im Auto. Ausgebildete Jugendpolizisten suchen draussen das Gespräch mit Jugendlichen und klären auf.

Zuwachs

Unklar ist, wie es mit der Repol Suret weitergeht. Nachdem Rupperswil und Hunzenschwil den Austritt aus dem Verband beschlossen haben, besteht die Repol nur noch aus Suhr, Gränichen und Buchs. Laut Stadträtin Suzanne Marclay-Merz hat die Stadtpolizei Aarau Bereitschaft signalisiert, diese Gemeinden auch noch in ihren Verband aufzunehmen. «Wir sind im Gespräch», sagt sie. Im Moment liefen vonseiten der Suret-Gemeinden aber Abklärungen in weitere Richtungen.

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