Gränichen

Je kleiner und «chnübliger», desto besser: Schmuck in feinsten Maschen

Je kleiner und chnübliger, desto besser: Feinmotorikerin Sabrina Tanner häkelt eine Blume in 10 bis 15 Minuten.

Häkelschmuck-Designerin Sabrina Tanner aus Gränichen hat einen Sinn fürs Geschäft und für Romantik. Am liebsten häkelt sie Blumen mit dem feinsten Garn, das sie finden kann.

Sabrina Tanners Schmuckstücke sind filigran, verspielt und romantisch. Und passen damit wunderbar zu ihrer Erschafferin, die beim Termin ein langes Kleid mit Rüschen und Blümchen trägt. «Ich bin der romantische Typ», sagt sie.

Auch ihr Atelier und Ausstellungsraum in ihrem Wohnhaus in Gränichen, wo sie mit ihrer Familie lebt, ist in diesem Stil eingerichtet: In hellen Farben, mit Möbeln aus Holz und kleinen Kisten und Kästchen, auf denen sie ihre Kunstwerke präsentiert. Lichterketten, Federnlampenschirme und ein aufgehängter Zweig verbreiten lassen den Raum sehr gemütlich wirken.

Blumen so fein und delikat wie frisch gepflückt

Das zentrale Element in Sabrina Tanners (41) Schmuck sind gehäkelten Blumen in verschiedenen Formen und Grössen. Wenn man nicht genau hinschaut, könnte man die einzigartige Machart dieser Blumen übersehen, so fein sind sie. «Ich fand Häkelschmuck immer hübsch, aber zu grob», sagt sie.

So suchte sie den feinsten Faden, den sie auftreiben konnte. Ihre Blumen häkelt sie mit Nähseide. Auch aus Polyester gibt es feines Nähgarn, das reissfester ist als die Fäden aus Seide. Aber Sabrina Tanner gefällt das Garn aus Seide. «Es ist hochwertig.» Und hitzebeständig.

In der Schweiz wird Garn aus Seide nicht mehr hergestellt. Sabrina Tanner muss es bestellen oder die Brockenhäuser abklappern, wo sie immer wieder auf Spulen alter Schweizer Marken wie zum Beispiel Zwicky Seide stösst.

Sabrina Tanners Häkelnadeln sind so fein, dass man Angst hat, man könnte sich mit ihr verletzen oder sie zerbrechen. Sie wurden früher benutzt, um Nylonstrümpfe zu flicken.
Häkeln ist eine der Grundfertigkeiten aus dem Handarbeitsunterricht. Einfacher als stricken.

Doch was Sabrina Tanner macht, ist in einer ganz anderen Kategorie. «Viele sagen mir: ‹Das wäre gar nichts für mich›», sagt Tanner und lächelt. «Ich bin feinmotorisch begabt.» Das Häkeln im Miniaturformat ist ihre grosse Leidenschaft.

Päcklieinpacken war ihre Lieblingsbeschäftigung

Schon als Kind hat Sabrina Tanner fürs Leben gern gebastelt und dekoriert. Päcklieinpacken sei eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen gewesen. Sabrina Tanner hatte Freude, wenn es schön war. Und nahm es als Herausforderung, auch Gegenstände mit schwierigen Formen einzupacken. Später kamen die geknüpften Armbändeli.

An der ETH hat Tanner Biologie studiert und nach dem Studium bei der Mibelle in Buchs gearbeitet. «Das kreative Arbeiten kam in dieser Zeit zu kurz», sagt sie. An der Weihnachtsausstellung einer Freundin stellte sie selbst gemachten Schmuck aus. Die Stücke kamen gut an und Sabrina Tanner beschloss, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Romantisch verklärt war dieser Entscheid nicht: «Ich wollte mich selber finanzieren können», sagt sie.

Das Geschäft mit dem feinen Häkelschmuck lief gut an, auf Messen und Märkten verkaufte sie ihre Kreationen zunächst noch unter ihrem alten Label «Anaïs-fait-main» und seit diesem Jahr mit ihrem neuen Unternehmen «Tannerei», wo sie ausschliesslich Häkelschmuck verkauft. Zweimal pro Jahr bringt sie eine neue Kollektion hinaus, und experimentiert in einer Limited Edition mit Farben und Formen, daneben führt sie die Klassiker weiter. Der Name Tannerei ist naheliegend und tönt doch eher nach Brettern als filigranem Schmuck. Sabrina Tanner gefällt dieser Gegensatz. «Der Name ist bodenständig, das gefällt mir.»

In ihrem Bücherregal stehen japanische Bastelbücher. Im Fernen Osten hat das feinmaschige Häkeln Tradition. Sabrina Tanner spricht kein Japanisch, aber die Anleitungen für die Häkelkunstwerke kann sie entziffern. Sie besitzt sogar eine Art Lötkolben aus Japan, mit dem sie die Blumen in Form bringen kann. Beigebracht hat sich Sabrina Tanner alles selber. In der Schweiz ist sie ihres Wissens die Einzige mit dieser Masche.

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