Am 4. Mai 2011 überreicht die Stadt Aarau dem Aarauer Jazzmusiker und Musiklehrer Marco Käppeli den Kulturpreis für sein Wirken, seine Beständigkeit, die Qualität und Identität seiner Musik sowie deren überregionale Ausstrahlung.

Marco Käppeli ist in Aarau aufgewachsen, wo er auch die Schulen – inklusive Lehrerseminar – besuchte. Danach zog es ihn nach Bern, um an der «Swiss Jazz School» zu studieren. Neben der Mitarbeit an verschiedenen Film- und Theatermusiken trat er mit seinen eigenen Formationen wie «AMI RO-RO», «Marco Käppeli Selection» oder «Marco Käppeli & the Even Odds» an Jazzfestivals im In- und Ausland auf.

Es folgten internationale Tourneen und Konzerte in Japan, Thailand, China, Südamerika, Australien und der USA. Auch in diesem Jahr sind Konzertreisen nach Kasachstan, Weissrussland, in die Ukraine und nach Deutschland geplant.

Lehrer an der Kanti Aarau

Auf seiner musikalischen Laufbahn hat Marco Käppeli aber auch stets Unterricht gegeben – auf der gesamten Perkussionspalette.

Seit einigen Jahren lehrt er hauptsächlich an der Neuen Kantonsschule Aarau. «Ich übe eigentlich zwei miteinander verwandte Berufe zeitgleich aus», erzählt Käppeli. Das Unterrichten sei mehr als ein zweites finanzielles Standbein. Einerseits mache es ihm grossen Spass mit den jungen Menschen zu arbeiten – «insbesondere, weil die Kantischüler sehr motiviert sind». Andererseits würden ihm die Musikstunden die Freiheit ermöglichen, seine Engagements auswählen zu können. «Ich muss keine Engagements des Geldes wegen annehmen, die mir nicht zusagen.»

Ein Schlagzeugspieler, der nur den Takt vorgibt, entspricht nicht seinen Vorstellungen. Im Gegenteil: Er liebt es, sich mit dem Rhythmus auseinanderzusetzen: Zeitstrukturierungen zu studieren, Überlagerungen zu spielen, zu bremsen, zu modulieren, und die erzielten Effekte zu beobachten

Dieser bewusste Umgang mit der Zeit ist ein charakteristisches Merkmal seines Musikstils, der sich nicht mit einem Etikett versehen lässt. «Ich mache nicht einfach Jazz oder Rock. Wichtige Aspekte meiner Musik sind die Improvisation und das Aufbrechen von Rollen.»

So spielt der Aarauer dann auch in einigen Gruppen wie etwa «Billiger Bauer», die ohne Absprache auf die Bühne gehen und spielen.

«Aarau ist meine Heimat»

Der Vollblutmusiker spielt in verschiedenen Formationen, was sicher auch mit seinem Musikstil zu tun hat. «Ich mache keine massentaugliche Musik», sagt Käppeli offen. Die Vielfalt und Abwechslung gefällt ihm. Dazu passt auch, dass er seit einiger Zeit Alphorn spielt. Er träumt nicht vom grossen Durchbruch mit einer seiner Bands. Vielmehr hofft der 60-Jährige, dass er auch in Zukunft noch viele tolle Projekte lancieren kann oder zumindest mitwirken kann. «So wie dieses Jahr, das wird fantastisch», strahlt Käppeli.

Aarauer Highlights, die ihm stets in bester Erinnerung bleiben werden, sind die Auftritte in den beiden Jazzclubs, die vergangene Kulturnacht im Kunsthaus sowie das letzte Konzert mit seinem Schülerensemble im vollbesetzten Kultur und Kongresshaus.

Speziell gut gefällt ihm auch das Projekt Kazalpin. Eine aargauisch-belarussische Zusammenarbeit zwischen dem Vokaltrio Akana und dem «Albin Brun Alpin Ensemble». Die Auftritte in Aarau sind für ihn stets etwas Besonderes, denn hier kennt er einen grossen Teil seines Publikums: «Aarau ist meine Heimat.»

Er mag Aarau, dessen Grösse, die Begegnungen auf offener Strasse, die Altstadt, die Aarelandschaft. Nicht zuletzt «fühle ich mich als Kulturschaffender gut aufgehoben. Kultur hat in Aarau einen grossen Stellenwert», freut sich der angehende Kulturpreisträger. (az)