Aarau
Jazz so scharf wie Spaghetti all’arrabbiata

Jazz live Aarau startet gleich mit einem Highlight in die 22. Saison: Am 7. Oktober besucht mit Mark Soskin einer der renommiertesten Pianisten der aktuellen amerikanischen Jazzszene Aarau.

Hubert Keller
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Grosse Nummer: Pianist Mark Soskin kommt nach Aarau. (Archiv)

Grosse Nummer: Pianist Mark Soskin kommt nach Aarau. (Archiv)

HO

Seit den legendären Tagen im Affenkasten geniesst «Jazz live Aarau» in der Spaghetti Factory an der Metzgergasse Gastrecht, und zwar im Winterhalbjahr alle zwei Wochen am Samstag, jeweils um 15.30 Uhr. Unterstützt werden die Konzertveranstalter unter anderem von der Stadt Aarau und dem Aargauer Kuratorium. «Das Programm der mittlerweile 22. Saison ist «wahnsinnig scharf», sagt der für das Programm mitverantwortliche Alex Vimposek. «Es ist von hoher Qualität und stilistisch vielseitig.» Getreu dem Leitsatz von Jazz live Aarau werde «verständliche, in der Jazztradition wurzelnde Musik» geboten.

Einst Pianist bei Sonny Rollins

Die Besucher des ersten Konzertnachmittags erwartet denn auch energiegeladener, zupackender Jazz auf hohem Niveau. Das Mark Soskin Quartet ist am 7. Oktober zum vierten Mal in 15 Jahren in der Schweiz auf Tournee. Der amerikanische Ausnahmepianist ist international bekannt durch sein mehrjähriges Engagement in der Band von Sonny Rollins. Zu den Konzerten in unseren Breitengraden begleiten ihn langjährige Weggefährten aus Europa: die beiden Schweizer Roberto Bossard (Gitarre) und Elmar Frey (Schlagzeug) sowie der Franzose Gildas Boclé (Bass).

Am 21. Oktober ist «Stahlwerk» angesagt. Doch wer sich auf archaische Metallo-Kost einstellt, wird enttäuscht: Der Stahl, den Dominic Stahl (Piano), Francesco Rezzonico (Bass) und Tobias Schmid (Drums) schmieden, ist erstaunlich dehnbar. Das Trio nimmt Fährten auf, die mal kräftiger, dann gemächlicher, mal verschoben und verkehrt sind; es interpretiert eigene Werke sowie Jazzstandards.

Am 4. November sind mit dem Raphael Jost Standards Trio drei aufstrebende junge Musiker zu hören. Dass der Pianist Raphael Jost auch singt und dabei Erinnerungen an Legenden wie Nat King Cole oder Frank Sinatra weckt, macht das Trio zu einer Band, die in der Schweizer Szene ihresgleichen sucht.

Sicherer Wert Peter Schärli

Noch vor Jahresende sind Peter Schärli (2. Dezember) und das Ann Malcolm Quartet (16. Dezember) angesagt. Der Trompeter Peter Schärli ist eine selbstverständliche Jazzgrösse hierzulande wie in Europa und auf den Festivals in der halben Welt. Beat Blaser, Saxofonist und Jazzkenner am Radio, sagte über ihn: «Sein Erfolg hat seine Gründe. Es sind einfache und sehr schweizerische. Peter Schärli liefert konstante Qualität auf hohem Niveau.» Dass sich diese über kurz oder lang durchsetze, zähle zu den tröstlichen Erkenntnissen unserer Existenz.

Die Amerikanerin Ann Malcolm, sie lebt heute in Basel, interpretiert mit «Scenes of Christmas» vertraute und immer wieder gehörte Weihnachtslieder und schafft kurz vor Weihnachten stimmlich wie auch emotional eine vertraute und gemütvolle Atmosphäre.