Aarau

Jakob E. Omlin: Erfahrener und noch konsequenter

Jakob E. Omlin bei der Arbeit in seinem Atelier, der Aarauer Künstler hat sein Schaffen mit Plastiken um eine Dimension erweitert.

Jakob E. Omlin bei der Arbeit in seinem Atelier, der Aarauer Künstler hat sein Schaffen mit Plastiken um eine Dimension erweitert.

Jakob E. Omlin stellt in der Neuen Galerie 6 aus – Bilder in Öl und Acryl und erstmals auch Bronzefiguren.

Als Pflästermeister beschäftigte sich Jakob E. Omlin während Jahrzehnten mit einer andern Art von Kunst, mit der Gestaltung von Plätzen und Altstadtgassen – Kunst im öffentlichen Raum. Eigentlich habe sich sein künstlerischer Werdegang bereits mit seiner Berufswahl zum technischen Zeichner abgezeichnet, sagt Jakob Omlin. Lange fand er jedoch zu wenig Zeit, seine Inspirationen aufs Papier zu bringen.

Ende 2000 gab der Tiefbautechniker seine Tätigkeit als selbstständiger Unternehmer auf. Seither widmet er sich mit eigenem Atelier in Aarau mit grosser Intensität der Kunst.

Jakob E. Omlin, 1939 in Sachseln OW geboren, seit 1961 in Aarau wohnhaft, malt nunmehr seit 30 Jahren regelmässig. In diversen Kursen entwickelte er seine künstlerischen Fertigkeiten. Ab 2001 besuchte er regelmässig die Sommerakademien Reichenhall bei Markus Lüpertz. Dieser zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart, dessen Bildgegenstände sich durch suggestive Kraft und archaische Monumentalität auszeichnen.

Der Meisterschüler

Omlin, sagte Galerist Carlo Mettauer anlässlich einer früheren Ausstellung, wurde für Lüpertz zu einem wichtigen Sparringpartner. Omlin ist der offizielle Meisterschüler von Lüpertz. Dieser nennt ihn auch so. Sie entwickelten sogar ein lockeres freundschaftliches Verhältnis. Der Professor beeinflusste Omlin, ohne dass dieser seine Eigenständigkeit verlor, im Gegenteil: Die Impulse taten Omlins Malerei gut, diese wurde prägnanter und ausdrucksvoller.

Dies ist auch in der aktuellen Ausstellung in der Neuen Galerie 6 zu beobachten. Omlin zeigt Werke in Öl und Acryl, die er in den letzten vier Jahren geschaffen hat. Die Bilder sind, verglichen mit früheren, noch ausdrucksvoller geworden. Sie lassen eine starke Handschrift erkennen, eine typische Omlinsche Handschrift.

Im Zentrum der Mensch

Galerist Mettauer erklärt dies anhand der speziellen Art, wie Omlin den Pinsel führt, ein Markenzeichen mit Wiedererkennungseffekt. Man stelle stets die Lust am Malen fest, am Aufbau und an der Reflexion der Motive, sagt Mettauer. Der Künstler steht längst in der zweiten Lebens- und Schaffensphase, ist erfahrener und deshalb noch konsequenter. Im Zentrum der Bilder steht immer der Mensch, auch durch Auslassungen oder Andeutungen. Der Maler beginnt seine Arbeit ohne Skizzen und Zeichnungen. Diese würden ihn zu sehr einschränken, sagt Omlin. Er trägt die erste Schicht der Farben flächig auf, im Bild entsteht ein Bild, das Fragen aufwirft, neue Komplikationen produziert. Die Formen und Motive vermischen sich auf verschiedenen Bildebenen. Der Galerist schildert den Prozess als obsessiven Akt.

Jakob E. Omlin ist ein bescheidener zurückhaltender Künstler, der sich nicht gern nach vorne drängt, obwohl er mehr Rampenlicht verdient hätte. Omlin ist auch ein sehr disziplinierter Künstler, der zutiefst überzeugt ist von seiner Kunst und deshalb sich so schnell nicht zufriedengibt. Seine Bilder strahlen Dynamik aus, grosse Sensibilität, auch Ordnung und Stil.

Und das ist ganz neu: In der Neuen Galerie 6 stellt Jakob E. Omlin erstmals auch Plastiken aus. Es sind Bronzefiguren, in dreifacher Ausführung: naturbelassen, bemalt und patiniert. Auch bei diesen Arbeiten setzt sich Omlin mit dem Menschen auseinander, mit Begegnung, Berührung, Dialog. So heissen sie denn auch: Dialog 1, 2 und 3. Die Skulpturen haben eine hohe Eigenständigkeit und Ausdruckskraft. Omlin habe eine neue Dimension erreicht, sagt Carlo Mettauer. Omlin ist zwar 75, aber noch nicht am Ende seiner künstlerischen Entwicklung.

Ausstellung: Jakob E. Omlin, Begegnungen als Inspiration, Neue Galerie 6, Milchgasse 35, Aarau. Dauer: 7. November bis 13. Dezember, Öffnungszeiten: Do 18–20 Uhr, Sa 14–17 Uhr, So 10–12 Uhr, Vernissage: 7. November, 18 Uhr. Sonntag, 7. Dezember, Lesung mit Thomas Jenelten, Lyriker, Aarau.

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