Liebegg

Jahrzehntelang ein Geheimbunker für den Regierungsrat: Nun wird er geliftet

Links neben den Fahnenstangen ist das Bauprofil für den künftigen Sendemast zu sehen. Die neuen Zu- und Abluftbauwerke kommen ins Gebüsch zu stehen. Links die nicht mehr notwendige Passerelle für Asylbewerber.uhg

Links neben den Fahnenstangen ist das Bauprofil für den künftigen Sendemast zu sehen. Die neuen Zu- und Abluftbauwerke kommen ins Gebüsch zu stehen. Links die nicht mehr notwendige Passerelle für Asylbewerber.uhg

Der noch immer etwas geheime Kommandoposten wird für 3,9 Millionen Franken modernisiert. Die Installationen, die für die Flüchtlinge getätigt worden sind, bleiben aber bestehen.

Jahrzehntelang war es ein richtiger Geheimbunker. Nur handverlesene Leute wussten überhaupt, dass es unter dem Mehrzweckgebäude der Landwirtschaftlichen Schule Liebegg in Gränichen eine unterirdische Anlage hat.

Bestehend aus einem militärischen Teil (Truppenunterkunft) und einem zivilen Teil. Letzterer ist wichtiger, den von ihm aus würde der Regierungsrat den Aargau führen, wenn es etwa wegen eines AKW-Störfalls oder eines Erdbebens eine Katastrophe gäbe. Noch 2004 sorgte alleine schon der Hinweis auf die Existenz der Anlage für einen Skandal (siehe Box). Später wurde die Geheimhaltung etwas gelockert.

2015 lag sogar ein Baugesuch auf – für die Einrichtung einer Asylunterkunft im militärischen Bunker. Diese wird jetzt geschlossen. Heute verlassen die letzten der einst 60 Männer die Liebegg. Grund: die Gesamtsanierung, die offiziell mit dem Spatenstich am 8. Dezember bereits begonnen hat.

Auf der Gemeindeverwaltung in Gränichen liegt noch bis am 23. Januar das Baugesuch «Sanierung, Kommandoposten Liebegg» auf. Wer gehofft hatte, er werde endlich einmal einen detaillierten Plan der zivilen Führungsanlage sehen, wird enttäuscht. Gezeigt werden im Baugesuch nur diejenigen (kleinen) Bereiche unmittelbar neben den neuen Zu- und Abluftbauwerken und dem neuen Funkmast (GSM und Polycom).

Alles andere ist auf den Plänen nicht zu sehen, weil nur innerhalb der bestehenden Räume modernisiert wird. Und weil das Flicken von undichten Stellen nicht baugesuchspflichtig ist. Also können wir noch nicht einmal erahnen, ob es in den Ruheräumen der Regierungsräte Kingsize- oder Etagenbetten hat.

Immerhin wissen wir, dass die baugesuchspflichtigen Anpassungen 150 000 Franken kosten werden. Und dass die Gesamtsanierung auf 3,885 Millionen Franken veranschlagt wird. Dieser Betrag steht im Verpflichtungskredit «Sanierung des geschützten Führungsstandorts Kommandoposten Liebegg», den der Grosse Rat bewilligt hat. Es fiel dem Parlament vergleichsweise leicht, den Betrag zu sprechen: Denn der Bund wird rund zwei Millionen Franken an die Sanierung beisteuern.

Ein Steamer für den Bunker

Die Sanierung des Kommandopostens Liebegg muss jetzt erfolgen, weil er als Notstandort für die neue Kantonale Notrufzentrale dienen wird. Diese entsteht neben dem Polizeikommando in Aarau und soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres in Betrieb genommen werden.

Was gibts alles für die 3,9 Millionen Franken? Zum Beispiel die Umstellung von analoger auf digitale Technik. Ersetzt wird etwa die Telefonzentrale. Zudem werden die Informatik- und Telematikeinrichtungen auf den heutigen technischen Stand gebracht. Aufgewertet werden auch die Versorgungsräume, allen voran die Küche.

Der Aargau will hier über den Standard des Bundes gehen: Er wird Küchenausrüstungen wie Steamer, Abwaschmaschine oder zusätzliche Kühlschränke einbauen lassen. «Somit kann die Eigenversorgung sichergestellt werden. Zudem ist im Ereignisfall und wenn Bedarf besteht eine Versorgung für Dritte möglich», heisst es im Bericht an den Grossen Rat.

Verbessert wird auch das Heizsystem. Dank dem Einbau von Heizkörpern und der Sicherstellung einer dauernden Grundtemperatur soll die Aufheizphase verkürzt werden. «Mit dem alten System war ein Vorlauf von mindestens 14 Tagen notwendig», heisst es. Die Führungsleute würde demzufolge heute bei einem Erdbeben tagelang schlottern.

Während der Umbauphase werden im zivilen Teil der Anlage die technischen Einrichtungen (Strom, Wasser, Lüftung) komplett demontiert. Aus diesem Grund musste die Asylunterkunft (im militärischen Teil) geschlossen werden.

Die Installationen, die für die Flüchtlinge getätigt worden sind, bleiben aber bestehen, sodass anfangs 2018, nach der Sanierung, die Asylunterkunft wieder geöffnet werden könnte – falls Bedarf besteht (vom Gemeinderat Gränichen baubewilligt ist sie bis Ende 2018).

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