Niedergösgen
Jagdschule-Gründer: «Wer nur töten will, soll ins Schlachthaus»

Peter Steiner gründete vor 40 Jahren die erste Jagdschule weit und breit und bildete 2500 Jäger aus. Er selbst lernte von seinem Götti, alle Tiere anständig zu behandeln.

Sabine Kuster
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Peter Steiner, gelernter Orthopäde, brachte 2500 Jungjägern das Handwerk bei.

Peter Steiner, gelernter Orthopäde, brachte 2500 Jungjägern das Handwerk bei.

Tod sind sie alle, die ausgestopften Wildtiere im Ausstellungsraum der Jagdschule Mösli in Niedergösgen. Aber jedes von ihnen ist einen schnellen Tod gestorben. Dafür würde Peter Steiner seine Hand ins Feuer legen. «Man soll mit den Tieren anständig umgehen», sagt der Gründer einer der ältesten Jagdschulen der Schweiz. Den selben Satz hat Steiners Grossvater gesagt, als er mit ihm durch den Wald streifte.

«Mein Grossvater war Bauer, er kannte jede Kuh mit Namen und wenn er durch den Stall ging, flattierte er sie», erinnert sich Steiner. Der 5.-Klässler lernte von ihm. Der Grossvater behandelte als Jäger auch das Wild mit Respekt und fand: «Das Grobianzeugs muss aufhören.» Der Grossvater war auch Peter Steiners Götti. Seine Familie zählte zehn Personen, irgendwann wurde es schwierig Paten für die Kinder zu finden.

Direktor bei der Bally

Der junge Steiner lernte Orthopäde, ging zu Bally in Schönenwerd, wurde Direktor der Abteilung Damenschuhe. 1973, mit 43 Jahren, machte er die Jagdprüfung und widmete sich in der Freizeit seiner neuen Aufgabe. Nie würde er jagen ein Hobby nennen.

Mit ein paar Büchern und mit dem, was der Grossvater ihm gezeigt hatte, wurde er Jäger. Eine Schulung vor der Prüfung gab es nicht. «Damals wusste einfach jeder chli was», sagt Steiner. Im Kanton Solothurn gab es keine Ausbildung, im Aargau gaben zwei Wildhüter privat ihr Wissen weiter. «Die Jäger liessen sich nicht gerne dreinreden», sagt Steiner. Dennoch hatte seine Schule, die er ein Jahr nach der Jagdprüfung gründete, sofort Zulauf. Er investierte viel Geld, stellte Unterlagen zusammen über Waldkunde, Jagdrecht, Wildkunde, Waffenkunde. Es ging zum Beispiel darum, den angehenden Jägern zu zeigen, wie gross die Energie einer Waffe auf ein Tier sein muss, damit es sofort stirbt. Und darum, dass sich der Jäger selbst nicht gefährdet.

Jäger sorgen fürs Gleichgewicht im Wald

Mit den Jahren wurden seine Ratschläge Gesetz. Heute ist jeder Jäger verpflichtet, ein Tier, das er nur angeschossen hat, aufzuspüren und es von den Qualen zu erlösen. Nachsuche nennt sich das, oft hilft der Wildhüter mit seinem Hund. «Früher sagten die Jäger: ‹Das Tier verendet dann schon.›»

Auch sonst, findet Steiner, habe sich die Jagd gewaltig verändert. «Wir müssen nicht mehr jagen um zu überleben», sagt er. Dafür schauen die Jäger heute, dass der Wildbestand gesund und im Gleichgewicht bleibt. Bei den Wildschweinen droht das Gleichgewicht zu kippen. Die Jagdgesellschaften werden den schlauen Tieren kaum Herr. 75 Prozent des Nachwuchses müsste für eine Regulierung geschossen werden, sagt Steiner und: «Schulung, Schulung auch da.» Man müsse aufhören, die Wildschweine anzufüttern, um sie zu schiessen. «Denn wenn sie viel Futter haben, werden die Jungen früher geschlechtsreif.» Ebenso wenn die Mutter geschossen wird: Dann werden ihre Jungen noch im selben Jahr brünstig.

Inzwischen ist Peter Steiner mit seiner Mission nicht mehr allein. Die Jagdausbildung ist obligatorisch, 42 angehende Jäger sind momentan in Ausbildung im Mösli Niedergösgen. 2500 hat er in den letzten 40 Jahren gelehrt und 1999 für seine Arbeit als erster Schweizer die Verdienstmedaille des ritterlich-böhmischen Sankt-Hubertus-Ordens erhalten. Zur Jubiläumsfeier seiner Schule ist im Mai auch der Aargauische Grossratspräsident Thierry Burkart gekommen. Steiner war mächtig stolz. «Die Jagdprüfung im Aargau übrigens», sagt Steiner, «ist nach der Zürcherischen die strengste in der Schweiz.»

Er hat auch ein Herz für Krähen

Auf die Jagd geht er noch immer. Fünf bis zwanzig Tiere schiesst der 84-Jährige jedes Jahr, aber er gehe nicht wegen dem Töten. «Jene die nur töten wollen, sollen ins Schlachthaus», sagt er und betont gleich noch, dass es gut sei, dass auch für Krähen inzwischen eine Schonzeit gelte. «Sonst warten doch die Jungen im Nest und verhungern.»

Er ist nicht nur Jäger, er ist auch Mitglied von Pro Natura. «Die Jäger haben 29 000 Mitglieder in der Schweiz, Pro Natura hat 100 000. Es geht nur noch mit Zusammenarbeit», sagt Steiner und ist mit dieser Ansicht wohl einmal mehr ein Vordenker.