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Jacqueline von Arx war Schafhirtin und will in den Grossen Rat – doch politische Arbeit ist kein Neuland

Sie war Schafhirtin und bei Pro Natura Graubünden. Jetzt will Jacqueline von Arx (37) in den Grossen Rat.

Katja Schlegel
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Jaqueline von Arx ist in Menziken aufgewachsen.

Jaqueline von Arx ist in Menziken aufgewachsen.

Britta Gut

Allein mit 600 Schafen und sechs Hunden. Wochenlang, irgendwo hoch oben, irgendwo im Bündnerland, wo Bartgeier kreisen und Steinböcke ins Tal schauen. Das war Jacqueline von Arx’ Aufgabe von Mai bis Juli. Ein Leben als Hirtin auf der Alp Suretta. Ein karges Leben, ein hartes. Eines, in dem es eine halbe Stunde dauert, bis eine Tasse Kaffee auf dem Tisch steht. Aber ein schönes, ein stilles, ein erdendes Leben.

Jetzt sitzt Jacqueline von Arx (37) in einem Café in der Aarauer Altstadt und trinkt eine Schale mit viel Milchschaum. Die Zeit auf der Alp ist vorbei, die Hektik des Unterlandes hat sie wieder. Anfang August hat die studierte Geografin im Naturama Aargau ihre Stelle als Projektleiterin Naturförderung angetreten. «Es kribbelt wieder», sagt sie und lacht.

Das Kribbeln. Das Gefühl, das sie vor ihrer gut einjährigen Auszeit neun Jahre lang begleitet hat. Von Arx, aufgewachsen in Menziken, war von 2010 bis 2019 bei Pro Natura Graubünden, erst als Projektleiterin, die letzten fünf Jahre als Geschäftsführerin. Neun Jahre, in denen kein Tag wie der andere war. Neun Jahre voller Naturschutz auf praktischer und politischer Ebene, voller Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. «Immer tausend Projekte gleichzeitig, ein ständiges Kribbeln». Und neun Jahre zwischen dem Aargau und dem Bündnerland, am Wochenende daheim in Rombach, wochentags in Chur.

Der Drang nach draussen zu gehen

«Ich habe den Job bei Pro Natura geliebt bis zur letzten Sekunde», sagt von Arx. Aber 2019 hatte sie den Drang, vom Bürotisch aufzustehen und nach draussen zu gehen. Das Verlangen nach Stille, nach körperlicher Arbeit. Beides hatte sie in den letzten 13 Monaten, nebst einer Stelle als Projektmitarbeiterin bei der Stadtplanung Luzern. Während zwei Saisons ging sie z’Alp, auf 1750 Höhenmetern; hielt die 600 Schafe im Auge und verarztete die verletzten, stellte Nachtpferche, trieb die Tiere zusammen. Fürchtete sich nicht etwa vor dem Wolf – «warum denn auch, Zecken sind viel gefährlichere Tiere für uns» – sondern vor tief hängenden Regenwolken. Bis sie das Kribbeln wieder vermisste.

Jetzt geniesst sie den Luxus, zu Fuss zur Arbeit zu gehen, ihre Bekannten jederzeit zu treffen, keine Wochenendbeziehung mehr zu führen. Und sie will endlich im Aargau politisch aktiv werden. Laut und deutlich.

«Es braucht mehr grüne Stimmen im Aargau»

Politische Arbeit ist kein Neuland für von Arx. Sie war wesentlicher Bestandteil ihrer Aufgabe bei Pro Natura. Auch vereinspolitisch hat sie sich die letzten Jahre engagiert, unter anderem im Vorstand des VCS Aargau. Doch jetzt will sie in den Grossen Rat. Weil es noch mehr grüne Stimmen brauche in diesem Kanton. «Und im Kantonsparlament würde meine Stimme gehört.» Ihre Hauptanliegen? «Die Anpassung an den Klimawandel; mehr Schatten, Wasser und Grünfläche, weniger hitzeflirrende Betonwüsten.» Dann zählt sie weiter auf: Mobilität, Raumplanung, Energiegewinnung, es sprudelt. «Da gibt es im Aargau noch viel zu besprechen. Und ich diskutiere gerne mit», sagt sie und lacht.

Jacqueline von Arx (Küttigen) steht auf dem dritten Listenplatz, hinter Mirjam Kosch (Aarau) und Thomas Baumann (Suhr). Dass die Grünen Bezirk Aarau drei Sitze machen, glaubt sie nicht. Aber das wäre auch nicht schlimm. «Ich habe Geduld und bin hartnäckig. Ich würde in vier Jahren einfach wieder antreten.» Bis dahin wäre sie umso aktiver in den verschiedenen Vorständen, sie würde politisch aktiv bleiben – und vielleicht nochmals einen Sommer lang zu ihren Schafen.

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