Lange hatte es in Suhr an Kindertagesstätten, Tagesstrukturmodellen, Spielgruppen und Tagesfamilien gemangelt – doch die Gemeinde hat in den letzten zwei Jahren aufgeholt. Während des Pilotprojekts zur familienergänzenden Kinderbetreuung wurde die Anzahl Betreuungsplätze verdreifacht, die Nachfrage stieg deutlich.

Dass solche Angebote nötig sind, davon sind auch die Suhrer Stimmbürger überzeugt: An der Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend haben sie (von den 5419 Stimmberechtigten waren 136 oder 2,5 Prozent anwesend) der definitiven Einführung der familienergänzenden Kinderbetreuung per 2015 und damit auch jährlichen Ausgaben von rund einer halben Million Franken zugestimmt – diskussionslos und nahezu einstimmig. Und das, obwohl der Teilbetrag von 340000 Franken, mit dem die Gemeinde Eltern unter die Arme greift, die sich die externe Kinderbetreuung nicht leisten können, im Vorfeld nicht unbestritten war.

Die Rechnung überzeugt

Doch die Rechnung, die der Gemeinderat macht, hat die Stimmbürger anscheinend überzeugt: Ein breites Betreuungsangebot bietet Kindern gerechtere Bildungschancen, ermöglicht Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und generiert der Gemeinde dadurch mehr Steuereinnahmen. Diese Mehreinnahmen nach zwei bis drei Steuerperioden bezifferte Gemeinderätin Carmen Suter-Frey, die das Traktandum vorstellte, mit Faktor 1,5. Das heisst: Für die halbe Million, die die Gemeinde investiert, sollten zusätzliche Steuereinnahmen von 750 000 Franken generiert werden. Ausserdem fallen langfristig weniger Kosten für Sozialhilfe und Sonderschulung an.

«Wir haben ein Erfolgsmodell geschaffen», zeigte sich Suter überzeugt. Schon heute höre sie von Familien, dass das Angebot der familienergänzenden Kinderbetreuung nebst dem Schulangebot und der guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr ausschlaggebend gewesen sei, dass sie hierher gezogen sind.

Box: Einbürgerungen sind wohl bald Sache des Gemeinderates

Über 60 Namen von Bürgerrechts-Bewerbern standen am Donnerstagabend auf der Traktandenliste. Wohl mit ein Grund, weshalb die Suhrer Stimmbürger dem Gemeinderat einstimmig und ohne vorgängige Diskussion die Anpassung der Gemeindeordnung guthiessen. Künftig soll also nicht mehr die Gemeindeversammlung, sondern der Gemeinderat über Einbürgerungsgesuche entscheiden. Bevor es so weit ist, kommt es am 28. September zur obligatorischen Volksabstimmung.

Einstimmig angenommen wurde auch der Rahmenkredit von 2,1 Millionen Franken für Kanalisationssanierungen und die Rechnung 2013 samt diversen Kreditabrechnungen. Von der Traktandenliste gestrichen wurden hingegen die Ausbaupläne für den Mühleweg. Weil sich die Finanzkommission gegen das Projekt ausgesprochen hatte und der Ausbau in den Parteien sehr kontrovers diskutiert worden war, hatte der Gemeinderat beschlossen, das Traktandum zurückzuziehen und zu überarbeiten.