Ein aufgebrachter Fahrender machte gegenüber der az geltend, der Durchgangsplatz im Aarauer Schachen, der zu Beginn des Monats nach einer umfassenden Sanierung wieder eröffnet wurde, verlange von den Fahrenden Wucherpreise.

Er rechnet vor, dass ein Wohnmobil pro Tag 20 Franken kosten soll, inklusive Strom und Dusche. Damit müsse er pro Wohnwagen und Monat bei der Ankunft alleine schon 640 Franken bezahlen. Bei drei Wohnwagen könne er sich den Preis einfach nicht mehr leisten.

Damit nicht genug: Auch Ausländer sollen abgewiesen werden oder müssten den doppelten Preis bezahlen. Wenn es so weiterginge, erklärt der Fahrende traurig, müsse er zum Sozialamt gehen - das wolle er aber nicht.

Platzbetreiber weist Vorwürfe von sich

Die Verwaltung des Standplatzes im Schachen unterliegt der Stadtpolizei Aarau. Hans Umbricht von der Dienststelle Gewerbe weist die Anschuldigungen klar von sich. Die Standgebühren seien offen ersichtlich und könnten miteinander verglichen werden.

Umbricht zeigt auf, dass die Gebühr im Schachen pro Tag und Wohnwagen in der Tat 8 Franken beträgt. Für den Strom bezahlt man pauschal 50 Franken und für die Duschen 20 Franken. Auf beiden Preisen liegt ein Depot, das die Fahrenden aber zurückbekommen.

Was die Abweisung der Ausländer angeht, so verweist Umbricht auf die Regelung im Richtplan, gemäss der nur Fahrende mit dem Schweizer Pass oder mit Schweizer Wohnort verweilen dürfen.

Tatsächlich heisst es im Richtplan: «Für die Aufnahme von grossen Gruppen ausländischer Fahrenden sind die Halteplätze gemäss Richtplan nicht vorgesehen und auch nicht geeignet. In einem solchen Fall sind spezifische Angebote und Massnahmen im Einzelfall angezeigt.»

Der Grund für diese Regelung sind erstens die Probleme, die ausländische Fahrende und Roma verursacht haben und zweitens die Aufgabe, Platz für die einheimischen Fahrenden zu schaffen.

Widersprüchliche Aussagen

Was den doppelten Preis für Ausländer angeht, erklärt Umbricht, würde diese Praxis bereits seit 10 Jahren nicht mehr so gehalten. Hier widerspricht sich die Aussage mit derjenigen des Fahrenden: «Ich kann mich noch genau erinnern, wie sie vor drei Jahren von meinem Vater verlangt haben zu lügen. Sie wollten, dass wir aussagen, genau soviel wie die Ausländer zu bezahlen - nämlich das Doppelte», erzählt der Fahrende.

Dies soll vor drei Jahren auf dem Platz in Schachen passiert sein, noch bevor dieser saniert wurde. Beweise für die Anschuldigung liegen bislang aber keine vor. (kgh)