Hannes Schneider geht voraus, öffnet den Kühlraum. Mit scheuem Blick zählt man acht Holzsärge. Der Tod ist nahe. Ein paar Schritte weiter grüsst einen der Ofenwart, der an diesem Tag die Einäscherungen überwacht.

Die Hitze im Ofen wird mit 850 Grad Celsius angezeigt. Kremiert wird von 7 bis 17 Uhr. Die Zeit reicht für acht Kremationen. «Es können an einem Tag auch mal zwölf sein», sagt Schneider. Die Anzahl bestimmt der Tod.

«Für Tote über 160 Kilogramm ist der Ofen zu eng»

Hannes Schneider leitet bei der Stadt die Abteilung Friedhof und Krematorium. Sachlich und ruhig gibt er Auskunft, hilft weiter, wenn einem die Frage nicht über die Lippen kommen will. Für Tote über 160 Kilogramm ist der Ofen zu eng, für eine optimale Verbrennung muss die Luft gut zirkulieren können.

Für schwerere Körper ist das Krematorium in Bern eingerichtet. «Eine Einäscherung dauert 55 bis 65 Minuten.» Bis die heisse Asche, die durch einen Rost und zwei Kammern fällt, ausgekühlt ist, dauert es nochmals zwei Stunden.»

Eine Treppe führt in das Kellergeschoss, wo die Asche in einem Behälter aufgefangen wird. Hier entnimmt der Ofenwart die körperfremden Teile – Hüftgelenke, Herzschrittmacher, die in der enormen Hitze geplatzt sind, und Sargnägel.

Die sterblichen Überreste, Knochen und Asche, werden in einer Mühle zerrieben und in der Urne aufgefangen. Der Raum hinterlässt den Eindruck einer kleinen aufgeräumten und sauberen Werkstatt.

85 Prozent Feuerbestattungen

«Rund 85 Prozent sind Feuerbestattungen», erklärt Hannes Schneider. Die Erdbestattungen nehmen mehr und mehr ab. Warum? Darüber könne er nur mutmassen, sagt er. Vielleicht hätten es die Verstorbenen selber noch so gewünscht. So bestehe die Möglichkeit, dass die Asche an deren Lieblingsort verstreut oder im Gemeinschaftsgrab beigesetzt wird. Oder es gaben religiöse Gründe den Ausschlag.

Kremationen seien umweltfreundlicher als Erdbestattungen, heisst es. «Voraussetzung ist, dass die Rauchgasreinigung optimal funktioniert. Das ist in Aarau der Fall, die Anlage, die regelmässig kontrolliert wird, entspricht dem neusten Stand der Technik», sagt Schneider.

Ein neuer Ofen im Winter 2016

Das Krematorium in Aarau hat zwei Öfen. Der alte von 1978 hat keine Rauchgasreinigung und darf nicht mehr benutzt werden. Der neuere, mit Gas betriebene Ofen wurde 2001 erbaut. Dieser sei nun auch in die Jahre gekommen, sagt Schneider.

Es soll ein zusätzlicher Ofen installiert werden. Den entsprechenden Projektierungskredit hat der Einwohnerrat im Oktober letzten Jahres beschlossen.

Der Ofen könnte im Winter 2016 in Betrieb genommen werden. Der bestehende Ofen würde als Ersatz dienen, wenn der neue revidiert werden muss oder aus anderen Gründen stillsteht.

1968 Feuerbestattungen im 2012

Im Jahr 2012 sind 1968 Kremationen und 227 Bestattungen vorgenommen worden, 109 Mal wurden die Abdankungshallen benutzt. Der Kostendeckungsgrad des Bestattungswesens beträgt 105 Prozent. Wie viel kostet eine Kremation? «570 Franken inklusive Urne und Mehrwertsteuer», erklärt Hannes Schneider.

Die Investition in den Ofen hätte zur Folge, dass die Gebühr pro Kremation im Jahr 2020 auf 625 Franken angehoben werden müsste. Dies hat die Wirtschaftlichkeitsanalyse ergeben. Der Eigenwirtschaftsbetrieb soll kostendeckend betrieben werden. Die Erhöhung sei aber marktfähig, erklärte die zuständige Stadträtin Regina Jäggi damals dem Einwohnerrat.

Hannes Schneiders Büro liegt im Ostteil der grossen gläsernen Abdankungshalle, nur wenige Schritte vom Ofen entfernt. Wie ist es, täglich mit dem Tod konfrontiert zu sein? Diese Frage stelle sich ihm so nicht, sagt Schneider nach kurzem Überlegen. «Selbstverständlich lässt auch mich der Tod nicht unberührt.» Doch habe er zusammen mit seinen Mitarbeitenden den Auftrag, eine «schickliche Bestattung» zu gewährlisten.

Eine Nummer begleitet die Urne

Schneider erklärt den Ablauf einer Bestattung von der Meldung des Todesfalls beim Bestattungsamt bis zum Moment, wo die Urne verschlossen wird. «Wenn die Beisetzung nicht auf dem Friedhof Rosengarten stattfindet, ist es oft ein Angehöriger oder der Bestatter, der die Urne abholt». Er habe eine Urne auch schon nach Hawaii schicken müssen oder ein anderes fernes Land, aber auch immer wieder in umliegende Gemeinden – per Post, das ist möglich.

Mit der Urne geht eine Nummer mit, eingestanzt auf ein Metalltäfelchen. Die Nummer vergibt das Bestattungsamt. Sie lässt jederzeit die Identifikation der Asche zu. Die Asche soll unverwechselbar und der Tod nachverfolgbar bleiben.