Aarau

Invasiven Pflanzen gehts an den Kragen

Handarbeit ist gefragt: Weg mit dem Drüsigen Springkraut!

Handarbeit ist gefragt: Weg mit dem Drüsigen Springkraut!

Nationale Aktionstage «Arten ohne Grenzen»: Im Aargau werden Drüsiges Springkraut und Co bekämpft. Zum Beispiel in Aarau, wo sich Schüler der dritten Realschule durch das Dickicht auf der Zurlindeninsel kämpfen.

Freitagmorgen, kurz nach zehn Uhr. Die südwestliche Spitze der Aarauer Zurlindeninsel liegt im Schatten der Bäume und Sträucher. Es geht ein leichter Wind, einige Vogelstimmen sind zu vernehmen und der Boden ist noch leicht sumpfig vom starken Gewitter des Vorabends. Rund 15 Jugendliche kämpfen sich durch das kniehohe Gestrüpp, das mit Brennnesseln durchsetzt ist.

Immer wieder beugen sie sich vor, greifen nach einer Pflanze, ziehen sie aus der Erde und werfen sie in einen grossen Plastiksack. Die Schüler der dritten Realschule Aarau reissen jedoch nicht irgendwelche Pflanzen aus. «Sie entfernen gezielt die Triebe des Drüsigen Springkrauts, das in diesem feuchten Gebiet sehr dicht wächst und damit die natürliche Vegetation verdrängt», so Beat Utiger vom Verein Naturwerk, der seinen jungen Helfern fachkundige Anweisungen gibt, wie die Pflanzen korrekt zu entfernen sind.

Das Drüsige Springkraut ist eine von rund 30 bis 40 Arten, die in Europa als invasive Neophyten bezeichnet werden und den einheimischen Pflanzen den Lebensraum streitig machen. «Neophyten sind Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas zu uns gelangt sind und daher nicht als heimisch gelten», erklärt Carmen Hitz von der Umweltfachstelle der Stadt Aarau. Rund 12000 solcher Neophyten seien in Europa eingeführt worden, aber nur ein äusserst geringer Teil verbreite sich überdurchschnittlich stark und werde zur invasiven Art, meint Hitz weiter.

Obwohl es nicht viele Arten sind, können sie grosse Probleme verursachen. Durch ihre starke Vermehrung verdrängen sie einheimische Pflanzen, die beispielsweise als Nahrungsgrundlage für bestimmte Schmetterlingsraupen dienen und damit wird das Überleben dieser Schmetterlinge gefährdet. Ebenfalls können durch diese Pflanzen Böschungen destabilisiert oder gar Strassen aufgerissen werden. «Der Japan-Knöterich kann mit seinen Wurzeln, die bis zu zwei Meter tief in den Boden dringen, gar Wasserleitungen zerstören», erzählt Beat Utiger. Neben dem Japan-Knöterich und dem Drüsigen Springkraut gehören unter anderem die falsche Akazie (Robinie), der Sommerflieder und der Kirschlorbeer zu den invasiven Neophyten.

Die ersten nationalen Aktionstage, die von verschiedenen Kantonen – darunter auch der Aargau – in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt ins Leben gerufen wurde, sollen die Bevölkerung auf die Thematik aufmerksam machen, sie informieren und sensibilisieren. «Wenn man bei der Bekämpfung der invasiven Neophyten Erfolg haben will, dann müssen alle Bescheid wissen; der Strassenarbeiter auf der Baustelle, der Förster im Wald und auch der Hausbesitzer in seinem Garten», so Hitz.

Um diese Menschen zu erreichen, informierte die Umweltfachstelle am Freitag während mehrerer Stunden mit einem Stand am Graben. Hitz hofft, dass Gemeinden, lokale Vereine und Schulen die Initiative ergreifen und sich an der Bekämpfung der invasiven Neophyten beteiligen. So wie die Ökogruppe Trinamo AG, der Verein Naturwerk aus Brugg, der Aarauer Werkhof und die freiwilligen Helfer, die gemeinsam mit der Klasse R3A der Realschule Aarau an der Bekämpfungsaktion teilnahmen.

Die Jugendlichen haben mittlerweile mehrere Säcke mit Drüsigem Springkraut gefüllt. Beat Utiger nimmt daher eine kleine Gruppe mit auf die «Orchideenwiese». Diese etwas erhöhte und trockene Fläche trägt ihren Namen nicht umsonst. Alle paar Meter ist auf der grünen Wiese eine hellviolett leuchtende Orchideenblüte zu erkennen. Utiger erklärt den Schülern, wie sie das einjährige Berufkraut, ebenfalls eine invasive Art, erkennen und entfernen können. «Es ist das erste Mal, dass uns eine Schulklasse hilft. Das ist super und wir können die Pflanzen dank ihrer Unterstützung erst noch gründlicher entfernen», freut sich Utiger.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1