Küttigen

Integration wird gefördert mit Essen, Musik und Geschichten

Im Erzähl- und Büchernachmittag im Schulhaus Stock berichten Mütter von ihrem Heimatland. Der Anlass fand zum dritten und wohl letzten Mal statt. Nach Syrien und Dänemark war nun Brasilien das Thema.

«Wir gehen heute in den Süden, nach Brasilien. Damit haben wir fast eine Weltreise gemacht», sagt Karin Knobel Käser von der Integrationskommission Küttigen/Rombach. An drei Mittwochnachmittagen haben Mütter eine Stunde lang über ihr Heimatland erzählt, Texte in ihrer Muttersprache vorgelesen, Musik abgespielt und kulinarische Köstlichkeiten präsentiert. Nach Syrien und Dänemark war gestern Brasilien an der Reihe.

In einem Zimmer im Schulhaus Stock in Rombach projiziert Alessandra Valandro Müller Bilder von ihrem Heimatland auf eine weisse Schrankwand. Zu sehen ist als erstes die berühmte Kulisse Rio de Janeiros, von oben herab mit der Christusstatue im Vordergrund und dem Strand im Hintergrund. «Die Menschen verbinden Brasilien normalerweise mit Fussball, Karneval und Rio», sagt sie. Kulturell habe das Land aber weitaus mehr zu bieten, etwa in der Musik. Sie spielt Lieder von unterschiedlichen brasilianischen Musikstilrichtungen ab. Brasilien sei geprägt von der Durchmischung von Ethnien. Ureinwohner, Portugiesen, Afrikaner und weitere europäische und asiatische Einwanderer hätten sich vermengt und die brasilianische Kultur hervorgebracht, sagt sie.

In ihrem Vortrag zeigt Alessandra Valandro Müller weitere Fotos von brasilianischen Städten oder von Tieren, die es in Europa nicht gibt. Beim Anblick von wohl noch nie gesehenen Arten wie Gürteltiere oder Wasserschweine müssen die Kinder im Saal immer wieder lachen. Die mehrheitlich Schweizer Mütter hören dem Vortrag gespannt zu. Auch ernste Themen werden genannt: Soziale Ungleichheit, Kriminalität oder Korruption. Und dann bekräftigt Alessandra Valandro Müller, die vor zwölf Jahren von Brasilien nach Küttigen gekommen ist: «Trotz all den Problemen: Die Menschen in Brasilien lachen munter weiter.»

Nach dem langen Vortrag gehen Mütter und Kinder in die kleine Schulbibliothek im ersten Stock. Alessandra Valandro Müller hat dort einen Apéro mit Delikatessen aus Brasilien vorbereitet. Poulettorte, Hackfleischröllchen – Kibe genannt, ein Einfluss der Araber – Kokosnuss- und Schokoladenbällchen liegen auf dem Tisch. Mit sichtlicher Freude stürzen sich die Kinder auf das Buffet, probieren alles aus.

Bücherkoffer rege ausgetauscht

Organisiert wird der Anlass von der Küttiger Integrationskommission und der Schulbibliothek. Unterstützt wird er durch den Integrationsfonds des Bundes. Ziel des Projekts ist, den kulturellen Austausch und die Deutschkenntnisse der Migranten zu fördern. Zum Projekt gehörte bisher auch der Bücherkoffer: Ein Koffer mit Büchern in Deutsch und in Fremdsprachen, Musikkassetten und DVDs, der zwischen Migrantenfamilien und Schweizer Familien in Küttigen hin und her geschickt wurde.

Doch obwohl der Bücherkoffer rege ausgetauscht wurde: Mit dem gestrigen Erzähl- und Büchernachmittag wird das Projekt wahrscheinlich beendet, sagt Karin Knobel Käser. «Wir wollen ein neues lancieren, bei die Migranten besser erreicht und deren Deutschkenntnisse gezielter gefördert werden.»

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