• «Es ist gut in Zetzwil», sagt die Tamilin, «die Gemeinde hilft mir. Aber ich wohne alleine. Ich würde gerne mehr Leute kennen lernen.»
  • «Die Schweizer haben Angst vor uns, wenn wir nicht deutsch sprechen», sagt eine Tibeterin, «sobald man Deutsch kann, kommen sie einem entgegen.»
  • «Es macht mir nichts aus, wenn die anderen Mütter auf dem Spielplatz nicht mit mir sprechen», sagt eine Eritreerin, «aber wenn sie ihre Kinder vom Spiel mit meinem Sohn wegziehen, dann tut mir das weh für ihn.»
  • «Ich habe lange eine Lehrstelle gesucht, mit Kopftuch war es sehr schwierig», sagt eine Jemenitin, «jetzt kann ich ein Hauswirtschaftspraktikum im Altersheim machen. Aber ich darf mein Haar nicht vollständig bedecken. Sie sagen, das mache den alten Leuten Angst.»

Flüchtlinge an einem Tisch

Mitten in der Diskussion über die Integration der Schweizer Flüchtlinge hat die Caritas Aargau beschlossen, die Betroffenen selbst mal darauf anzusprechen. Am Samstag organisierten zwei Mitarbeiter und sechs Flüchtlinge das erste grosse Flüchtlings-Treffen im Aargau. Dass es gross werden würde, war nicht sicher. «Es ist schwierig, die Leute zu erreichen», sagt Initiant Beat John. Die meisten Anmeldungen kamen denn auch erst nach Anmeldeschluss rein, doch schliesslich sassen in der Aarauer Schachenhalle 220 Flüchtlinge (anerkannte und vorläufig aufgenommene) an grossen Tischen, aufgeteilt in die Sprachen Arabisch, Tigrinya, Tibetisch, Tamil, Somali und Farsi.

Da waren cool und gleichzeitig etwas verschämt lächelnde junge Männer, da sass eine dreisprachige alte Frau aus Syrien, es gab Männer um die 50 mit ernsten Gesichtern und neugierige, stark geschminkte, junge Frauen.

Diskussion wird von Hochschule ausgewertet

Während zweier Stunden diskutierten sie engagiert darüber, wie sie stärker am Leben in der Schweiz teilnehmen könnten und warum das so schwierig ist. Deutsch und Arbeit, diese Stichwörter fielen oft. Viele betonten, wie gerne sie endlich arbeiten und ihr Deutsch verbessern würden. Wenige haben sich je getraut einem Verein beizutreten. Diese erscheinen ihnen privat und oft stünden sie dann nur schon wegen mangelnder Sprachkenntnisse abseits. Und nein, sagt ein eritreischer Übersetzer resigniert lächelnd, im Zug will doch niemand reden.

Die Diskussionen wurden protokolliert. Zwei Studentinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz werden eine Bedarfsanalyse machen: Was braucht es für eine besser Partizipation der Flüchtlinge? Das Ergebnis wird im Februar erwartet.
Im Anschluss fand ein Fest statt, um die vielen Gruppen miteinander in Kontakt zu bringen. «Wenn sich die Flüchtlinge zusammenschliessen würden, wäre es einfacher, sie zu erreichen und sie könnten mehr bewirken», sagt John.

Kinder sind integriert

Derweil wurden in einer Nebenhalle übrigens rund 150 Kinder der 220 Flüchtlinge betreut. Das ist viel Nachwuchs pro Flüchtlingsfamilie. Doch Caritas Aargau Geschäftsführer Kurt Brand sagt: "Diese Kinder haben alle Potential. Sie gehen zur Schule, lernen Deutsch, sind integriert. Sie werden ihren Weg machen."