Gränichen

Inspektorin kippt Totenkopf und Säbel aus der Shakespeare-Aufführung

Die Fechtszene in der abgeänderten Hamlet-Version muss mit Bambusstöcken durchgeführt werden. Säbel hat die Kulturinspektorin verboten.

Die Fechtszene in der abgeänderten Hamlet-Version muss mit Bambusstöcken durchgeführt werden. Säbel hat die Kulturinspektorin verboten.

Die Gränicher Theatergruppe «Improvisorisch» wagt sich an ein mehrschichtiges Stück und spielt eine Theatergruppe im Kampf gegen Behördenwillkür.

Es will Shakespeares Hamlet spielen und landet auf einer sumpfigen Wiese: das Theaterensemble «Gruppo Dramatico» unter der Leitung von Friedrich Dreyer (Heinz Marti). «Nichts als Schlamm und Dreck», maulen die Schauspieler und drippeln durch den Matsch. Doch nicht die Lokalität ist das grösste Problem der Truppe, sondern die Anforderungen der Kulturinspektorin Charlotte Seifert (Therese Hediger).

Diese pocht nicht nur Auflagen betreffend Bühnengrösse und Vorhanglänge, sondern stört auch die Proben des Ensembles. Weder einen ehebrecherischen König noch einen Totenkopf und schon gar keine Fechtszenen will die banausenhafte Kulturinspektorin akzeptieren.

«Ein Experiment gewagt»

Ein Theater im Theater – mit «Mir spiled Hamlet!» hat das Gränicher Theater «Improvisorisch» ein mehrschichtiges Stück einstudiert. «Wir haben ein Experiment gewagt», sagen die Regisseurinnen Barbara Marti und Susanna Nyfeler. «Wir wollten wiederum eine Komödie spielen und die Leute zum Lachen bringen, aber auch unseren Facettenreichtum zeigen.» Ein Theater im Theater ist für Zuschauer und Schauspieler eine Herausforderung. Das Theater «Improvisorisch» hat diese so hervorragend gemeistert, dass die Besucher gut folgen und die verschiedenen Ebenen problemlos einordnen konnten.

So gefällts auch der Inspektorin

Der erste Akt zeigt das Eintreffen der Theaterleute am Spielort. Viele Originalszenen aus Shakespeares «Hamlet» kommen im zweiten Akt zur Aufführung. Die ungewohnten Wörter und Satzstellungen verlangten von den Schauspielern einen grossen Aufwand beim Erlernen des Textes. Co-Regisseurin Barbara Marti teilte in einem ersten Schritt die Rollen aufgrund der Anforderungen dieser Passagen zu. Obwohl ihre Regiepartnerin Susanna Nyfeler eher gefühlsmässig entscheidet, stimmten die beiden bei der Rollenverteilung jeweils grösstenteils überein.

Doppelter Applaus

Während des zweiten Aktes, der Probe für den Hamlet, stellt sich heraus, dass das Stück in dieser Form nicht aufgeführt werden kann. Der Theaterdirektor schreibt es deshalb kurzerhand um und im dritten Akt kommt nicht der Original-Hamlet des Ensembles «Gruppo Dramatico» zur Aufführung, sondern ein Schwank mit Liebe, Eifersucht, Krach, Versöhnung und Erotik, der auch der Kulturinspektorin gefällt.

Am Schluss brandete der Applaus der Theaterbesucher zweimal auf. Ein erstes Mal für die Aufführung des «Gruppo Dramatico», anschliessend für das Theater Improvisorisch selbst. In der Tat eine vielschichtige Vorstellung.

Weitere Aufführungen Freitag und Samstag, 24./25. April, 20 Uhr, Sonntag, 26. April, 14 Uhr, Aula der Primarschule Gränichen, Reservation wird empfohlen.

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