Suhr

Inseln auf dem Mehrzweckstreifen: Querungshilfe oder Stolperfalle?

Die als Querungshilfen auf dem Mehrzweckstreifen aufgesetzten Inseln geben zu reden. Bild: frh (28. August 2019)

Die als Querungshilfen auf dem Mehrzweckstreifen aufgesetzten Inseln geben zu reden. Bild: frh (28. August 2019)

Das Queren der Suhrer Tramstrasse wäre einfacher – aber die Inseln scheinen mehr zu irritieren als zu helfen.

Noch hat die Tramstrasse nicht den finalen Schliff erhalten, noch laufen die letzten Arbeiten an der Mega-Baustelle. Und schon laufen einige Suhrer Sturm. Stein des Anstosses – im wahrsten Sinn des Wortes – sind die Inseln, die als Querungshilfen auf den Mehrzweckstreifen auf der Tramstrasse gesetzt wurden.

Das Problem: Die Insel ist nicht nur mit deutlichen Erhebungen eingefasst; auch der Mittelteil ist leicht höher als die Fahrbahn. Obwohl abgeschrägt, ist da ein Absatz. Eine Stolperfalle für Gehbehinderte, eine unangenehme Schwelle für Velos mit Anhängern oder für Kinderwagen. Für Gehbehinderte sei der Absatz gar eine Katastrophe, so einer der Votanten am Infoforum. Er war mit dieser Meinung nicht allein; die unter «Verschiedenes» angesprochenen Inseln sorgten für mehr Gesprächsstoff als die traktandierten Themen.

Absatz ist für Sehbehinderte wichtig

Gemeindepräsident Marco Genoni sagte, dass man sich des Stolper-Problems bewusst sei. Noch sei aber der Deckbelag nicht eingebracht, der Niveauunterschied werde demnach noch etwas geringer. Trotzdem habe man beim Kanton – bei der Tramstrasse handelt es sich um eine Kantonsstrasse – vorsorglich interveniert. Als Antwort habe man erhalten, dass die Mittelinseln den kantonalen Normen entsprächen.

Ausserdem sei der Absatz für Sehbehinderte wichtig, zitierte Genoni die Begründung aus Aarau. Das könne so nicht stimmen, hielten derweil zwei Votanten dagegen. Sie hätten sich in anderen Gemeinden umgeschaut und gesehen, dass es durchaus Inseln mit bodenebenen Bereichen gebe.

Weiter tauchte die Frage auf, warum bei den Inseln nicht zusätzlich Fussgängerstreifen markiert würden. Das sei bei einem Mehrzweckstreifen gar nicht nötig, erklärte Genoni. Der Streifen diene sämtlichen Verkehrsteilnehmern auf der gesamten Fläche zum Abbiegen, Einmünden oder Überqueren der Strasse. «Wir haben aber von Kanton die Zusicherung erhalten, dass die Situation nun beobachtet wird und nächstes Jahr bei Bedarf Fussgängerstreifen markiert werden», so Genoni.

Jedoch dürfe man nicht vergessen, so Genoni weiter, dass Fussgängerstreifen eine falsche Sicherheit vortäuschen können. «Auch beim Queren eines Fussgängerstreifens kann man nicht einfach kopflos draufloslaufen.»

Inseln verhindern dreispuriges Fahren

Auf die Frage, weshalb denn überhaupt Inseln auf den Mehrzweckstreifen gesetzt wurden, wenn Fussgänger doch überall queren dürften, erklärte Philippe Woodtli, Geschäftsführer der Gemeinde: «Die Inseln dienen der Sicherheit der Fussgänger. Würde der Mehrzweckstreifen nicht durch die Inseln unterbrochen, würde er als Zusatzspur gebraucht werden.»

Mehrzweckstreifen sind immer wieder ein Thema. Und das längst nicht nur in Suhr, wo es den Streifen bereits seit 2011 gibt. «Viele wissen noch immer nicht, wie man dieses Instrument nutzt», so Woodtli nach dem offiziellen Teil. Deshalb überlege man sich, die Suhrer Bevölkerung nun mit einem Flyer über den korrekten Gebrauch des Streifens aufzuklären.

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