Aarau
Ingenieure untersuchen die Meyerschen Stollen

Mit einer detaillierten Zustandsanalyse wird der Sanierungsaufwand der unterirdischen Zeugen der Aarauer Industriegeschichte ermittelt.

Hermann Rauber
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Die Meyerschen Stollen müssen repariert und gesichert werden, wie auch Archäologin Hélène Klemm (Mitte, hier bei einer Führung) nur zu gut weiss.

Die Meyerschen Stollen müssen repariert und gesichert werden, wie auch Archäologin Hélène Klemm (Mitte, hier bei einer Führung) nur zu gut weiss.

zvg

Die Rettung der Meyerschen Stollen in Aarau ist wieder einen Schritt vorwärts gekommen. Das Stadtbauamt Aarau und die kantonale Denkmalpflege lassen noch im laufenden Jahr durch das Ingenieurbüro Wilhelm und Wahlen AG, Aarau, einen Zustands- und Unterhaltsplan erstellen.

Dieser soll aufzeigen, welche Sicherungs- oder Reparaturarbeiten kurz-, mittel- und langfristig vorgenommen werden müssen, damit der unterirdische Zeuge der Industriegeschichte auf lange Zeit erhalten werden kann.

Diese gute Nachricht konnte Andreas Zimmerli, Präsident der Interessengemeinschaft (IG) Meyersche Stollen, der Generalversammlung übermitteln. Damit gewinne das Verfahren einer offiziellen Unterschutzstellung des Stollensystems, das seit zwei Jahren nicht mehr bei der Kantonsarchäologie, sondern bei der Aargauer Denkmalpflege liegt, an Fahrt, ist Zimmerli überzeugt.

Der Unterhaltsplan, der im Herbst 2015 vorliegen soll, wird dabei als Grundlage für die weiteren Schritte dienen. Die private IG will das Ingenieurbüro mit ihrer Erfahrung aktiv unterstützen, die Fachleute bei ihren Stollenbegehungen begleiten und auf Problembereiche hinweisen.

Der Zustands- und Unterhaltsplan wird laut Zimmerli ermöglichen, «die richtigen Massnahmen rechtzeitig anzupacken und ein sicheres Begehen der Stollen auch in Zukunft zu gewährleisten». Dies entspricht durchaus einem Bedürfnis, haben doch im vergangenen Jahr rund 700 Personen an 50 Führungen einen Augenschein im Aarauer Untergrund genommen. Organisiert werden diese Exkursionen durch die Stollenführerschaft, die sich aus der Archäologin Hélène Klemm und Führerinnen und Führern der Pfadi St. Georg Aarau zusammensetzt.

Bereits vor Jahresfrist hat die IG Meyersche Stollen einen Investitionskredit von 15 000 Franken für die Sanierung der Bauten direkt unterhalb der Laurenzenvorstadt bewilligt. Im Rahmen der Vorbereitung kam der Vorstand der IG im letzten Sommer zum Schluss, dass eine Realisierung des Vorhabens nur «nach Rücksprache mit Institutionen, die die vorgeschlagenen Lösungen fachlich besser beurteilen können, Sinn macht», betont Andreas Zimmerli. Deshalb fand im vergangenen Februar eine weitere Begehung des betroffenen Stollenabschnitts statt, die in eine konkrete Unternehmerofferte münden soll.

Projekt noch in diesem Jahr

Ziel ist es, die Ausführungsreife noch im laufenden Jahr erreichen zu können. Dies soll aber nur nach Rücksprache mit den Fachleuten, die am allgemeinen Zustands- und Unterhaltsplan arbeiten, geschehen. Die IG will dabei noch einmal über den Betrag an das Vorhaben entscheiden. Das soll im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung passieren, da «dieses Geschäft für den Verein sehr wichtig ist und die Investition die Höhe von regulären Ausgabeposten übersteigt», sagt Zimmerli. Die klare Prioritätensetzung bedeutet auch, dass zur Realisierung eines zweiten Vorhabens, nämlich jenes für die Freisetzung des «Mammut-Kellers» südöstlich des katholischen Pfarrhauses, «vorderhand keine weiteren Abklärungen getroffen worden sind».