FC Aarau Frauen

«Infrastruktur ist völlig ungenügend»: Co-Präsidenten weibeln für Ja zum Ausbau der Sportanlage Winkel

Walter Berli (l.) und Willy Wenger sind seit wenigen Monaten  Co-Präsidenten der FC-Aarau-Frauen.

Walter Berli (l.) und Willy Wenger sind seit wenigen Monaten Co-Präsidenten der FC-Aarau-Frauen.

In einer Woche entscheidet der Aarauer Einwohnerrat über einen Ausbau der Sportanlage Winkel in Rohr. es geht um über 5 Millionen Franken. Die Co-Präsidenten des FC Aarau Frauen kämpfen für ein Ja.

Eigentlich wollten sie nichts sagen. Einfach die Füsse stillhalten, die Politik machen lassen. Aber nun haben die neuen Co-Präsidenten des FC Aarau Frauen, Willy Wenger und Walter Berli, doch entschieden, sich öffentlich zu äussern – weil es die Gegner ihres Anliegens auch tun.

Heute in einer Woche entscheidet der Aarauer Einwohnerrat über einen Ausbau der Sportanlage Winkel in Rohr. Für rund 5,4 Mio. Franken sollen zwei Kunstrasenfelder und ein Naturrasenspielfeld angelegt werden. Geplant sindzudem eine neue Garderobe und eine neue Beleuchtung. Der Stadtrat will damit den «Mangel an Trainings- und Spielmöglichkeiten» in Aarau beheben. Und: Dank des Ausbaus soll es möglich sein, dass künftig auch die FC-Aarau-Frauen im «Winkel» trainieren.

Mehr Lärm, Licht und Verkehr befürchtet

Doch gegen das Projekt – es wurde im Einwohnerrat bereits einmal zurückgewiesen – gibt es Opposition. Die Anwohner fürchten mehr Lärm, Licht und Verkehr. Ebenso geht es der Kirchenpflege, die eine Abwertung von Kirche und Friedhof neben der Sportanlage befürchtet. Der FC Rohr hingegen will seine Anlage nur ungern mit den Leistungssportlerinnen teilen und fühlt sich von der Stadt zum wiederholten Male nicht ernst genommen.

Für den FC Aarau Frauen wäre ein Nein zum Ausbau des «Winkels» ein herber Rückschlag. Die Co-Präsidenten können die heftige Gegenwehr nicht nachvollziehen. Die Sportanlage würde zwar mehr genutzt und es entstünde «minimer Mehrverkehr auf der Zufahrtsstrasse», aber Willy Wenger und Walter Berli sind überzeugt, dass die FCA-Frauen angenehme Nachbarinnen seien: «Frauenfussball ist zwar attraktiv, hat aber längst nicht so viele Zuschauer wie der Herrenfussball, selbst auf diesem hohen Niveau nicht. Wir spielen über die Lautsprecher keine Musik ab und keine Werbesprüche. Unsere Frauen spielen gesittet, weder sie noch die Zuschauer schreien unnötig herum. Und sie sind auch nicht bekannt dafür, mit hochtourigen Autos vorzufahren. Die meisten kommen bisher mit Velo oder Bus.»

«Die tschüttele nicht einfach so ein bisschen»

Der FC Aarau Frauen hat vier Mannschaften. Die 1. Mannschaft spielt in der Nati B, als einzige im Aargau. Zudem gibt es eine U19, eine U17 und eine U15. Ihre Spielerinnen, so betont Wenger, «tschüttele nicht einfach so ein bisschen». Sie betreiben Leistungssport, hochfokussiert, trainieren vier- bis sechsmal in der Woche. Einige von ihnen besuchen Sportschulen oder machen eine Sportlerlehre, teilweise spielen sie auch in den Nationalmannschaften.

Im Moment trainieren diese FC-Aarau-Frauen – neben dem Team Aargau und einigen Breitensportmannschaften – im Aarauer Schachen. «Die Infrastruktur dort ist aber völlig ungenügend», sagt Willy Wenger.

Im Sommer könne man sich mit einigem Aufwand zwar organisieren, selbst wenn man etwas zusammenrücken müsse. «Jetzt, wo es früh dunkel wird, steht aber nur ein einziges beleuchtetes Spielfeld zur Verfügung. In unserem Trainingsfenster von 19 bis 20.30 Uhr müssen sich alle vier Mannschaften – 50 bis 70 Mädchen und Frauen – ein einziges Spielfeld teilen. Und das im Leistungssport!»

Ein Ausweichen auf die ausgebuchten Turnhallen sei auch nicht möglich. «Es ist frustrierend, zu sehen, was in anderen Gemeinden an Infrastruktur bereitgestellt wird – für den reinen Breitensport», sagt Berli.

Nichts neues aufzubauen macht Sinn

Die erste Mannschaft soll dereinst im neuen Stadion Torfeld Süd spielen können. Derzeit tragen sie ihre Heimspiele im Schachen aus, meistens am Samstagabend um 18.15 Uhr. Und die Frauen hoffen auf ein Ja zum Ausbau der Sportanlage Winkel. «Es macht absolut Sinn, nichts Neues aufzuziehen, sondern eine bestehende Sportanlage mit bestehender Erschliessung auszubauen», so Wenger, der sich als Bibersteiner Ammann auch mit Raumplanung befassen muss.

In der Einwohnerratsbotschaft steht ein Satz, der einen gehörigen Anteil des Widerstands ausgelöst hat: Die Rede ist von einem «künftigen Ausbau» der Sportanlage Winkel «zum Leistungszentrum». Das sei, so versichern Wenger und Berli, aber nicht mehr als eine blosse Idee ihrer Vorgänger im Vereinsvorstand gewesen. «Wir haben die Stadt gefragt, was mit diesem Leistungszentrum gemeint sei – dort wusste man es nicht», sagt Berli. «Dann sind wir sowohl an den kantonalen als auch an den nationalen Fussballverband gelangt – und auch die haben grosse Augen gemacht.»

Wenger und Berli betonen, dass sie das Gespräch mit dem FC Rohr und mit den Anwohnern suchen werden. Sie hoffen auf ein Ja im Einwohnerrat. Mit einer Redimensionierung im Sinne eines Kompromisses könnten sie leben, wären aber nicht ganz glücklich. «Wir brauchen einfach zwei beleuchtete Felder, das muss nicht zwingend Kunstrasen sein», sagt Wenger. «Aber dann bleibt das Problem der Unbespielbarkeit im Winter.»

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