Suhr
In vier Monaten muss das 21 Millionen-Schulhaus "Vinci" fertig sein

Jeder Tag zählt, jeder Tag ist verplant. Mit Beginn des neuen Schuljahres muss das 21 Millionen Franken teure Schulhaus «Vinci» einzugsbereit sein.

Katja Schlegel (Text)und Chris Iseli (Fotos)
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Hinter dem Gerüst verbirgt sich die «Himmelstreppe».

Hinter dem Gerüst verbirgt sich die «Himmelstreppe».

Chris Iseli

Noch herrscht Hochbetrieb. Da stehen Paletten voller Geländer-Elemente, Kabelrollen und Farbkübel, da bauschen sich Plastikplanen und stapeln sich Linoleum-Abschnitte. Und es liegt Staub. Unmengen Staub. «Aber wir werden pünktlich fertig», sagt Jeannette Schreyer, Projektverantwortliche der Suhrer Bauverwaltung. Einen Puffer gibt es nicht, jeder Tag zählt, jeder Tag ist verplant. Am 14. August geht das neue Schuljahr los, dann kommen die Kinder. Und diese Kinder werden grosse Augen machen.

Schreyer zeigt erst das Innerste des neuen Schulhauses. Dafür geht es durch das unterirdische Parkhaus mit 35 Plätzen; nicht nur für Lehrpersonen, sondern auch für Private. Für die öffentliche Nutzung wird in den nächsten Wochen noch eine Kassenanlage installiert. Weiter geht es durch den Personaleingang ins Haus, ins Langzeitarchiv. Wo künftig die wichtigen Unterlagen der Gemeinde für die kommenden Jahrhunderte gelagert werden, hat sich der Sanitär zwischenzeitlich seine Werkstatt eingerichtet. Es herrscht ein Sammelsurium von Rohren, Kabeln, Platten. Schreyer lacht. «Der Terminplan ist sportlich, aber wir sind auf Kurs.»

Erst im Mai 2015 war die Baubewilligung für das 21,2-Millionen-Projekt der Zürcher pool Architekten rechtskräftig geworden, im August 2015 begannen die Aushubarbeiten. Oftmals sei alles eine rollende Planung, vieles werde ohne viel Vorlaufzeit entschieden. «Aber das läuft ausgesprochen gut und lösungsorientiert», sagt Schreyer. «Es muss funktionieren und es tut es auch.»

Zwei Wochen für den Umzug

Entgegen den ursprünglichen Plänen wurde das Schulhaus nun vollständig unterkellert. Dies als Kompromiss auf eine Einwendung hin, um keine Verzögerung in Kauf nehmen zu müssen. Was mit dem zusätzlichen Raum passieren wird, ist offen. Klar ist nur, dass er extern vermietet werden soll. «Bisher hat aber noch niemand Bedarf angemeldet», sagt Schreyer.

Aktuell läuft nicht nur der Innenausbau mit dem Verlegen der Böden und Elektrokabel, dem Streichen der Wände und der Installation der Treppengeländer, sondern auch die Planung des Umzugs. Eine organisatorische Meisterleistung: Ende Juli ist Bauübergabe, am 14. August geht die Schule los. Es bleiben zwei Wochen Zeit, um 14 Schulzimmer und die Gemeindebibliothek zu zügeln, sämtliche 24 Schulzimmer, zwölf Gruppenräume, fünf Therapieräume, das Sekretariat, das Lehrerzimmer und im Keller die Sammlung mit den Tierpräparaten einzurichten.

Riesige Erleichterung bei allen

Der absolute Hingucker des neuen Schulhauses: die Treppe im Atrium. Diese doppelläufige Wendeltreppe, eine sogenannte Doppelhelix, wahrscheinlich entwickelt vom italienischen Künstler, Architekten, Mechaniker und Ingenieur Leonardo da Vinci. Sie schraubt sich mit zwei verschränkten Treppen durch das ganze Gebäude bis hoch zum Dach. «Wie eine Himmelstreppe, wie ein Tor zum Himmel», sagt Schreyer mit Blick nach oben. Diese Treppe ist der ganze Stolz aller Beteiligten. Von den Architekten über Schreyer bis hin zu den Arbeitern, die die Treppe über vier Monate lang vor Ort gegossen haben.

Eine Knacknuss sei es gewesen, nicht nur der besonderen Form wegen. Viel Eisen wurde verbaut, dazu mussten unzählige Stromleitungen auf wenig Platz verlegt werden, alles mit Sichtbeton gegossen, jeder Fehler würde sichtbar sein. «Es war eine riesige Erleichterung für uns alle, als die Schalung und die Gerüste entfernt wurden», sagt Schreyer. Denn keiner wusste, wie es unter der Schalung aussieht, keiner wusste, ob es nach der üblichen kleinen Absenkung unter der gewaltigen Traglast nicht Risse geben würde. «Da ist nichts, kein einziger Riss hat sich gebildet», sagt Schreyer sichtlich stolz.

Die Tragfähigkeit – das ist nebst der optischen eine weitere Besonderheit der Treppe: Sie übernimmt zusammen mit den Fassadenstürzen die Aussteifung des Gebäudes. So braucht es im gesamten Bau fast keine tragenden Wände. Das bringt nicht nur viel Licht ins Gebäude, sondern lässt auch Freiraum bei der Raumeinteilung. «Jede Wand kann verschoben werden, je nach Raumbedarf», sagt Schreyer.

Das Interesse an der Baustelle ist gross. Viele seien gespannt, wie es wohl im Innern ausschaue, sagt Schreyer. «Ich habe den Eindruck, dass die Suhrer jetzt schon stolz auf ihr einzigartiges Schulhaus sind.» Trotzdem, da sind auch die Stimmen, die von einem Luxusbau sprechen. Ein Vorwurf, den Schreyer nicht gelten lässt: «Der Kubikmeterpreis liegt knapp über 800 Franken und damit absolut im Durchschnitt.» Und auch in der Finanzierung sei man voll auf Kurs: «Bis jetzt schaut es danach aus, als würden wir den Kredit unterschreiten.»

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