Zeig mal her», sagt der Vater, und greift ins prall gefüllte Konfetti-Säckli des Sohnemanns. «Ich will nur mal testen, ob sie gut fliegen.» Und wie sie fliegen! Konfetti war am 40. Fasnachtsumzug in Speuz natürlich keine Mangelware. Aber wie jedes Jahr gab es solche, die auf die Idee kamen, andere Materialien als kleine Papierfetzchen durch die Luft zu schmeissen. Die Gruppe «Die hötig Jugend» setzte auf eine Mischung aus kleinen Federchen und Mehl. Nicht zuletzt deshalb dürften die meisten Leute froh gewesen sein, dass es bei zwei kurzen Schauern – je nach Auslegung bestehend aus Schnee oder Regen – geblieben war.

Die relativ trockenen Verhältnisse sorgten auch dafür, das die bald leeren Konfettitüten problemlos wieder aufgefüllt werden konnten. Die Hexen, die sich am Umzug zeigten, waren diesbezüglich besenmässig im Vorteil – einmal über den Boden wischen, und der Konfettivorrat ist wieder aufgestockt.

Der Fasnachtsumzug Speuz ist sicher nicht der grösste seiner Art, aber man spürt das Herzblut, mit dem in der einzigen Fasnachtshochburg der Region Aarau die Tradition hochgehalten wird. Viele der Sujets wurden von einheimischen Vereinen und Organisationen bestritten. Sie nahmen das Motto «Mittelalter» in unterschiedlicher Ausprägung auf. Der Tambourenverein Erlinsbach setzte aufs Thema Gallier und zeigte beeindruckende Masken. Die Spielgruppe Paradiesli kam trotz Ferien, verkleidet als Burgfräulein, Ross und Reiter. Die Gruppe «Senioren-Ausflug» nahm «Mittelalter» wortwörtlich. Und die «G’Oldies» proklamierten: «Wir haben jetzt genau das richtige Alter, wir müssen nur noch rausfinden, wofür.» Auffällig war die Ansammlung von Einhörnern: Neben der Gruppe «Sumpffrösch», die dem Fabeltier gleich einen ganzen Wagen widmeten und schön pastellig-kitschig daherkamen, waren auch diverse Einzelmasken als Einhorn verkleidet. Weit weg vom Thema Mittelalter ist das nicht, immerhin erlebte die Einhorn-Legende damals einen ersten Aufschwung. Sehr präsent war auch ein anderes Fabelwesen: der Sensenmann, beziehungsweise der Tod.

Nicht mottogetreu, aber sehr aktuell war der Elternverein Erlinsbach, der mit dem Sujet «Lotsendienst» nicht nur die herzigste Verkehrsampel des Tages präsentierte, sondern auch pfiffige Polizistinnen, die statt Bussenzettel das Vereinsprogramm verteilten. Ein politisches Thema nahmen auch die «Erzbachraspler», nämlich die Diskussion, ob man Mohrenköpfe so nennen darf – oder nur noch «Mit Schokolade überzogene Schaumzuckerware mit Migrationshintergrund.»