SBB-Bahnhof

In Oberentfelden müssen Bahnkunden in der Kälte warten

Der Warteraum beim Bahnhof Oberentfelden ist geschlossen.

Der Warteraum beim Bahnhof Oberentfelden ist geschlossen.

Fahrgäste müssen in Oberentfelden auf Schalter und Warteraum verzichten. Den Schalter hat die SBB geschlossen, weil er nicht mehr rentierte. Und den Warteraum, weil er «die falschen Leute» anziehen könnte.

An diesem bitterkalten Dienstagvormittag steigt eine kleine Gruppe ausländischer Geschäftsherren am SBB-Bahnhof in Oberentfelden aus: «Oberentfelden – here you are», sagen sie lachend. Im Schlepptau ihre Rollkoffer. Auf direktem Weg zieht es sie in Richtung Zentrum. Der Zug hält zwar auf der Strecke der S28 von Lenzburg nach Zofingen am Bahnhof Oberentfelden – doch der Schalter und der alte Wartsaal bleiben ab sofort geschlossen. Für immer. Bereits seit längerer Zeit nicht mehr zugänglich sind die Toiletten.

An der Tür zur Schalterhalle klebt ein Papier: «Schalter geschlossen» steht hier gleich zweimal, darunter ein Stempel der SBB und eine Unterschrift. Eine Begründung oder eine Bitte um Verständnis fehlt.

Standardisierter Bahnhof entsteht

«Das ist doch eine Sauerei», ärgert sich Bruno Bachofner, der mit seinem Hund unterwegs ist. Immer öfter werde gespart, dabei könnten viele ältere Menschen ihr Ticket am Automat nicht selber lösen. Sich selber schliesst er da gleich ein. Und auch dass der Wartsaal und die Toiletten geschlossen seien, bedauert er.

Ähnlich geht es einer Oberentfelderin, die nach Lenzburg zum Einkaufen fährt. «Bis wann hat denn der Schalter zu?», will sie wissen. «Für immer? Aha – ja, das Billett kann man ja auch am Automaten lösen», sagt sie höflich.

Es ist klirrend kalt. Minus acht Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Kein Mensch will sich länger als nötig im Freien aufhalten. Auf dem Perron stehen aber weitere Bahnreisende und warten frierend auf den Zug. Endlich fährt er ein.

«Das zieht die falschen Leute an»

SBB-Mediensprecher Roman Marti erklärt, wieso man Schalter und auch gleich den Wartsaal schloss: «Wenn man an einem unbeaufsichtigten Bahnhof einen beheizten Wartesaal führt, zieht das oft die falschen Leute an.» Laut Marti könnten dies Junge sein, die Party feiern würden – und den Raum in einem Zustand hinterlassen, in dem ihn niemand mehr benutzen will.

Den Schalter geschlossen haben die SBB, weil er schlicht nicht mehr rentierte: Immer mehr Kunden hätten heute ein Pauschalabonnement oder kauften ihr Ticket am Billettautomaten, im Internet oder via Handy.

Dazu kommt, dass am Bahnhof Oberentfelden keine Weichen und Signale mehr gestellt werden müssen: Das Personal, das jeweils neben dem Stellen der Weichen auch noch Tickets verkaufte, braucht es nicht mehr. Offiziell ist Oberentfelden jetzt ein Selbstbedienungsbahnhof. So wie auch viele andere Bahnhöfe an der Strecke Zofingen–Lenzburg. Dass der SBB-Schalter schloss, merkt man ein paar Schritte weiter am Engelplatz am Schalter der WSB. «Wir haben deutlich mehr Kunden», heisst es hier. Denn das Ticket für die SBB lässt sich auch hier lösen.

Doch nicht für immer soll der Wartsaal geschlossen bleiben. Die SBB und die Gemeinde planen eine Modernisierung. «Beim Bahnhofgebäude wird ein überdachtes Kundencenter entstehen mit einem Wartsaal», sagt Max Haudenschild, Gemeindeschreiber Oberentfelden. Vielleicht schon im Sommer wird dieser neue, wenn auch ungeheizte Wartsaal wieder aufgehen. Wenn es draussen wieder angenehm warm ist.

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