Holzschlag
In Erlinsbach steht eine Böschung nackt da

Der Holzschlag Richtung Barmelweid erforderte vom Forstbetrieb Jura eine minuziöse Planung. Die Böschung musste geholzt werden,weil die teils morschen Bäume sonst auf die Strasse fallen könnten.

Barbara Vogt
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Revierförster Martin Blattner steht in der gerodeten Böschung. «Die Kantonsstrasse ist jetzt wieder sicher.»

Revierförster Martin Blattner steht in der gerodeten Böschung. «Die Kantonsstrasse ist jetzt wieder sicher.»

Chris Iseli

Der Baum ächzt, knirscht, jammert – dann fällt er kreischend zu Boden. Hunderten von Buchen, Eschen und Bergahornen geht es dieser Tage am Steilbord entlang der Saalhofstrasse an den Kragen. Selbst Förster Martin Blattner vom Forstbetrieb Jura tut der Anblick der geschlagenen Bäume weh: «Das sieht rabiat aus.» Bis jetzt wurden auf einer Fläche von vier Hektaren etwa 1000 Kubikmeter Holz geschlagen.

Wieso dieser unübliche Eingriff? «Aus Sicherheitsgründen», sagt Martin Blattner. Jahrzehntelang habe man in diesem Gebiet nie geholzt und alles der Natur überlassen. «Die Bäume wuchsen eng beieinander auf und verloren dadurch ihre Stabilität. Auch waren viele Stämme schon faul.» Weil die Bäume am Hang standen, war die Gefahr gross, dass einige umfallen und auf die Kantonsstrasse, die zur Barmelweid führt, fallen würde, so der Förster. «Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen. Die Leute müssen sicher an ihr Ziel kommen.»

Die Baumfällaktion war schon 2009 ein Thema. Doch weil sie so aufwendig ist, scheute man sich davor. Im Sommer packte der Forstbetrieb Jura das Projekt dann doch an, wie als Vorahnung: Vor einigen Wochen fiel ein Bergahorn aus dem Bord direkt auf die Strasse. Glücklicherweise war kein Autofahrer oder Fussgänger zugegen, sagt Blattner.

Der Sicherheitsholzschlag wird von einem externen Unternehmen durchgeführt. Involviert ist auch der Kanton: Er regelt den Verkehrsdienst und unterstützt den Forstbetrieb finanziell, weil die Böschung an der Kantonsstrasse liegt und der Kanton deshalb involviert ist. Wohl könne das geschlagene Holz verkauft werden, sagt Förster Blattner. «Der Aufwand des Holzschlags ist jedoch höher als der finanzielle Erlös. Die Qualität des Holzes ist dürftig. Deshalb deckt der Kanton das Defizit.»

Die meisten Bäume werden mit der Motorsäge gefällt und fallen direkt auf die Kantonsstrasse. Baumstämme, Äste und ganze Kronen liegen wirr auf der Strasse herum. Viel Zeit bleibt den Forstleuten nicht, die Bäume maschinell zu entasten, die Stämme zu zersägen, aufzuladen und an die Lagerplätze zu transportieren. Genau gesagt eine Viertelstunde, denn so lange ist die Strasse gesperrt: In dieser Zeit müssen die ganzen Arbeiten fertig sein, damit die Fahrzeuge wieder freie Fahrt haben. Hat ein Autofahrer also Pech, sitzt er ganze 15 Minuten fest und wartet, bis ihn der Verkehrslotse endlich durchwinkt. Die Leute zeigten aber Verständnis, sagt Martin Blattner. «Wir informierten sie im Vorfeld und sie wussten von der Verkehrsbehinderung.» Für den Bus, der die Stelle alle 20 Minuten passiert, sind spezielle Sperrzeiten eingerichtet worden. Auch seien die Wanderwege, die durch dieses Gebiet führten, grossräumig umgeleitet worden. Weil sich das Holzgebiet in einer Grundwasserschutzzone befindet, müssen sich die Lenker der schweren Forstfahrzeuge besonders vorsichtig bewegen. «Wir haben hier keinen Handyempfang», sagt Martin Blattner. «Deshalb ist ein Mitarbeiter mit einem Regafunk ausgerüstet. Passiert etwas, kann er die Rega sofort kontaktieren.»

Dank dem trockenen Wetter in den letzten Tagen ist der Sicherheitsholzschlag beinahe abgeschlossen. Förster Blattner sieht zu, dass das geschlagene Holz, mittlerweile 800 Tonnen, verkauft oder grösstenteils für die Holzschnitzelheizungen der Gemeindeliegenschaften verhäckselt wird. Ist die Aktion abgeschlossen, dürfte dem Revierförster ein Stein vom Herzen fallen: «Das höchste Ziel ist, dass kein Mensch zu Schaden kommt.»

Die gerodete Böschung gibt noch ein hässliches Bild ab. Einige gesunde Bäume liess Martin Blattner bewusst stehen. Jetzt kann sich die Natur das Gebiet wieder zurückerobern.