Wie ist es, nicht zu wissen, wo man ist und wohin man gehen soll? Wie fühlt es sich an, von fremden Soldaten schikaniert und beraubt zu werden? Was geht einem durch den Kopf, wenn man mit vielen andern Leuten auf engem Raum leben muss und nicht weiss, wann es etwas zu essen gibt oder ob man medizinische Hilfe bekommt? Was täglich Tausende von Flüchtlingen erleben, konnten am Samstag 18 Konfirmandinnen und Konfirmanden nachempfinden.

Die Konfirmanden aus Gränichen und Buchs beteiligten sich im Rahmen der Konfirmationsvorbereitung bei Simon Pfeiffer und Yvonne Gütiger an einer Veranstaltung im reformierten Kirchgemeindehaus Gränichen, die von der Schweizer Flüchtlingshilfe durchgeführt wurde. Susanne Hoerni und Sina Theiler leiteten den Projekttag zusammen mit den beiden anerkannten Flüchtlingen Gasim Nasirov und Ibish Neziraj.

Ein realistisches Szenenspiel

Gleich zu Beginn des Simulationsspiels wurden die Konfirmanden in fünf Familien eingeteilt und mussten sich auf eine unbestimmte Reise begeben. Diese begann in Kälte und Schnee bei der Kirche. «Wir feiern ein Dorffest», erklärte Susanne Hoerni. Doch zuerst sollten sich alle Jugendlichen die Augen verbinden. Mitten ins Fest hinein platzten «Soldaten» und erschreckten die Feiernden mit Knallkörpern. Mit verbundenen Augen mussten die Jugendlichen ihr Familienmitglieder zu finden versuchen, wurden danach von den «Soldaten» zu sinnlosen Aufgaben wie Liegestütze und Hüpfen aufgefordert und anschliessend in einen dunklen Bunker im Kirchgemeindehaus geführt. Dort erschienen Schlepper, welche die «Flüchtlinge» retten wollten, jedoch nur gegen Abgabe von Handys und Schmuck. Schliesslich gelangte die Gruppe in ein Flüchtlingslager, wo sie zwar sicher war, jedoch eng zusammengepfercht leben und auf Wasser und Lebensmittel warten musste.

Die Simulation beeindruckte die Jugendlichen sichtlich. «Es war spannend, wir haben noch nie so etwas erlebt», erklärten die Zwillingen Larissa und Michelle Hächler. Sara Trailovic meinte: «Ich habe viel gelernt. Man fühlt sich unsicher, wenn man nicht weiss, was kommt, und Angst um die Familie hat.» Realistisch sah es Manuel Lopez: «Wir wussten ja, dass es nur ein Spiel war. In einer echten Situation wäre es allerdings sehr einschüchternd.

Das Leiterteam war erfreut über das Engagement der Konfirmanden. «Es war eine engagierte Gruppe», lobte Susanne Hoerni. «Man merkt, dass sie gut vorbereitet waren.»

Am Nachmittag wurden in Workshops die Situation von Flüchtlingen sowie das Asylverfahren in der Schweiz thematisiert und Gasim Nasirov erzählte seinen eigenen Erlebnissen. Aufgrund von politischen Veränderungen musste der einstige Manager einer grossen Firma aus Aserbaidschan fliehen und lebt nun seit 9 Jahren in der Schweiz. Gasim Nasirov und Ibish Neziraj, der vor 19 Jahren aus dem Kosovo in die Schweiz kam, sagten: «Wir wollen auch zeigen, dass viele Flüchtlinge eine gute Bildung haben und Deutsch sprechen.»