In eigener Sache
Urs Helbling beendet seine lange journalistische Karriere und geht in Frühpension

Der bald 60-jährige Journalist Urs Helbling prägte die AZ-Geschichte mit, nun übergibt er die Leitung des Ressorts Aargau West an Nadja Rohner und Katja Schlegel.

Rolf Cavalli
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Im Ressort Aargau West kommt es zum Führungswechsel. Der langjährige Ressortleiter Urs Helbling geht mit 60 Jahren in Frühpension. Als Führungsduo rücken Nadja Rohner als neue Ressortleiterin und Katja Schlegel als ihre Stellvertreterin nach.

Nadja Rohner

Nadja Rohner

Die 32-jährige Nadja Rohner ist seit 2015 im Ressort und war bisher Stellvertreterin von Urs Helbling. Sie begann ihre Karriere bei der AZ 2013 als Redaktorin in Baden, zuständig fürs Zurzibiet. Vorher studierte sie Journalismus und Kommunikation an der ZHAW.

Katja Schlegel

Katja Schlegel

Katja Schlegel, 37-jährig, kam 2009 als Stagiaire ins Unternehmen. Seit 2013 ist sie Redaktorin im Ressort Aargau West.

Mit Urs Helbling geht ein AZ-Urgestein in den Früh-Ruhestand. Helbling begann seine journalistische Karriere 1983 als Semesterferien-Praktikant beim damaligen «Aargauer Tagblatt» (AT). In der Telli, dort wo heute das Redaktions-, Verlags- und Druckzentrum steht, war damals notabene noch eine grüne Wiese. Die Druckerei war an der Bahnhofstrasse (dort, wo heute das Restaurant «Einstein» steht).

Drei Comebacks und die Kunst, um drei Ecken zu denken

Im Herbst 1985, nach Abschluss des Geografiestudiums, erhielt Helbling eine Anstellung im Ressort Aargau (bis 1989). Im Sommer 1999 kehrte er als Aargau-Chef zur AZ zurück (bis 2001). 2005 gab er sein zweites Comeback: als Blattmacher und stellvertretender Chefredaktor (bis 2009). Das dritte Comeback folgte dann im Sommer 2016: Helbling wurde Leiter des Ressorts Aargau West.

Urs Helbling startete seine journalistische Laufbahn 1983 beim damaligen Aargauer Tagblatt (AT).

Urs Helbling startete seine journalistische Laufbahn 1983 beim damaligen Aargauer Tagblatt (AT).

Zvg / zvg

Die Comebacks deuten es an: Urs Helbling hatte neben der AZ noch eine zweite journalistische Heimat: den «Blick», wo er zum Nachrichtenchef und Blattmacher aufstieg. Zur damals grössten Zeitung der Schweiz kehrte er später auch nochmals zurück. Ein zwischenzeitlicher Abstecher zur «Berner Zeitung» als Wirtschaftschef unterstreicht die Vielseitigkeit und Kompetenz, mit der Helbling ausgestattet war.

In seinem letzten Berufsabschnitt bis zum heutigen Tag widmete er sich nochmals seinem wohl liebsten journalistischen Sujet: der Stadt Aarau und den Regionen des Westaargaus. Helbling ist ein Meister darin, komplexe Zusammenhänge so herunterzubrechen, dass sie für die Leserinnen und Leser nicht nur verständlich, sondern auch spannend rüberkommen. Sei es die Auseinandersetzung mit einer Bau- und Nutzungsordnung oder den Machtverhältnissen in einer Ortspartei: Auch manch ein betroffener Politiker begreift nach einem Artikel mit Kürzel «uhg» besser, worum es wirklich geht und was aus Sicht der Bevölkerung wichtig ist.

Für Helbling ist die Leserschaft Königin, nicht die Behörde. Was eine gute Journalistin, einen guten Zeitungsmacher ausmacht, beschrieb Helbling einmal so: «Er muss versuchen, um zwei, besser noch drei Ecken herum zu denken. Welche Geschichte ist wirklich wichtig, welche lässt sich wie weiterentwickeln?» Die Leserschaft, so Helblings Credo, erwartetet einen Mehrwert über die Nachricht hinaus. Sie erwartet, dass die Schreibenden vorausdenken – und vor allem: «Leserinnen und Leser wollen nicht gelangweilt werden.»

Wer Tag für Tag das Beste aus einer Geschichte herausholen will, muss früh aufstehen. Entsprechend war Urs Helbling stets der Erste im Büro. Die wichtigsten Zeitungen hatte er da schon alle gelesen.

Helbling war ein Berufspessimist. Wer sich nie mit dem Erstbesten zufriedengibt, für den ist die tägliche Ausgangslage des Zeitungsmachens zuerst einmal eine schwer überwindbare Herausforderung. Gleichzeitig war es oft er selber, der als Erster eine Lösung aus dem Hut zauberte. Helbling konnte unbequem sein, war aber immer fair und im Dienste der Sache.

Zum Schluss packte Urs Helbling nochmals all sein Wissen und Können aus, das er sich über die Jahrzehnte angeeignet hatte: Er schrieb dichte Analysen zu den Kommunalwahlen und süffige Porträts über Kandidatinnen und Kandidaten – die Geschichten immer um zwei Ecken weitergedacht. Oder auch drei.

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