Biberstein

«In dieser Backstube gibt es nebst knusprigem Brot auch Zuwendung»

Bäckermeister Laurent Seiffert holt die Brote aus dem Holzofen, Noémi Lucas (links) und Monika Wernli helfen ihm dabei.

Bäckermeister Laurent Seiffert holt die Brote aus dem Holzofen, Noémi Lucas (links) und Monika Wernli helfen ihm dabei.

Die Stiftung Schloss Biberstein hat 500000 Franken in eine neue Backstube investiert. Anfang Woche hat sie Bäckermeister Laurent Seiffert in betrieb genommen.

Anfang September wurden die alten Backöfen rausgerissen – und Bäckermeister Laurent Seiffert war arbeitslos. Allerdings nur auf Zeit. «Ich habe verlängerte Ferien gemacht», sagt er und erklärt nun in der neuen Backstube stolz die neuen Öfen und Einrichtungen, die er Anfang Woche in Betrieb nehmen konnte.

Eine halbe Million Franken hat die Stiftung Schloss Biberstein in die Rundumerneuerung der Backstube investiert. «Der Lebensmittelinspektor war mit uns nicht mehr zufrieden», sagt Geschäftsleiter André Hug. Drei der vier Elektroöfen funktionierten nicht mehr einwandfrei, die Tiefkühlzelle konnte die Temperatur nicht mehr tief genug halten, und eng war es in dem frei stehenden kleinen Gebäude neben dem Schloss sowieso.

Laurent Seiffert schiebt die Holzkelle in den Ofen und holt fein duftende Brote heraus. 45 Laibe sind es heute Morgen insgesamt. Er liefert sie an den Schlossladen vorne an der Strasse. Brote, die bis zum Mittag nicht verkauft sind, serviert der Küchenchef der Schlossküche zum Mittagessen oder verteilt sie in die Wohngruppen.

Mandel- und Nussgipfel, Buttergipfeli, Weggli und Semmeli stehen noch nicht auf dem Programm. Die Kühlanlage, die in einem Anbau untergebracht ist, ist noch nicht in Betrieb. Darin werden nämlich die vorproduzierten Teige gelagert.

Geschütztes Umfeld

Die Stiftung Schloss Biberstein bietet rund 70 Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung in einem geschützten Umfeld Arbeit. Noémi Lucas, die Cremeschnitten bestrichen hat und nun ihrem Chef hilft, die Brote aus dem Ofen zu angeln, hat bei Laurent Seiffert eine IV-Anlehre gemacht und arbeitet nun seit zwei Jahren bei ihm.

Bäckermeister Seiffert selber stand kurz davor, seinen stressigen Beruf an den Nagel zu hängen. Er fürchtete um seine Gesundheit. Im Schloss Biberstein fand er vor acht Jahren eine Anstellung, in der seine Arbeit einen zusätzlichen bereichernden Inhalt bekam. Hier kann er Menschen wie Noémi anleiten, sie betreuen. «In dieser Backstube gibt es mehr menschliche Zuwendung als anderswo», sagt er, «meine Arbeit hat einen tieferen Sinn bekommen.» Seiffert führt auch junge Leute durch die berufliche Grundbildung mit Attest. Fünf Stifte hat er in den letzten Jahren ausgebildet.

Während sich Monika Wernli, gelernte Bäckerin und Stellvertreterin von Laurent, zusammen mit Noémi Lucas wieder den Cremeschnitten zuwendet, melden sich Handwerker an der Tür. Noch sind die Umbauarbeiten nicht ganz fertig. Eigentlich ist alles neu an dieser Backstube, sogar die drei Kamine der Holzöfen. Und deshalb freut sich der Bäckermeister darauf, dass ab Neujahr der Laden auch Abends geöffnet sein wird und er mit seinem kleinen Team noch mehr knusprige Brote backen kann.

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