Im Aeschbachquartier im Torfeld Süd zieht das Leben ein. Und zwar nicht wie einst werktags in aller Herrgottsfrühe mit dem Hornen der Fabriksirenen und dem Einzug der Männer in ihren Arbeitskitteln. Sondern mit Familien, mit Ladenbesitzern, mit WG-Bewohnern, mit Quartierentdeckern und Flaneuren. Das einstige Industriequartier wird Stück für Stück zum Wohnquartier.

Nach der ersten Etappe, dem Bezug der 92 Eigentumswohnungen, steht nun die zweite Etappe an: Rund um die historische Aeschbachhalle sind in den letzten Monaten fünf Gebäude mit verschiedenen Gewerberäumen sowie insgesamt 167 Mietwohnungen mit 1,5 bis 8,5 Zimmern entstanden.

Jetzt hat die Bauherrin Mobimo die Vermarktung der Mietwohnungen gestartet, bald können auch erste Musterwohnungen besichtigt werden. Die Bezugstermine sind, je nach Gebäude, auf den 1. August und den 1. September 2018 geplant.

«Nicht einfach eine Wohnung»

Die Mietwohnungen sind für Aarauer Verhältnisse nicht gerade günstig. So kostet eine 2,5-Zimmer-Wohnung mit 69 Quadratmetern und Balkon inklusive Nebenkosten 1840 Franken oder eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit 113 Quadratmetern und 22 Quadratmeter grossem Balkon 2890 Franken (inkl. Nebenkosten).

Die fünf Wohngebäude entstehen neben dem GastroSocial-Hochhaus (l.) in Aarau.

Die fünf Wohngebäude entstehen neben dem GastroSocial-Hochhaus (l.) in Aarau.

Feyza Ciritoglu, bei Mobimo zuständig für die Vermarktung, erklärt: «Im Aeschbachquartier bekommt man nicht einfach eine Neubauwohnung in einer anonymen Siedlung, sondern ein ganzes autofreies Quartier mit kleinen Geschäften, Restaurants, einen grossen Park, eine Kita – und das alles nur ein paar Schritte vom Bahnhof entfernt.» Ausserdem profitieren die Mieter laut Ciritoglu nebst dem Arealmanager von verschiedenen Angeboten, zum Beispiel von einem Ansprechpartner vor Ort. Ausserdem ist im Mietvertrag ein Mobility-Abo für die quartiereigene Mobility-Station inbegriffen.

Ein Pionierquartier

Mobimo überlässt im Aeschbachquartier nichts dem Zufall. Die Vision der Stadtteilplaner: Es soll ein Quartier mit Gemeinschaftscharakter entstehen. Ein Pionierquartier, in dem darauf geschaut wird, dass die Mieter der Geschäftsliegenschaften zum Ort passen und dass sich die Bewohner und Besucher wohlfühlen, sei es dank Events, Treffpunkten oder digitalen Kommunikationskanälen.

Wer hier wohnt oder arbeitet, soll sich als Teil eines grossen Ganzen verstehen. «Wenn wir das Aeschbachquartier als neuen Stadtteil positionieren wollen, müssen wir alle am gleichen Stick ziehen», sagt William White, Arealmanager bei Mobimo. Der Grundgedanke hinter diesem Engagement: «Wenn sich Mieter wohlfühlen, bleiben sie längerfristig im Quartier», so White. «Diese Stabilität fördert das Gemeinschaftsgefühl und reduziert die kostspielige Fluktuation.»

Platz auch für Alters-WG

Um eine architektonische Vielfalt zu erhalten, wurden die Gebäude mit den Mietwohnungen von zwei verschiedenen Architekturbüros gebaut: vom holländischen Büro KCAP Architects&Planners sowie Gmür & Geschwentner Architekten aus Zürich. «Für jedes Haus wurde ein eigenes Konzept entwickelt», sagt Feyza Ciritoglu. Und auch hier überlässt Mobimo nichts dem Zufall.

Am Entwicklungsprozess beteiligt waren nicht nur Planer, Architekten und die Bauherrschaft, sondern auch verschiedene Experten: «Von der Soziologin über den Berater zur Raumentwicklung und den Künstlern für die Farbgestaltung bis hin zum Elektrobiologen, der die Wohnungen hinsichtlich Elektrosmog optimiert», so Ciritoglu.

Die Gebäude unterscheiden sich nicht nur in der Architektur, sondern auch im Charakter. Während in einem Haus nur 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen mit elegantem Ambiente entstanden sind, gibt es auch ein Haus für eine besonders aufgeschlossene, bunte Mieterschaft: ein Haus mit gemeinsamem Terrassenraum, erhöhtem Innenhof auf dem Dach des ersten Stockes sowie drei 8,5-Zimmer-Wohnungen (Kostenpunkt für rund 136 Quadratmeter Wohnfläche und 50 bzw. 70 Quadratmetern Aussenfläche, inklusive Nebenkosten: rund 5000 Franken).

Wohnungen mit 8,5 Zimmern

«Für eine lebendige Atmosphäre ist die Durchmischung der verschiedenen Nutzer und Bewohner sehr wichtig», sagt Architekt Michael Geschwentner, dessen Büro das Haus entworfen hat. Das bedinge auch ein ganz unterschiedliches Angebot an Wohnraum, wie auch die 8,5-Zimmer-Wohnungen für Wohngemeinschaften.

Eine Wohnform mit Zukunft, so Geschwentner, und zwar längst nicht mehr nur als Studenten-WG. «Die Wohnungen können ganz unterschiedliche Gruppen ansprechen, von der generationenübergreifenden Gemeinschaft über Patchworkfamilien und Alleinerziehende, die sich zusammentun, bis zu Single-Gemeinschaften oder zum Wohnen im Alter.»