Die Pfarrei Peter und Paul meldete es im Pfarrblatt: «Leider stellen wir fest, dass in den Toiletten des Pfarrhauses Drogen konsumiert werden und gedealt wird», und rief auf, Unregelmässigkeiten zu melden. Das katholische Pfarrhaus in der Laurenzenvorstadt ist ein «offenes Pfarrhaus», unterschiedlichste Leute begegnen sich im Haus und im Hof. Offen heisst aber nicht, dass darin der Konsum von Drogen geduldet wird.

Einer Mutter vom Eltern-Kind-Treff war aufgefallen, dass die Behinderten-Toilette, in der den Müttern ein Wickeltisch zur Verfügung steht, auffallend lang verschlossen blieb, und machte das Sekretariat darauf aufmerksam. Kaputte Spritze, Wattebausch und Blutspritzer – die Spuren liessen keinen Zweifel offen: Eine, vielleicht auch mehrere Personen, hatten sich in der Toilette Heroin gespritzt. Es war nicht das erste Mal.

Respektvoller Umgang erwartet

Eine Tafel im Eingangsbereich erinnert an die Spielregeln: «Respektvoller Umgang mit Menschen, sorgfältiger Umgang mit Mobiliar und Sachen, für Ordnung und Sauberkeit sorgen alle», und eben auch: «Einhalten der Gesetze in Bezug auf den Konsum von illegalen Drogen.»

Dass nicht immer alle Regeln gleichermassen eingehalten würden, verstehe sich von selbst, räumt Frank Krause ein. Er ist in der Pfarrei Peter und Paul für den Bereich Diakonie und Begegnung zuständig. Dass die Offenheit des Hauses von Drogenkonsumenten missbraucht werde, komme nicht häufig vor. Der aktuelle Fall liegt bereits ein paar Tage zurück. Weshalb, weiss Frank Krause allerdings auch nicht, vielleicht ist es Zufall, vielleicht liegt es an den frühlingshaft warmen Temperaturen der letzten Tage.

Bis 22 Uhr offen

Das Pfarrhaus steht am Montag von 17 bis 22 Uhr und von Dienstag bis Freitag von 8 Uhr bis ebenfalls 22 Uhr offen. Ein beliebter Treffpunkt im Sommer ist der Hof zwischen Kirche und Pfarrhaus. Sitzbänke, Brunnen, Spielturm, Schatten spendender Mammutbaum, Liegewiese, Spielplatz – hier fühlen sich auch Familien mit kleinen Kindern wohl.

Über eine kleine Brücke gelangt man in das helle Foyer. Die erste Tür führt in den Raum «PEP». Senioren machen hier auf ihrem Spaziergang einen Halt und lesen die Zeitung, Jugendliche essen ein Sandwich und spielen über den Mittag Carambole, Mitarbeitende des Seelsorgeteams kommen mit Besuchenden ins Gespräch, Asylsuchende treffen sich vor den Deutschkursen zum Gespräch und können ins Internet. Ab und zu finden auch Ausstellungen statt.

Andere Räume werden von verschiedensten Gruppierungen genutzt, Projektchor, Netzwerk Asyl, Frauenbund, Blauring, Pfadi, Caritas, Kolping, Eltern-Kind-Treff, Flötenchor, Erwachsenenbildung und andere mehr. Fixe Aktivitäten sind das wöchentliche Eltern-Kind-Treffen und monatlich ein Altersnachmittag, ein Kirchenkaffee und ein offener Mittagstisch. Dazu kommen diverse Religionsunterrichtprojekte.

Littering im Hof

Hin und wieder räumen die Kinder die Spielsachen nicht weg, ein kleines Problem; da stört sich Frank Krause schon eher an Gästen, die ihre Fastfood-Verpackungen auf dem Rasen im Hof liegen lassen oder das Rauchverbot in der Spielecke draussen missachten. Doch die positiven Erfahrungen überwiegen bei weitem. «Ich würde gerne auch andere Pfarreien animieren, sich mehr zu öffnen», sagt Krause.

Im Fall des Drogenkonsums hat Pfarreileiter und Polizeiseelsorger Thomas Jenelten die Stadtpolizei eingeschaltet. Weitergehende Massnahmen – blaues Licht in der Toilette, das den Drogensüchtigen das Finden der Venen erschwert, oder gar Überwachungskameras – möchte man nach Möglichkeit vermeiden. Das «offene Pfarrhaus» soll auch weiterhin ein in jeder Hinsicht gastfreundliches bleiben.