In die Tiefe stürzende Babyenten halten die Feuerwehr Aarau auf Trab. Innerhalb einer Woche musste sie zweimal ausrücken, um Küken einzufangen. Aber wieso treiben sich die Tiere in der Stadt herum? Den Grund kennt der Aarauer Wildhüter Hans-Rudolf Müller. "Die Brutzeit der Enten hat angefangen. Aber Entenmütter finden in ihrer natürlichen Umgebung nicht genügend Ruhe", erklärt er. "Man bedenke, wie viele Leute bei schönem Wetter an Seen, Flüssen oder in Wäldern spazieren, joggen oder Velofahren gehen."

Für die Tiere bedeutet das Stress pur. Sie suchen sich einen ruhigeren Ort – und den finden sie in der Stadt: "Sie fliegen auf Dächer oder hohe Balkone, um ihr Nest zu bauen", erläutert der Wildhüter. Und dies kann für die Babyenten gefährlich enden.

"Enten ziehen ihre Jungen nicht auf wie Vögel oder Gänse", erzählt Müller. "Entenjunge können schon nach kurzer Zeit laufen und machen sich auf Essenssuche. "Wenn die Dächer und Balkone nicht gesichert sind, stürzen sie und verletzen sich schwer."

Auch beim letzten Einsatz musste der Wildhüter acht Entenküken Zuhause wieder aufpäppeln: "Ich legte sie unter eine Wärmelampe, bis sie sich erholt hatten." Anschliessend hat er sie in einem schönen Biotop ausgesetzt.

Als Privatperson kann man solchen Vorfällen vorbeugen. "Man sollte Blumentöpfe oder andere Gefässe abdecken, damit Entenmütter ihr Nest nicht dort bauen", erklärt Hans-Rudolf Müller. "Und auch wenn man sieht, dass eine Ente oft an einen bestimmten Ort kommt, sollte man den abdecken." Denn wenn die Entenmutter mit dem Brüten beginnt, ist es zu spät. Brütende Enten verlassen ihr Nest nicht, bis ihre Jungen geschlüpft sind. Die Babyenten sind dann auf sich allein gestellt. Sie watscheln los und bringen sich in Gefahr, bis sie von der Feuerwehr oder Wildhütern gerettet werden müssen. Immerhin: Die Gefahr ist bald vorbei, denn die Brutzeit von Enten endet meist Mitte Mai.