Es war im Winter 2010, als die Mongolin Sodgerel Yadamstoo in einem Schaufenster in Genf ein paar schöne Schuhe mit Lammfellfütterung entdeckte, die ihr warm genug für den mongolischen Winter erschienen. Sie kaufte ein Paar um es Probe zu tragen, kehrte in das Geschäft zurück und nahm gleich 20 weitere Paar mit, welche sie an Freunde und Bekannte in Ulaanbataar, der Hauptstadt der Mongolei, verschickte.

Das war der Startschuss zur Expansion des kleinen Oberentfelder Schuhfabrikanten Ammann nach Asien. Im Februar 2011 tauchte Frau Yadamstoo nämlich bei Geschäftsinhaber Marc Ammann im Firmensitz in Oberentfelden auf und kaufte 40 Paar Schuhe – den gesamten dortigen Lagerbestand. Die Geschäftsfrau, führt seit vier Jahren bereits einen Bally-Shop in Ulaanbataar führt. Nun wollte sie geeignete Winterschuhe verkaufen und eröffnete in diesem Julie einen Ammann-Shop. Es ist der erste überhaupt, da das Unternehmen sonst nur über Zwischenhändler Schuhe verkauft.

Firma aus 10 Personen

Dieses Jahr wird Amman Shoes Switzerland deshalb wahrscheinlich zum ersten Mal mehr als 14000 Schuhe verkaufen. 9000 ist die Zahl, welche das Unternehmen laut Marc Ammann zum Überleben braucht. Wegen dem Wachstum wird das kleine Team erweitert werden müssen: Bis jetzt arbeiteten für die Ammann Shoes eine Lageristin, eine Buchhalterin, drei Vertreter, zwei Designer und ein Modell-Schumacher. Mit dieser schmalen Unterstützung entwirft und vertreibt der 39-jährige Geschäftsführer seine eigene, unabhängige Kollektion. «Es ist spannend, in einem kleinen Unternehmen so vieles selbst machen zu können», sagt Ammann, der zuvor für grosse Firmen in China und in der Schweiz im Verkauf tätig war.

Als er das Geschäft 2006 übernahm, beendete Ammann die Zusammenarbeit mit Michael Jordi. Unter dessen Lizenz hatte sein Vater seit 1992 die bekannt gewordenen «Michael Jordi Ethno Shoes» produziert. Jordi habe sein Sortiment auch auf Ägyptisches Ethno und Western Ethno ausdehnen wollen, doch bei Amman wollte man keine Sandalen oder Westernstiefel herstellen.

«Eigentlich war das schade», sagt Sohn Marc Ammann heute, «aber so konnte ich das Unternehmen nach meinen Vorstellungen weiterentwickeln.» Gespür für die Zukunft hatte schon sein Vater Rolf bewiesen, als er Inventar und Arbeiter des ursprünglichen Produktionsortes Oberentfelden 1991 an Bally nach Schönenwerd verkaufte und sich fortan auf modische, farbige Strassenschuhe konzentrierte. Die Produktion wurde in eine Fabrik im kleinen italienischen Dorf Gargallo an der Grenze zur Schweiz ausgelagert, wo unter anderm auch Versace-Schuhe hergestellt werden.

Von Heimwerkstatt nach Gstaad

Bis dahin hatte Ammann in Oberentfelden vor allem Arbeitsschuhe für Uniformierte hergestellt. Marc Ammanns Ur-Grossvater Alfred startete das Unternehmen 1917 in seiner Werkstatt mit handgearbeiteten Hausschuhen, ein Jahr später konnte er an der Muhenstrasse eine kleine Fabrik eröffnen.

Von der Zusammenarbeit mit Michael Jordi hat Marc Ammann das Kuhfell als Markenzeichen beibehalten und weiterentwickelt. Ins Fell der edleren Schuhe werden heute mit Lasertechnik Muster eingearbeitet, auch Schuhe mit einer Hülle aus Militärwolldecken sind erhältlich.