Aarau
In der Chefetage des Kantonsspitals haben jetzt auch Ärzte Platz

Das Kantonsspital Aarau hat seine Geschäftsleitung auf zwölf Personen aufgestockt und um medizinisches Wissen ergänzt.

Thomas Röthlin
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In Haus 22 des Kantonsspitals Aarau sitzt die Geschäftsleitung.

In Haus 22 des Kantonsspitals Aarau sitzt die Geschäftsleitung.

Chris Iseli

Das Kantonsspital Aarau (KSA) hat seit August zwölf statt wie bisher acht Geschäftsleitungsmitglieder. Der Verwaltungsrat (VR) wurde auf sieben Personen aufgestockt. In beide Gremien hält damit mehr medizinische Kompetenz Einzug, wie dem KSA-Mitarbeitermagazin «Inform» zu entnehmen ist.
In der vergrösserten Geschäftsleitung (GL) sitzen neu die Bereichsleiter Beat Müller (Medizin), Gabriel Schär (Frauenklinik), Christoph Kindler (perioperative Medizin) und Thomas Roeren (zentrale medizinische Dienste). Die neuen Verwaltungsräte heissen Benno Fuchs (CEO Luzerner Kantonsspital), Christa Meyenberger (Chefärztin am Kantonsspital St. Gallen), Regula Jenzer Bürcher (Direktorin Pflege am Unispital Zürich) und Claudia Zuber (Hausärztin und Präsidentin der Ärzte des Bezirks Lenzburg).
Kaderärzte machten Druck
Mit der Berufung der medizinischen Fachpersonen in die obersten Führungsorgane des KSA wird eine Übereinkunft von Ende Mai 2011 umgesetzt. VR und GL von damals vereinbarten mit der Vereinigung der Chef- und Leitenden Ärzte eine «Stärkung des spitalrelevanten medizinischen Know-hows» in der Chefetage. Dies unter Zuhilfenahme des Instituts für Systemisches Management und Public Governance der Hochschule St. Gallen und «unter sehr hohem, auch regierungsrätlichem Druck», wie die Aargauer Zeitung aus Ärztekreisen weiss.
Zwischen den Kaderärzten und den Spitalchefs war es letztes Jahr zum offenen Konflikt gekommen, der im Weggang von KSA-CEO Urs Karli gipfelte. Die Ärzte fühlten sich in mehreren wichtigen Projekten übergangen: der Fusion mit dem Spital Zofingen, der sogenannten Masterplanung für eine milliardenschwere Megaklinik anstelle des heute weitläufigen Areals - und der geplanten Auslagerung des Augenzentrums an die Pallas AG. Der Deal mit der Privatklinikgruppe platzte; zu gross war der Widerstand der Ärzte geworden.
Der heutige Chef des KSA Hans Leuenberger leitete 30 Jahre lang das Kantonsspital St. Gallen. Für ihn ist es normal, «dass dezentrales Expertenwissen in einer Geschäftsleitung abgebildet sein muss». Nur so kämen qualitativ hochstehende und breit akzeptierte Beschlüsse zustande. Im Sinn einer vertrauensbildenden Massnahme werden die umfassenden Sitzungsprotokolle an sämtliche Kadermitarbeitenden verteilt.
In der Vereinbarung mit dem Ärztekader ist auch von einer «Verbesserung der Effizienz der Entscheidungswege» die Rede. Aber kann eine zwölfköpfige Geschäftsleitung noch schlagkräftig agieren? «Mit halb so vielen Leuten wären wir vielleicht effizienter, aber wohl nicht schneller am Ziel», antwortet Leuenberger. Sprich: Bei kompromisslosen Schnellschüssen ist das Risiko gross, dass die Umsetzung scheitert und unter schlechten Vorzeichen von vorn begonnen werden muss.
Neue Führungskultur
Leuenberger sieht die Rolle der Ärzte in der neuen Geschäftsleitung in einem Sounding Board, einer Prüfinstanz von Vorschlägen aus der ursprünglichen Geschäftsleitung. «Mein Ziel sind möglichst einstimmige Beschlüsse», sagt er. Ist man sich nicht einig, wird das Geschäft auf eine zweite Lesung verschoben.
Jedes Geschäftsleitungsmitglied hat zudem die Aufgabe, an Abteilungssitzungen - insgesamt über hundert an der Zahl - teilzunehmen und die neue Führungskultur in die Basis zu tragen. Vertrauen sei das A und O, sagt Leuenberger und zeigt, mit welchem Hilfsmittel dieses geschaffen werden soll: dem «kleinen ABC der Wertschätzung» mit Schlagwörtern von «Anerkennung» bis «Zielvereinbarungen einhalten».