Gelbbauchunke
In der Breitenmatt in Küttigen wird wieder Ton abgetragen

In der «Breitenmatt» an der Strasse zum Benken, unterhalb der Wasserfluh, baut die Ziegelei Hochdorf AG Ton ab. In Etappen werden hier rund 46000 Kubikmeter Ton abgetragen. Das Unternehmen hat sich zu massiven Massnahmen verpflichtet.

Hubert Keller
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Am Fuss der Wasserfluh wird wieder Ton abgebaut. Wie stark die Natur darunter leidet, wird sich zeigen. Sandra Ardizzone

Am Fuss der Wasserfluh wird wieder Ton abgebaut. Wie stark die Natur darunter leidet, wird sich zeigen. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Eine breite Baggerschaufel gräbt sich in die Erde. Nach kurzem Ruckeln schwenkt der Baggerarm, um die volle Schaufel am hoch aufgeschütteten Hügel zu leeren. In der Breitenmatt an der Strasse zum Benken, unterhalb der Wasserfluh legt der Baggerführer Opalinuston frei.

Die Ziegelei Hochdorf AG baut hier in Etappen rund 46 000 Kubikmeter Ton ab. Um die wertvollen Lebensräume der zum Teil gefährdeten Amphibien und Pflanzen zu schützen, hat sie sich zu massiven Massnahmen verpflichtet, die im Rahmen der Abbaubewilligung in einem landschaftspflegerischen und biologischen Begleitplan festgelegt worden sind.

Soweit so gut. Als die Abbaufirma mit den grossen Baumaschinen im August letzten Jahres mit dem Abbau begonnen hatte, befürchtete die Natur- und Landschaftskommission Totalschaden, wie deren Präsident, Peter Steffen, sagt. «Das Gelände war derart umgegraben und umgeschichtet worden, wie man es eigentlich nicht machen darf. Wir überlegten uns sogar, gegen die Ziegelei zu klagen.»

In der Zwischenzeit räumt Steffen ein, dass «die Ziegelei dazugelernt hat und bemüht ist, auf die Natur Rücksicht zu nehmen». Den entstandenen Schaden habe man zu reparieren versucht. Ob dies gelungen ist, werde sich im Verlauf des Jahres erst zeigen.

Die Ziegelei Hochdorf AG besitzt die Tongrube «Breitenmatt» seit Jahrzehnten. 1988 bekam sie eine bis 1999 befristete Abbaubewilligung. Im Februar 1999 war die Zufahrt zur Grube durch einen Bergrutsch zugeschüttet worden.

Seither war der Tonabbau eingestellt. Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte und andere Amphibien und Reptilien sowie zahlreiche seltene Pflanzenarten eroberten das Gelände zurück. Sogar der Grosse und der Dunkle Moorbläuling wurden in der Breitenmatt heimisch. Die seltenen Schmetterlingsarten galten im Aargau als ausgestorben.

Bevor der Gemeinderat im Frühjahr 2012 die Abbaubewilligung erneuerte, nahm das Umweltbüro AquaTerra Dübendorf die Bestände der Pflanzen und Tiere auf und definierte rigorose Massnahmen. Insbesondere sollten die wertvollen Lebensräume und Bestände im Nordteil der Grube durch die Abbau- und Auffüllarbeiten nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

«Abbau lohnt sich fast nicht mehr»

Hans Gyr, Technischer Direktor und Verwaltungsrat der Ziegelei Hochdorf AG, ist sich der Einschränkungen bewusst: «Die Verhältnisse in der Breitenmatt sind derart eng, dass sich ein Abbau schon fast nicht mehr lohnt.»

Gegenüber dem 2004 eingereichten Projekt wurde das Abbaugebiet stark reduziert. Das auf dem Opalinuston liegende Deckmaterial wird nun an den Grubenrändern für den späteren Wiedereinbau deponiert.

Die Rückfüllung mit Aushubmaterial, rund 216 000 Kubikmeter, wird als ansteigender Hang in die Umgebung eingepasst. In der wieder aufgefüllten Grube werden später Feuchtstellen, verschiedene Arten von Wiesen, Waldränder, Gehölze und andere naturnahe Lebensräume angelegt.

Dass der Natur zu ihrem Recht verholfen wird, davon ist mittlerweile auch Peter Steffen wieder überzeugt. Regelmässig finden Begehungen statt, an denen nebst der Ziegelei Hochdorf, der Natur- und Landschaftskommission und dem Natur- und Vogelschutzverein auch die ANL AG Natur und Landschaft, der von der Ziegelei beauftragte Abbauunternehmer sowie die Bauverwaltung der Gemeinde, das Ingenieurbüro Geotest und bei Bedarf der Kreisförster vertreten sind.

An der Begehung kürzlich wurde festgestellt, dass die angelegten Wasserstellen in verschiedenen Grössen und Tiefen naturnah gestaltet sind und die Ansprüche an die in der Grube vorhandenen Amphibien erfüllen.

Das Protokoll hält fest: «An vielen Wasserstellen finden sich bereits Ansammlungen von Grasfrosch-Laichballen. Die im oberen Absatz der Böschung (Berme) neu angelegten Austiefungen für kleinere Tümpel warten noch auf erste Niederschläge.»

Die Abbauarbeiten der laufenden Etappe (rund 5000 bis 6000 Kubik) werden in diesen Tagen abgeschlossen. Danach wird der Abbaubetrieb gemäss Geotest voraussichtlich bis zum nächsten Winter eingestellt. Während dieser Zeit wird der Opalinuston verladen und abtransportiert.