Kolumne
In der Altstadt mit Dara Masi: «Das schwarze Loch von Aarau»

Die 25-jährige Dara Masi ist die neue Moderatorin von Virgin Radio Switzerland und wohnt in Aarau. In ihrer Kolumne «Das schwarze Loch von Aarau» erzählt sie von einem Ort, wo Altes ein neues Zuhause findet.

Dara Masi
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Ist das Haldentor das schwarze Loch von Aarau? Dara Masi weiss Bescheid.

Ist das Haldentor das schwarze Loch von Aarau? Dara Masi weiss Bescheid.

Keystone/Collage

Im schwarzen Loch von Aarau verschwindet alles. Die Büchersammlung aus dem 60i, die kaputte Teekanne von dem Typen aus Nummer 24 und sogar die alten Klamotten von wer weiss wem. Ich wohne gleich vis-à-vis von diesem schwarzen Loch.

Es ist ein Tordurchgang, welcher in die Altstadt führt. Anstatt mühsam loszuziehen, um sich Sperrmüllmarken zu kaufen, ein Auto zu besorgen, damit man das Zeug zur nächsten Entsorgungsstelle bringen kann, oder die Sachen einfach auf Tutti zu verkaufen, haben sich die Bewohner der Aarauer Altstadt wohl gedacht: «Das muss einfacher gehen». Und ja, das tut es. Unter diesem Tor verschwindet alles.

Es ist egal, ob es nicht mehr toll aussieht, ob es schon ein wenig abgenutzt ist, an diesem Ort findet alles einen Abnehmer.
Wenn wir ausmisten, stellen wir unser Zeug dorthin. Einen halben Tag später ist es weg, garantiert.

Ich bin vor einem Jahr mit meinem Freund zusammengezogen. Nur etwa zwanzig Meter weiter, in der gleichen Strasse. Da habe ich zwei Taschen, unter anderem mit meinem Laptop drin, unter das Tor gestellt, wollte mein Auto holen und alles einladen. Als ich dort ankam, waren beide Taschen verschwunden. Der Abnehmer hat meine Nummer dann zum Glück auf dem Laptop gefunden und mir alles wieder zurückgegeben. Er dachte eben, das wäre «gratis, zum Mitnehmen» wie alles dort, im schwarzen Loch von Aarau.

Dann ein paar Wochen später wollte ich die (sorry) hässlichen Bilder von meinem Freund entsorgen, stellte sie unter das Tor. Und weg waren sie. Und ja, sie waren wirklich hässlich.
Einmal fand ich im schwarzen Loch ein kleines, weisses Regal. So klein, dass es perfekt in meinem Miniature-Badezimmer Platz hatte. Ein Regal in dieser Grösse findet man in keinem Möbelhaus. Und es war «gratis, zum Mitnehmen».

Ich finde es manchmal wirklich erschreckend, was für «Grümpel» die Leute an diesen Ort stellen. Sie könnten ihn doch einfach ganz normal entsorgen. Aber es ist auch schön, zu sehen, dass Dinge, die für die eine Person nur noch Abfall sind, für eine andere Person genau das sein können, was ihr noch fehlt.

In Zeiten, wo wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone kaufen und der Konsum crazy durch die Decke geht, da freue ich mich immer wieder, dass es in Aarau diesen Tordurchgang gibt. Dieses kleine schwarze Loch, in dem alles verschwindet.

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