Aarau

In der Aarauer Altstadt kocht der Boiler seit zehn Jahren

Besitzer Michael Ganz in seinem Aarauer Party-Club «Boiler»

Besitzer Michael Ganz in seinem Aarauer Party-Club «Boiler»

Der Boiler, der kleine Club in der Aarauer Altstadt, feiert das 10-jährige Jubiläum. Der Besitzer Michael Ganz ist heute ein Profi in der Party-Szene und ist vom Erfolg gekrönt: «Der Boiler ist jedes Wochenende voll», sagt er stolz.

Als im Kellergewölbe an der Rathausgasse 18 in Aarau zum ersten Mal getanzt wurde, war die Altstadt noch alles andere als ein Partyviertel. Ausser dem Autoverkehr vor der Caramba-Bar lief hier am Wochenende nichts, was die Jungen begeistert hätte. Nur an der Aare unten gabs das Jugendhaus Flösserplatz und der Klub in der Kettenbrücke (KBA) wurde soeben eröffnet. Das ist erst 10 Jahre her.

Am 14. Dezember 2001 eröffneten die Geschwister Martina und Michael Ganz den Boiler-Club. Damals hiess er noch «Innerstadt» - in Anlehnung an die Innerstadtbühne, welche sich ab 1965 einige Jahre hier eingerichtet hatte. Die alte Bestuhlung war noch da, als die Geschwister Haus und Keller kauften. Während fünf Monaten bauten sie den Keller um.

«Der Club war etwas, das fehlte in Aarau», begründet Michael Ganz, der im selben Jahr in den Stadtrat gewählt wurde, seine Motivation, den Boiler zu eröffnen. Die Eröffnung war auch eine Folge von 1998, als das Gastgewerbegesetz gelockert wurde: Fürs Feiern nach Mitternacht bestand nun keine Kontingentierung mehr.

Keller-Klubs waren damals Mode

Doch warum hatte es ihnen gerade das Kellergewölbe an der Rathausgasse angetan? «Der Keller hat Ausstrahlung und ausserdem waren Clubs im Untergrund damals Mode», sagt Ganz. Der Name «Boiler» war die Idee der Grafikerin.

Anfangs betrieb man den Club mit nur einer Person an der Kasse, zwei an der Bar, einem Springer und einem Chef. Die Leute rannten den Geschwistern Ganz die Bude ein, ohne dass sie je Werbung gemacht hätten. Die Gäste waren plus/minus im selben Alter wie die Geschwister: zwischen 25 und 35 Jahren.

Doch nach einem Jahr gingen die Besucherzahlen plötzlich zurück, das Stammpublikum wurde älter und blieb auch mal zu Hause. Minimal und Techhouse waren nicht mehr die gefragten Musikstile und die Altstadt noch ein hartes Party-Pflaster.

Weg von Elektro hin zu Partymusik

Ein neues Konzept mit neuer Musik wurde nötig - und Werbung. Das Konzept funktioniert bis heute. Es lässt sich mit «Partysound» zusammenfassen und einer Fokussierung auf die 18- bis 27-Jährigen. «Wir sind noch immer jedes Wochenende voll», sagt Michael Ganz. 180 Personen fasst der Boiler. Zehn Angestellte arbeiten heute pro Abend hier, plus DJ. «So konnten schon einige Studenten ihr Studium finanzieren», sagt der Klubbetreiber, der sich gleichzeitig auch als Arbeitgeber sieht.

Im Publikum sind längst nicht mehr Ganz' Freunde, er ist zum Patron geworden. Ist er im Boiler, tanzt er nicht, er arbeitet. Das ginge auch gar nicht, sagt er, er habe inzwischen ein «professionelles Verhältnis» zum Klub. «Wenn ich da bin, sehe ich ohnehin immer überall, was noch getan werden sollte», sagt Ganz.

Schwester Martina stieg vor zwei Jahren aus - das Partyleben wurde ihr zu viel. Auch der Bruder sagt: «Wenn ich erst um 6 Uhr ins Bett gehe, spüre ich das heute noch einige Tage lang. Es ist jedes Mal wie ein Jetlag.» Ans Aufhören denkt er dennoch nicht.

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