Schlossplatz Aarau, gestern am frühen Nachmittag. Zwischen den öffentlichen Bussen, die alle paar Minuten vom Graben in die Kronengasse einbiegen, fahren immer wieder private Autos und Lieferwagen in die verkehrsberuhigte Altstadt – darunter ein Blumengeschäft, der Paketkurier und ein Sanitärunternehmen. Das hat alles seine Ordnung: Für den Güterumschlag ist die Fahrt in die Aarauer Altstadt werktags von 6 bis 11 Uhr und von 14 bis 17 Uhr erlaubt (Samstag 6 bis 11 Uhr). Rund 700 Personen, darunter Anwohner und Gewerbetreibende, haben zudem eine Ausnahmebewilligung der Stadtpolizei, welche die Zufahrt in die Altstadt ausserhalb dieser offiziellen Zeiten erlaubt.

Einige Fahrer scheinen jedoch den Begriff «Güterumschlag» sehr weit auszulegen. «Die Ausnahmebewilligungen werden vor allem von einzelnen Gewerbetreibenden nahezu täglich zum Langzeitparkieren missbraucht», kritisiert Georges Mühlethaler, der in der Altstadt wohnt. Bei der Markthalle werde stundenlang unerlaubt parkiert – «und das oft ohne erkennbaren Güterumschlag», so Mühlethaler. «Mich ärgert zudem, dass die Stadtpolizei hier zu wenig kontrolliert und büsst.»

Immer eine gute Ausrede zur Hand

Die Stadtpolizei bestätigt auf Anfrage, dass in der Aarauer Altstadt immer wieder unerlaubt lange und ohne Güterumschlag parkiert wird. «Der gesetzlich erlaubte Güterumschlag wird überstrapaziert», sagt Polizeichef Daniel Ringier. «Dieses Problem ist in Aarau aber nicht grösser als in anderen Städten.» Der Parkkontrolldienst sei darauf sensibilisiert; fehlbare Autofahrer zu überführen sei jedoch nicht immer einfach. Ringier: «Fährt jemand ohne Grund in die Altstadt und wird dabei erwischt, hat er eine gute Ausrede bereit; zum Beispiel, dass er irgendwo etwas abholen muss. Die Überprüfung beansprucht dann oft einige Zeit.»

Ähnlich schwierig sei es, den ungerechtfertigt langen Güterumschlag zu bekämpfen – obwohl die Regeln in der Theorie klar sind. Daniel Ringier nennt ein Beispiel: Liefert ein TV-Händler einen Fernseher an einen Kunden in der Altstadt, muss er vor der Installation des Geräts seinen Lieferwagen wieder aus der Altstadt fahren und auf einem ordentlichen Parkplatz abstellen. Oft wird das jedoch nicht gemacht. «Wir stellen immer wieder fest, dass die benötigte Zeit für den Güterumschlag überzogen wird», sagt Daniel Ringier. Regelmässige Kontrollen seien jedoch nicht möglich. «Der Aufwand dafür würde in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Problem stehen.» Der Parkkontrolldienst überprüfe jedoch auf den regulären Patrouillen Fahrzeuge, die mehrere Stunden in der Altstadt stehen. «Ich verstehe den Ärger der Anwohner sehr wohl und wir sind froh um eine Meldung, wenn es Verstösse gibt», so Ringier, «die tatsächliche Zahl der unerlaubt abgestellten Fahrzeuge ist jedoch viel kleiner als von Anwohnern empfunden wird». Ein Handwerker etwa brauche sein Auto den ganzen Tag in der Nähe, um Zugriff zu den Werkzeugen zu haben.

Wer unerlaubt in die Altstadt fährt oder den Güterumschlag ungerechtfertigt in die Länge zieht, muss mit einer Busse rechnen. Für die Missachtung des Fahrverbotes sind 100 Franken fällig. Hinzu kommt je nach Fall eine Busse für verbotenes Parkieren, die sich nach der Dauer richtet.