Aarau

In den Gärten des Heks pflanzen sich Flüchtlinge ein Stück Heimat an

Das Hilfswerk Heks ermöglicht Flüchtlingsfrauen mit ihren Kindern mitten im Aarauer Telli zu gärtnern, teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben. Dazu können sie ganz offen über ihre Probleme und Sorgen sprechen.

«Hier habe ich Spinat aus meiner Heimat angepflanzt», sagt Sivatharshini Tharmaseelan, «und hier warte ich, bis ich die Samen ernten kann.» Die Sri Lankerin zeigt auf ein Bohnengewächs. «Leider weiss ich den deutschen Namen nicht mehr.» Sie lächelt verlegen.

Tharmaseelan bewirtschaftet seit zwei Jahren ein Stück Garten in der Aarauer Telli. Tomaten, Rüebli, Spinat und Bohnen wachsen auf ihrem etwa neun Quadratmeter grossen Stück Land. «Ich bin froh, kann ich hierher kommen.» Sie wohne im Flüchtlingscamp, dort sei die Stimmung oft sehr bedrückt. «Im Garten kann ich meinen Kopf auslüften.»

Kontakte knüpfen

Acht Parzellen werden zurzeit bewirtschaftet. Trotz des trockenen Sommers grünt es in jeder einzelnen. Und das, obwohl einige der Frauen nur wenig Gartenerfahrung haben.

«Wir gingen zu Beginn davon aus, das Flüchtlinge mehrheitlich Erfahrung mit Feldarbeit haben», sagt Regula Rickenbacher, Programmleiterin des evangelischen Hilfswerkes Heks. «Tatsächlich ist es aber so, dass die Hälfte aller Frauen hier zum ersten Mal einen Garten hat.»

Mit den Gärten wolle man den Flüchtlingsfrauen auch eine Möglichkeit geben, Kontakte zu knüpfen. Es gehe nicht nur ums Gärtnern, sondern auch darum, mit anderen über Probleme und Bedürfnisse reden zu können.

Das sei einer der Gründe, warum das Garten-Angebot bisher nur für Frauen besteht. «So können wir uns zeigen, wo es uns wehtut oder auch über die Menstruation reden», sagt Regula Rickenbacher. «Wären Männer anwesend, wäre das nicht so einfach.»

Die beiden Gartenfachfrauen, welche die Frauen während des Projektes begleiten, haben damit auch eine soziale Aufgabe. Eine dieser Fachfrauen ist Brigitte Denk. Sie ist seit der Gründung der Aarauer Gärten 2010 dabei. «Man merkt, wie die Frauen selbstbewusster werden», sagt sie. «Gerade im zweiten Jahr trauen sie sich, Deutsch zu sprechen. Und Fehler zu machen.»

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