Sorry, diese Kolumne hat nicht besonders viel Bezug zu Aarau, denn ich liege gerade 9822 Kilometer entfernt (klar, habe ich das gegoogelt) an einem vietnamesischen Strand. Die Sonne strahlt vom Himmel und ich habe gerade den leckersten Eiskaffee der Welt getrunken und dazu drei Frühlingsrollen verdrückt. Das Paradies müsste, ginge es nach mir, kein bisschen schöner sein.

Das einzig Unangenehme an der Situation ist der Blick an mir runter. Irgendwie fühle ich mich noch nicht genug in shape für die Bikinisaison. Aber das ist im April auch zu viel verlangt, nicht? An die guten Vorsätze vom Januar kann ich mich kaum noch erinnern, dafür noch viel zu gut an die Schoggiosterhasen und den Osterbrunch am Tag vor meiner Abreise. Dann kommen noch der ungesunde Flugzeugfrass und die Cocktails von gestern Abend dazu. Weiss wie Brot bin ich auch und mein Bikini sitzt hinten und vorne nicht.

Komisch, plötzlich drehen sich meine Gedanken nur noch um meine zu dicken Oberschenkel. So etwas kann einem (also uns Frauen) schon mal die Laune für einen ganzen Nachmittag vermiesen. Ja, auch hier an einem der schönsten Orte die ich je besucht habe. Aber bringt ja jetzt auch nichts, wenn mein Bikinihöschen eine oder sogar zwei Nummern zu klein ist.

Manchmal muss ich es mir selber wieder sagen. «Sei doch einfach mal zufrieden!» Unglaublich, selbst in fast perfekten Momenten finde ich etwas zu kritisieren. Irgendetwas, worüber ich nörgeln kann. Zu Hause ist das nicht anders:

Im Herbst bin ich umgezogen. Ich wohne in einem richtig schönen Haus, mitten in der Aarauer Altstadt. Alles ist wunderbar, die Lage, der Charme ... nur der Fussboden, der ist nicht ganz nach meinem Geschmack.

Im Januar habe ich meinen Job gewechselt. Alles wunderbar, mein Traumjob, Radio ist schon geil ... Nur der Arbeitsweg von Aarau nach Zürich ist voll mühsam.

Ach ja, und ich habe den besten Freund der Welt, mit ihm zusammenzuziehen war eine super Idee ... nur seine schwarzen Haare sieht man einfach überall herumliegen. Das nervt.

Ich habe gerade drei Wochen Ferien, mehr als genügend Geld in einem so günstigen Land, tolles Wetter, ewig lange Traumstrände und in meinem Koffer liegen sieben echt hübsche Bikinis, die zwar nicht sitzen ... aber ganz ehrlich, wen kümmerts? Und deshalb: «Môt cà phê sua đá», ist vietnamesisch und heisst «noch einen Eiskaffee bitte».