Die KMU-Betriebe im Oberwynental sind immer wieder für positive Überraschungen gut. Diesmal, weil eine Spur von den in Brasilien gestohlenen WM-Pokalen direkt in Werkstätten im Oberwynental führt.

Die «Fédération internationale de Volleyball», der Weltverband, hatte die in Leimbach und Reinach hergestellten Pokale auf einer Ausstellungstour in Rio de Janeiro gezeigt. «Noch bevor sie wieder nach Europa geschickt werden konnten, wurden die Pokale auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums gestohlen», schrieb der Blick Ende August.

Die Firma Peter Müller Polymechanik in Leimbach produziert nicht nur Türgriffe, Möbelbeschläge, Teile für den Maschinenbau oder die Medizinaltechnik. Müller ist auch spezialisiert auf Kleinserien und besondere Einzelstücke.

Unter grösster Geheimhaltung hatten die Leimbacher Spezialisten gegen Ende des letzten Jahres die einzelnen Teile für die Siegerpokale zu den Volleyball-Weltmeisterschaften 2014 in Polen (Männer) und Italien (Frauen) hergestellt. Unter den Augen der beiden Schweizer Designer Thilo Alex Brunner und Jörg Mettler hatten Müllers Leute die einzelnen Teile mit ihrer modernen CNC-Fräse aus Messingblöcken gefertigt.

Die Zeichnungen der Designer in Konstruktionspläne umgesetzt haben die Fachleute der Firma Eichenberger Casting AG in Reinach. «Es war eine Zusammenarbeit unserer beider Firmen», sagt Juan Franco von Eichenberger AG.

Peter Müller und Juan Franco sind sich einig, die Pokalräuber hätten die Situation völlig falsch eingeschätzt. Der reine Materialwert der Pokale sei relativ gering. Der Verlauf mit dem Goldauftrag hauchdünn. «Da ist kein Gold herauszuschmelzen, und verkaufen können die Diebe ihre Beute auch nicht.

Ein Mitglied des brasilianischen Volleyball-Verbandes habe denn die Diebe auch aufgerufen: «Uns die Trophäen wieder auszuhändigen, wäre ein Liebesbeweis an den brasilianischen Volleyball», schreibt die Deutsche Presseagentur DPA.

Peter Müller weiss aber schon heute, in nächster Zeit wird er wohl auf seiner CNC-Fräsmaschine nochmals Teile für die Duplikate der grossen Pokale herstellen.

Vom Design zum Pokal

«Wir sind es uns gewohnt, dass die Designer mit dem Zeichenstift Formen entwickeln, die den Fräsvorgang komplex werden lassen», erklärt Geschäftsinhaber Peter Müller. «Der Designer entwickelt seine Formen, unabhängig vom Produktionsvorgang.»

Schwierig werde es jeweils, wenn Werkteile rundherum zu fräsen seien. «Da ist die Frage immer die gleiche», sagt Müller, «wie können wir das Bauteil überhaupt noch einspannen.» Die Kräfte, die ein Fräskopf auf Metall ausübe, die dürfe ein Mechaniker nie unterschätzen.

Die aus Messing herausgefrästen Einzelteile werden nach den Plänen der Eichenberger AG montiert. Der Spezialfirma aus Reinach oblag die Aufgabe nach der Politur der Teile, die Oberfläche zu veredeln. Juan Franco: «Der Pokal sollte einen Verlauf von unten nach oben aufweisen». Am Fuss Silbermatt, dann Weissgold und weiter ein nahtloser Verlauf in Rosagold.

Im Ganzen sind es 6 Pokale

Müllers Mitarbeiter haben insgesamt sechs Pokale hergestellt. «Je einen in voller Grösse von 43 Zentimeter Höhe für die Siegerinnen bei den Frauen und die Sieger bei den Männern. Zusätzlich fertigte Müller noch je zwei Pokale mit einer Grösse von 90 Prozent an.

Die 100-Prozent-Pokale verbleiben beim Weltverband, der «Fédération internationale de Volleyball. Von den um einen Zehntel kleineren «Duplikaten» wird je eines an den Siegerehrungen den Weltmeistern übergeben. Zwei sind Reserven. Zum Glück ist das so, sonst wären die Sieger ohne Pokal heimgekehrt.